Schlagwort-Archive: Coronavirus

Krankenhaus Barometer 2020 erschienen

Die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser ist dramatisch. Bereits 2019 hat fast jede zweite Klinik (44 %) rote Zahlen geschrieben. Die Corona-Pandemie hat die wirtschaftliche Lage weiter verschärft. Weniger als ein Drittel der Häuser erwartet für 2020 ein positives Jahresergebnis. Das sind Ergebnisse des aktuellen DKI-Krankenhaus Barometers 2020.

Beim Krankenhaus Barometer handelt es sich um eine jährlich durchgeführte Repräsentativbefragung deutscher Krankenhäuser zu aktuellen gesundheits- und krankenhauspolitischen Themen. Das Barometer wird im Auftrag der Träger des Deutschen Krankenhausinstitut (DKI) erstellt; das sind die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) und der Verband der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK).

Quelle: DKI

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BMG: Zweiter Online-Austausch zum Thema Corona-Impfung

Berlin – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn lädt zu einem zweiten Town-Hall-Meeting am 09.01.2021 zum Thema Corona-Schutzimpfung ein:

Bereits am 5. Dezember 2020 wurde mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts, Professor Dr. Lothar H. Wieler, und dem Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts, Professor Dr. Klaus Cichutek, über Fragen rund um die Corona-Schutzimpfung. Aufgrund der hohen Bedeutung des Themas sowie der Vielzahl an Fragen, die uns dazu erreichten, möchte das Bundesgesundheitsministerium den fachlichen Austausch nach Beginn der Verimpfung gerne fortsetzen:

Livestream „Ihre Fragen zur Corona-Schutzimpfung“
am Samstag, dem 9. Januar 2021, ab 14:00 Uhr
unter www.zusammengegencorona.de/live

Erneut werden Professor Dr. Wieler und Professor Dr. Cichutek teilnehmen.

Machen Sie mit: Bereits ab dem 5. Januar 2021 werden über die Webseite www.zusammengegencorona.de/live wieder Fragen und Beiträge gesammelt. Natürlich können Sie auch während der Veranstaltung live an der Diskussion über die Webseite teilnehmen.

Quelle: BMG

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COVID-19: Krankschreibung bis zu sieben Tage nach telefonischer Rücksprache bei leichten Atemwegserkrankungen

Berlin – Wer an leichten Atemwegserkrankungen leidet, kann auch über den Jahreswechsel hinaus telefonisch bis zu 7 Tage krankgeschrieben werden. Ebenfalls können niedergelassene Ärztinnen und Ärzte eine Folgebescheinigung der Arbeitsunfähigkeit für weitere 7 Kalendertage telefonisch ausstellen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat heute seine Sonderregelung zur Feststellung der Arbeitsunfähigkeit um 3 Monate verlängert. Sie gilt nun bis zum 31. März 2021. Damit reagiert der G-BA auf die deutschlandweit anhaltend hohen COVID-19-Infektionszahlen. Durch eine Reduzierung von direkten Arzt-Patienten-Kontakten sollen das potenzielle Infektionsrisiko gesenkt und Arztpraxen entlastet werden. Wichtig ist: Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte müssen sich durch eine eingehende telefonische Befragung persönlich vom gesundheitlichen Zustand der Versicherten oder des Versicherten überzeugen und prüfen, ob gegebenenfalls doch eine körperliche Untersuchung notwendig ist.

Hinweise zur Abrechnung

Das Ausstellen der AU-Bescheinigung ist Teil der Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale. Dies gilt auch, wenn sie telefonisch ausgestellt wird. Voraussetzung für die Abrechnung der Pauschale ist jedoch, dass der Patient mindestens einmal in dem Quartal in der Praxis war.  

Ist das bei der telefonischen AU-Bescheinigung nicht der Fall, rechnen Ärzte die Gebührenordnungsposition (GOP) 01435 (88 Punkte / 9,67 Euro) ab. Auch darauf haben sich KBV und GKV-Spitzenverband heute verständigt. Für das Porto zur Übersendung des „gelben Scheins“ an den Versicherten ist jeweils die GOP 40122 (0,90 Euro) berechnungsfähig.

Hinweise zur eGK

Das Verfahren zur elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sieht vor, dass Patienten, die für die Krankschreibung erstmals eine Praxis telefonisch konsultieren, ihre Versichertendaten nur mitteilen und ihre Mitgliedschaft in einer Krankenkasse mündlich bestätigen müssen. Damit wird verhindert, dass Patienten, die ihre AU-Bescheinigung oder bei Kindern die Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld per Post erhalten, später doch in die Praxis kommen müssen, nur um ihre eGK vorzulegen.

Bei bekannten Patienten gilt das übliche Verfahren: Findet ausschließlich ein telefonischer Kontakt statt, übernehmen Ärzte die Versichertendaten aus der Patientenakte.

Quelle: KBV/GKV-Spitzenverband

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Künstliches Koma, Intubation: „Ohne die richtige Behandlung wäre ich gestorben.“

Berlin/München – BVOU-Mitglied Dr. Stephan Hoeltz (ärztlicher Leiter Orthopädisches Versorgungszentrum München-Ost) war Mitte März an Covid-19 erkrankt. Von dem schweren Verlauf der Infektion berichtet er im Interview.

Dr. Hoeltz, können Sie nachvollziehen, wo Sie sich infiziert haben?
Dr. Stephan Hoeltz: Ich war im März Skifahren in Tirol. In diesen Tagen wurde bereits das nahegelegene Ischgl aufgrund der Pandemie geräumt. Zwei Tage später waren wir in St. Anton an der Reihe und wir mussten den Aufenthalt dort beenden – aus heutiger Sicht viel zu spät. Ich denke, dass ich mich dort angesteckt habe. Obwohl ich dazu sagen muss, dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits volle Hütten und Après-Ski gemieden habe.

Wie haben Sie von Ihrer Infektion erfahren? Wann machten sich die ersten Symptome bemerkbar?
Dr. Hoeltz: Da ich aus einem Risikogebiet zurückgekehrt war, wollte ich mich vorsorglich, besonders auch hinsichtlich meiner Verantwortung als Mediziner, testen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits leichtes Halskratzen, Schnupfen usw. Weil sämtliche Corona-Teststellen am Wochenende geschlossen hatten, ging ich am Montag zu einem HNO-Arzt. Das Test-Ergebnis, das mir drei Tage später mitgeteilt wurde, fiel zunächst negativ aus.

Wie beschreiben Sie den weiteren Krankheitsverlauf?
Dr. Hoeltz: Zunächst habe ich normal weiter gemacht: Arbeit, Einkauf und so weiter. Nach schon zwei Tagen bemerkte ich, dass ich mich extrem angeschlagen fühlte. Mitte der Woche, ging es mir gesundheitlich rapide schlechter: Knapp 40 Grad Körpertemperatur, Kopfschmerzen, Husten, Schüttelfrost. Dazu setzte mein Geruchs- oder Geschmackssinn zu diesem Zeitpunkt und bis zum heutigen Tage aus. Ende der Woche hielt ich es nicht mehr aus und bin erneut zum HNO-Arzt gegangen, der eine Röntgenaufnahme meiner Lunge machte und eine beginnen Pneumonie feststellte.

Welche Behandlung wurde eingeleitet?
Dr. Hoeltz: Mir wurden Antibiotika verschrieben, da man weiterhin von einer bakteriellen Infektion ausging. Ein Kollege brachte mir zudem eine mobile Sauerstoff-Flasche nach Hause. Da nichts half und mir das Atmen immer schwerer fiel, wies ich mich am Sonntag selbstständig ins LMU-Klinikum Großhadern ein. Hier wurde ein CT meiner Lunge angefertigt und nach Abstrich schließlich eine Covid-19-Infektion festgestellt. Da sich mein Zustand stündlich verschlechterte, wurde ich noch am selben Abend intubiert und künstlich beatmet. Zurückblickend befand ich mich zu diesem Zeitpunkt in akuter Lebensgefahr und wäre – ohne die richtige Behandlung – gestorben. Das ich lebe, ist dem hohen Standard unserer Intensivmedizin und der Professionalität des Klinikpersonals zu verdanken.

Ich wurde für zwei Tage ins künstliche Koma gesetzt. Keine Erinnerungen, keine Wahrnehmung, nichts. Als ich am Mittwoch aufwachte, wurde ich zwar weiterhin intubiert. Besonders mit der Verdauung hatte ich ziemlich zu kämpfen: Darm geschwollen, Abführmittel, starke Schmerzen. Meine Werte hatten sich aber insgesamt deutlich verbessert. Nach ein paar Tagen wurde ich wieder entlassen. Heute geht es mir wieder den Umständen entsprechend gut, aber ich schone mich weiterhin sehr und befinde mich noch bis 20. April in Quarantäne.

Wie hat mich sich insgesamt auf der Intensivstation um Sie gekümmert?  Wie schätzen Sie Arbeit des Klinikpersonals ein?
Dr. Hoeltz: Die Menschen dort geben in solch einer Ausnahmesituation wirklich ihr bestes. Klar, bei so einem Patientenaufkommen und einer nie dagewesenen Extremsituation ist die Anspannung des Personals zu spüren. Das ist durchaus verständlich, denn es ist zu befürchten, dass sich beim Klinikpersonal viele anstecken.

Zurückblickend: Was haben Sie richtig gemacht? Was falsch?
Dr. Hoeltz: Ich muss leider sagen, ich habe vieles falsch gemacht. Ich habe die Gefahr geringer eingeschätzt. Beispielsweise hätte ich mir den Skiurlaub in diesem Jahr verkneifen sollen. Da ich aber keine Vorerkrankung habe und mit Ende 50 noch nicht zur Risikogruppe gehöre, habe ich mir keine Gedanken über eine mögliche Infektion gemacht. Durch den negativen Test habe ich mich zunächst in die Irre führen lassen. Richtig jedoch war, dass ich trotz des ersten Testergebnisses mich nicht entspannt zurückgelehnt und die Krankheit auskuriert habe, sondern auf mein Bauchgefühl gehört habe.

Sie sind Leiter eines orthopädischen Versorgungszentrums. Wann gehen Sie wieder arbeiten? Welche Schutzmaßnahmen werden in Ihrer Praxis getroffen?
Dr. Hoeltz: Geplant ist, dass ich Anfang Mai wieder in die Praxis gehe. Zwar haben wir momentan sehr wenig Patienten, meine Kollegen halten jedoch die Stellung und haben die Räumlichkeiten an die Ausnahmesituation der Pandemie angepasst: Plexiglaswände, weitere Desinfektionsspender, Abstandsmarkierungen, Mundschutz und Handschuhe für das gesamte Personal.

Herr Dr. Hoeltz, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Janosch Kuno, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 

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„Gesundheitswesen stützen, damit es noch besser schützen kann“

Berlin – Um das Gesundheitswesen und die Pflege bei der Bewältigung der Corona-Epidemie zu unterstützen, hat das Kabinett heute zwei von Bundesgesundheitsminister Spahn vorgelegte Formulierungshilfen für Gesetzentwürfe beschlossen. Mit dem „COVID19-Krankenhausentlastungsgesetz“ werden die wirtschaftlichen Folgen für Krankenhäuser und Vertragsärzte aufgefangen. Mit dem “Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite” wird die Reaktionsfähigkeit auf Epidemien verbessert.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Ärzte, Pflegekräfte – alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, brauchen gerade jetzt unsere volle Unterstützung. Deswegen kompensieren wir Einnahmeausfälle, bauen Bürokratie ab und setzen Sanktionen aus. Und wir sorgen dafür, dass wir schneller in epidemischen Lagen reagieren können. Wir bündeln Kompetenzen, so dass wir künftig in einer Lage wie dieser binnen Stunden für Ärzte, Pflegekräfte, Apotheker und alle anderen, die weit über das normale Maß anpacken, Bürokratie wegnehmen, Regeln anpassen, Vergütungen erhöhen.“

Formulierungshilfe für einen „Gesetzentwurf zum Ausgleich COVID-19 bedingter finanzieller Belastungen der Krankenhäuser und weiterer Gesundheitseinrichtungen“ (COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz)

Die Bundesregierung unterstützt Krankenhäuser, Vertragsärzte und Pflege, um die Auswirkungen der Corona-Epidemie schultern zu können. Krankenhäuser werden unterstützt, um die Versorgungskapazitäten für eine wachsende Anzahl von Patienten mit einer Coronavirus-Infektion bereitzustellen. Ebenfalls abgefedert werden Honorareinbußen der niedergelassenen Ärzte. Auch Pflegeeinrichtungen sollen befristet von Bürokratie entlastet und ebenfalls finanziell unterstützt werden.

  • Krankenhäuser erhalten einen finanziellen Ausgleich für verschobene planbare Operationen und Behandlungen, um Kapazitäten für die Behandlung von Patienten mit einer Coranavirus-Infektion frei zu halten. Für jedes Bett, das dadurch im Zeitraum vom 16. März bis zum 30. September 2020 nicht belegt wird, erhalten die Krankenhäuser eine Pauschale in Höhe von 560 Euro pro Tag. Der Ausgleich wird aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds, der aus dem Bundeshaushalt refinanziert wird, bezahlt.
  • Krankenhäuser erhalten einen Bonus in Höhe von 50.000 Euro für jedes Intensivbett, das sie zusätzlich schaffen. Die Kosten dafür werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Darüber hinaus sollen die Länder kurzfristig weitere erforderliche Investitionskosten finanzieren.
  • Für Mehrkosten, insbesondere bei persönlichen Schutzausrüstungen, erhalten Krankenhäuser vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 einen Zuschlag je Patient in Höhe von 50 Euro, der bei Bedarf verlängert und erhöht werden kann.
  • Der so genannte “vorläufige Pflegeentgeltwert” wird auf 185 Euro erhöht. Das verbessert die Liquidität der Krankenhäuser und wird auch zu erheblichen Zusatzeinnahmen für die Kliniken führen.
  • Die Rechnungsprüfung durch den Medizinischen Dienst wird zur Entlastung der Krankenhäuser umfassend erleichtert, der so genannte “Fixkostendegressionsabschlag” für das Jahr 2020 ausgesetzt und deutlich mehr Flexibilität bei den Erlösausgleichen eingeräumt.
  • Die Liquidität der Krankenhäuser wird durch eine auf fünf Tage verkürzte Zahlungsfrist in diesem Jahr zusätzlich gestärkt.
  • Unter bestimmten Voraussetzungen können zur Entlastung der Krankenhäuser auch Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen Krankenhausleistungen erbringen.
  • Niedergelassene Ärzte sowie Psychotherapeuten werden bei einer zu hohen Umsatzminderung aufgrund einer geringeren Inanspruchnahme durch Patienten mit Ausgleichszahlungen sowie mit zeitnahen Anpassungen der Honorarverteilung geschützt.
  • Die Kassenärztlichen Vereinigungen erhalten die zusätzlichen Kosten für die Finanzierung außerordentlicher Maßnahmen, die während des Bestehens der epidemischen Notlage erforderlich sind (wie zum Beispiel die Einrichtung von „Fieberambulanzen“), von den Krankenkassen erstattet.
  • Die Ausgleichzahlungen für die Freihaltung von Bettenkapazitäten durch die Verschiebung planbarer Operationen, Eingriffe und Aufnahmen in Krankenhäusern bedeuten Mehrausgaben für den Bundeshalt in Höhe von voraussichtlich rund 2,8 Mrd. Euro in 2020. Für die GKV entstehen durch das Hilfspaket im Krankenhausbereich in diesem Jahr geschätzte Mehrausgaben in Höhe von rund 5,9 Mrd. Euro, von denen 1,5 Mrd. Euro direkt aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds finanziert werden. Die Mehrausgaben im Bereich der vertragsärztlichen Versorgung sind nicht quantifizierbar.
  • Die ambulante und stationäre Pflege wird durch das befristete Aussetzen von Qualitätsprüfungen, Änderungen bei der Durchführung von Begutachtungen und den Verzicht auf die – nach geltendem Recht obligatorischen – Beratungsbesuche bei Pflegebedürftigen entlastet.
  • Pflegeeinrichtungen wird durch eine Regelung die Sicherheit gegeben, durch die Pandemie bedingte finanzielle Mehrausgaben oder Mindereinnahmen über die Pflegeversicherung erstattet zu bekommen.
  • Für die Aufrechterhaltung der Versorgung kann insbesondere von den gesetzlichen und vertraglichen Vorgaben und Rahmenbedingungen zur Personalausstattung abgewichen werden. Pflegekassen wird zudem ein weiterer Gestaltungsspielraum zur Vermeidung von pflegerischen Versorgungslücken in der häuslichen Versorgung eingeräumt.
  • Junge Menschen in Ausbildung, die sich in der aktuellen Krise engagieren und einen wertvollen Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystems leisten, werden keine Nachteile beim Bezug von BAföG nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz erleiden.

Formulierungshilfe für einen „Gesetzentwurf zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“

Um auf eine Epidemie effektiv reagieren zu können, müssen schnell Entscheidungen getroffen werden. Dazu soll der Bund in einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ für einen befristeten Zeitraum zusätzliche Kompetenzen erhalten. Eine „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ wird so definiert, dass entweder die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Pandemie ausruft und die Einschleppung einer bedrohlichen übertragbaren Krankheit droht oder eine bundesländerübergreifende Ausbreitung einer bedrohlichen übertragbaren Krankheit droht.

In diesem Fall ist es möglich, dass die Bundesregierung eine solche Lage erklärt. Der Deutsche Bundestag oder der Bundesrat erhalten das Recht, die Aufhebung dieser Feststellung zu verlangen.

Das Bundesministerium für Gesundheit wird u. a. ermächtigt, durch Allgemeinverfügung oder durch Rechtsverordnung Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen und die Gesundheitsversorgung sicher zu stellen, etwa durch:

  • Vorschriften für den grenzüberschreitenden Reiseverkehr, etwa wenn im Bahn- und Busverkehr Meldepflichten eingeführt werden,
  • Melde- und Untersuchungspflichten,
  • Regelungen, die im Normalfall durch die Selbstverwaltungspartner getroffen werden,
  • Maßnahmen zur Sicherstellung der Grundversorgung mit Arzneimitteln, Schutzausrüstung und Labordiagnostik,
  • Flexibilisierung von Vorschriften in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen,

Ferner enthält der Gesetzentwurf Ausnahmen vom Baurecht, um etwa kurzfristig medizinische Einrichtungen errichten zu können.

Zudem wird eine Entschädigungsregelung für Eltern geschaffen, deren Kindern der Besuch einer Betreuungseinrichtung durch entsprechende behördliche Schließungen nicht mehr möglich ist. Sie erhalten bis zu sechs Wochen 67% ihres Verdienstausfalls (maximal 2016 Euro).
Das „COVID19-Krankenhausentlasungsgesetz“ bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrates. Das „Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ bedarf der Zustimmung des Bundesrates.

Beide Gesetzentwürfe sollen diese Woche abschließend vom Deutschen Bundestag sowie vom Bundesrat beschlossen werden.

Sie treten im Wesentlichen am Tag nach der Verkündung in Kraft.

Weitere Informationen und Quelle: www.bundesgesundheitsministerium.de

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Coronavirus: Information und Service für BVOU-Mitglieder

Berlin – Das Coronavirus breitet sich weiter aus. Neben der Behandlung der Betroffenen zählt die Unterbrechung der Infektionskette jetzt zu den dringendsten Maßnahmen. Mit dem Auftreten des neuartigen Coronavirus ergeben sich für viele Menschen dringende Fragen. Der BVOU fasst aus gegebenem Anlass mehrere Service- und Informationsangebote für seine Mitglieder zusammen.

Alle wichtigen Beiträge zum Thema unten im Link-Bereich

Kontaktlose Ersteinschätzung: Videosprechstunde kostenfrei 

Die Deutsche Arzt AG (DAAG) leistet mit ihrer Videosprechstunde als erster Anbieter am Markt einen aktiven Beitrag, die Ausbreitung des Virus mit allen Mitteln zu verhindern. Darum stellt sie ihren Arztpraxen den Videodienst sprechstunde.online für den Zeitraum der Covid-19-Krise kostenlos zur Verfügung. Der Dienstleister weist explizit darauf hin, dass auch im Nachgang kein Abonnement und keine Zahlungsverpflichtung gegenüber der Deutschen Arzt AG entsteht.

Die Nachfrage nach kontaktlosen Ersteinschätzungen ist groß: Mittlerweile werden potenziell infizierte Personen aufgefordert, keine Arztpraxis aufzusuchen, sondern im Verdachtsfall den Arzt anzurufen und das weitere Vorgehen gemeinsam zu besprechen. Der Nutzen des Videotools sprechstunde.online ist für alle Beteiligten hoch: Der Betroffene erhält schnelle Hilfe in einer für ihn schwierigen Situation insbesondere der Hausarzt kann seinem Versorgungsauftrag nachkommen, ohne andere Patienten, sein Team und sich selbst einem Infektionsrisiko auszusetzen. Konkret läuft die Ersteinschätzung eines Coronavirus-Verdachts wie folgt: Ruft ein Patient mit Verdacht auf eine Infizierung mit dem Virus an, wird ein Termin für die Onlinesprechstunde vereinbart und die entsprechenden Login-Daten werden übermittelt. Der betroffene Patient loggt sich von zuhause aus in den geschützten Onlinebereich der sprechstunde.online seines Hausarztes ein. Arzt und Patient führen ein ausführliches Anamnesegespräch, indem der Arzt z. B. die klassischen Symptome sowie die Temperatur abfragt. Liegt ein Anfangsverdacht vor, kann der Arzt die weiteren Schritte einleiten.

Auch Nicht-Infizierte können vom Einsatz der Videosprechstunde profitieren, da unnötiger Kontakt zu potenziell Kranken im Wartezimmer oder auf der Anreise verhindert wird. So kann die Ansteckungsgefahr nicht nur bei den Patienten, sondern vor Allem auch bei Praxispersonal und Ärzten minimiert werden.

Interessierte Ärzte können sich für die sprechstunde.online ab sofort kostenlos registrieren. Im Anmeldeprozess werden einige Basisdaten und Angaben zur Praxis abgefragt. Anwender werden ferner gebeten, im optionalen Feld „Krankheiten“ den Eintrag Coronavirus (Covid-19) auszuwählen, damit sie automatisch der 3-monatigen Aktion zugeordnet werden können. Es entsteht kein Folge-Abonnement und keine Zahlungsverpflichtung gegenüber der Deutschen Arzt AG. Sprechstunde.online ist ein etablierter KBV-zertifizierter Videodienst für Ärzte und Behandler und wurde seiner Zeit in einer Entwicklungspartnerschaft mit dem Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) entwickelt. In einer aktuelle Veröffentlichung des health innovation hub (hih) des Bundesministeriums für Gesundheit, wird sprechstunde.online an erster Stelle aller Anbieter von medizinischen Videosprechstunden gelistet. Zudem ist sprechstunde.online vollständig in das Patientenportal Orthinform integriert, das mit zum BVOU gehört. Orthinform.de vereint Gesundheitsinformationen zum Bewegungsapparat mit einer qualifizierten Arzt- und Expertensuche. Der Anbieter ist unabhängig von PVS-Systemen, Online-Kalendern oder Patientenbewertungsportalen und kann daher auch ohne Anbindung an die Telematikinfrastruktur eingesetzt werden.

Kostenloses Microlearning: Impfung für den Kopf!

Curriculare berufsbegleitende Fortbildung trotz engem Zeitbudget. Das Blended-Learning-Konzept nach der meduplus Smart Learning® Methode ermöglicht flexibles Lernen – am Arbeitsplatz, zuhause oder unterwegs. Mit dem meduplus Microlearning Coronavirus erlernen Sie in nur 10 Minuten alle Maßnahmen zum hygienisch korrekten Verhalten bei Verdacht auf oder bestätigte Coronavirus-Infektion. Dieser Kurs sensibilisiert Ärzte, Pflegekräfte, MFA und medizinisches Hilfspersonal punktgenau für Hygienemaßnahmen in Klinik, MVZ und Praxis bei Ausbruch von COVID-19. meduplus stellt diesen Kurs allen Nutzern kostenfrei zur Verfügung.

KBV bietet Praxisinfo für Ärzte zum Vorgehen bei Verdachtsfall

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen schriftlich und in Videos im Internet aufbereitet. Für Fachleute stellt das Robert Koch-Institut (RKI) Informationen auf seinen Internetseiten bereit. Beide Angebote werden laufend überarbeitet und ergänzt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fasst die kompakten Informationen für Ärzte mit allen wichtigen Aspekten zum Vorgehen bei Verdacht auf eine SARS-COV-2-Infektion auf einer Themenseite bereit.

Quarantäne: Coronavirus und das Arbeitsrecht

Das deutsche Infektionsschutzgesetz (IfSG) regelt seit dem 1. Januar 2001 die gesetzlichen Pflichten zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen. Wer auf Grund dieses Gesetzes als Ausscheider, Ansteckungsverdächtiger, Krankheitsverdächtiger oder als sonstiger Träger von Krankheitserregern im Sinne von § 31 Satz 2 Verboten in der Ausübung seiner bisherigen Erwerbstätigkeit unterliegt oder unterworfen wird und dadurch einen Verdienstausfall erleidet, erhält eine Entschädigung in Geld (§ 56 Entschädigung). Das Gleiche gilt für Personen, die als Ausscheider oder Ansteckungsverdächtige abgesondert wurden oder werden, bei Ausscheidern jedoch nur, wenn sie andere Schutzmaßnahmen nicht befolgen können.

Praxisschließung – Hinweise zum Anspruch auf Entschädigung

Ärzte haben Anspruch auf Entschädigung, wenn der Praxisbetrieb aus infektionsschutzrechtlichen Gründen untersagt wird. Anspruch auf Entschädigung haben nach dem Infektionsschutzgesetz sowohl Praxisinhaber als auch angestellte Mitarbeiter. Voraussetzung für Entschädigungsansprüche ist das Verbot der Erwerbstätigkeit oder die Anordnung von Quarantäne aus infektionsschutzrechtlichen Gründen. 

Die Abläufe, wie in solchen Fällen vorgegangen wird (z.B. Antragstellung), bestimmt die zuständige Behörde. Betroffene Ärzte sollten sich deshalb zunächst an zuständige Behörde wenden, um alles Weitere zu erfahren. Wie hoch die Entschädigung ausfällt, richtet sich bei Selbstständigen nach ihrem Verdienstausfall. Grundlage ist der Steuerbescheid (nach Paragraf 15 SGB IV). Angestellte haben Anspruch in den ersten sechs Wochen Anspruch auf die Höhe des Nettogehaltes, danach auf Krankengeld. 

Pflicht zur Sozialversicherung

Die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungspflicht besteht weiterhin. Die jeweiligen Beiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) trägt das jeweilige Bundesland. Die Sozialversicherungsbeiträge werden also auch gegenüber den genannten zuständigen Behörden geltend gemacht. Neben dem Verdienstausfall können Selbstständige auch für Betriebsausgaben „in angemessenem Umfang“ entschädigt werden (Paragraf 56 Absatz 4 Infektionsschutzgesetz). Auch dies müssen Praxisinhaber beantragen. 

Bei Arbeitnehmern, die zu Hause bleiben müssen, aber keine Symptome haben, muss zunächst der Arbeitgeber die Entschädigung auszahlen; sie ist ihm aber vom Land zu erstatten. Arbeitsunfähigkeit und AU-Bescheinigung Sobald ein Praxismitarbeiter, der bisher symptomfrei war, während der Quarantäne erkrankt, besteht Arbeitsunfähigkeit. In einem solchen Fall gehen die Entschädigungsansprüche aufgrund der Arbeitsunfähigkeit (z.B. Anspruch auf Entgeltfortzahlung) auf das Bundesland über. Bei Arbeitsunfähigkeit ist also trotz Quarantäne eine AU-Bescheinigung erforderlich. (Quelle: KBV)

Abgesagte Veranstaltungen

Aufgrund der derzeitigen Lage sind einige Kulturveranstaltungen der ADO/AOUC und Kooperationspartner abgesagt. Eine Liste der betroffenen Termine finden Sie hier. Die Teilnahmegebühren werden selbstverständlich erstattet. Bei weiteren Fragen wenden Sie scih an: ado@bvou.net / 030 797 444 402 / 404.

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Info: Welche Kurse und Kongresse werden abgesagt?

Berlin – Aufgrund der derzeitigen Lage sind einige Kursrveranstaltungen der ADO/AOUC und Kooperationspartner abgesagt. Eine Liste der betroffenen Termine finden Sie hier. Die Teilnahmegebühren werden (bei ADO Kursen) selbstverständlich erstattet. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an: ado@bvou.net / 030 797 444 402 / 404.

Der DKOU im Oktober 2020 wurde ebenfalls abgesagt.

Letzte Änderung: 09.05.2020 um 8:27 Uhr

Akademie Deutscher Orthopäden ADO

  • 15.05.2020 Gutachterkurs Experts abgesagt
  • 15.06. – 20.06.2020 28. FAB Facharztvorbereitungskurs abgesagt

Akademie für Orthopädie und Unfallchirurgie AOUC (sofern von Veranstaltern gemeldet)

  • Alle Kurse der AO Trauma Deutschland bis Mitte Mai abgesagt
  • Alle Kurse von MWE bis zum 15.4.2020 abgesagt
  • Alle Kurse der D.A.F. bis zum 20.06.2020 abgesagt
  • Alle Kurse der AE bis Ende Juni abgesagt
  • Alle Kurse der OTC Germany bis Ende Juni abgesagt
  • Alle Kurse der Kursreihe DGOOC – Kursreihe Spezielle Orthopädische Chirurgie in 2020 abgesagt
  • 19.-20.03.2020 5. Alterstraumatologie Kongress verschoben auf 19.-20.11.2020
  • 19.-21.03.2020 34. Jahrestagung der VKO e.V. verschoben auf 29.-31.10.
  • 20.-21.03.2020 Hip meets Spin 2020 Straßburg verschoben
  • 21.03.2020 15. Jahrestagung der Sektion Handchirurgie der DGU verschoben
  • 27.-28.03.2020 MRT-Kurs 1: Obere Extremität verschoben auf 11.-12.09.2020
  • 21.-24.04.2020 137. Deutscher Chirurgenkongress abgesagt
  • 22.-25.04.2020 33. Jahrestagung der Deutschsprachigen medizinischen Gesellschaft für Paraplegiologie e. V. abgesagt
  • 23.04.-24.04.20 Kniegelenknahe Osteotomien Lichtenfels/Bad Staffelstein –verschoben– neuer Termin in Absprache
  • 23.04.-25.04.20 27. Jahreskongress der DVSE Düsseldorf –verschoben– neuer Termin in Absprache
  • 23.-25.04.2020 28. Osteoporoseforum 2020 verschoben auf 15.-17.10.2020
  • 24.-25.-04.2020 2. Magdeburger Notfallkongress verschoben auf Frühjahr 2021
  • 24.-25.04.2020 | AE-ComGen OP-Personalkurs, Stuttgart verschoben
  • 26.-28.04.2020 21st European Congress of Trauma & Emergency Surgery abgesagt
  • 01.05.2020 EMG-Muskelfunktionsdiagnostik und Biofeedbacktherapie abgesagt
  • 02.05.2020 Integration der Stoßwelle in ein ganzheitliches Behandlungskonzept abgesagt
  • 02.05.2020 Spezialkurs Digitale Volumentomographie abgesagt
  • 06.-10.05.2020 DGMSM Weiterbildung Manuelle Medizin Grundkurs 1 03/20 verschoben auf 12.-16.08.2020
  • 07.-08.05.2020 5. Sportmedizinisches Symposium abgesagt
  • 11.-12.05.2020 Management von periprothetischen Infektionen verschoben auf 03.-04.12.2020
  • 12.-15.05.2020 OT World 2020 verschoben auf 27.-30.10.2020
  • 15.-16.05.2020 9. Berliner Knorpelsymposium verschoben auf 28.-29.08.2020
  • 27.-28.05.2020 IGOST OP-Kurs Wirbelsäule abgesagt
  • 25.-26.05.2020 6th Munich Shoulder Fracture 2020 abgesagt
  • 18.-19.06.2020 35. Jahreskongress GOTS abgesagt
  • 19.+20.06.2020 Differenzierte Knorpeltherapie abgesagt
  • 19.–20.06.2020 39. Jahrestagung der Sektion Kindertraumatologie verschoben auf 18.-19.06.2021

03.-04.07.2020 Arthroskopie meets MRI verschoben auf 02.-03.07.2021

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Orthopäde in Rom: Jeder kann und muss seinen Beitrag leisten!

Berlin/Rom – Der Orthopäde Dr. Gabriel Buntin stammt ursprünglich aus München. Am Klinikum rechts der Isar hat er seine Facharztausbildung gemacht. In Berlin war er mehrere Jahre in der Niederlassung tätig. Seit 2004 lebt er in Rom und führt in der italienischen Hauptstadt eine orthopädische Praxis mit insgesamt 35 Kolleginnen und Kollegen. Wie hat er den Ausbruch der Pandemie erlebt und was rät er seinen Kolleginnen und Kollegen in Deutschland? Ein Telefonat.

BVOU: Herr Dr. Buntin, auf Ihrem Profil in den sozialen Netzwerken steht geschrieben „Bleiben Sie zu Hause #stayhome, wenn Sie nicht wollen, dass ein Orthopäde und Unfallchirurg Ihre Lungenentzündung behandelt!“ (Abbildung siehe unten). Was hat es damit auf sich?
Dr. Gabriel Buntin: Ich weiß, der Satz ist zynisch. Die Aussage trifft es jedoch auf den Punkt. Der Spruch soll gerade diejenigen wachrütteln, die noch nicht an die Ernsthaftigkeit der momentanen Lage glauben möchten und die derzeitige weltweite Krise herunterspielen.

BVOU: Sie sind in Italien in einer großen Gemeinschaftspraxis tätig: Wie haben Sie den Ausbruch der Corona-Pandemie erlebt?
Dr. Gabriel Buntin: Zugegebenermaßen haben wir hier, wie auch überall in der restlichen Welt, zunächst beobachtet, wie sich die Sache in China entwickelt. Das schien zu Beginn noch relativ weit von uns entfernt. Wir dachten : Klar, das betrifft uns, aber irgendwie auch noch nicht wirklich. Wir haben dann mit einigen Präventivmaßnahmen angefangen und beispielsweise die Patienten über Handdesinfektion und Händewaschen usw. informiert. Das war Ende Januar. Dann verstrich ein Monat. Aus der aktuellen Sicht sage ich heute: Das war ein Monat, den man hätte aktiv nutzen müssen, um sich auf die Verbreitung des Virus in Europa vorzubereiten. Es kamen dann Meldungen, dass in Rom infizierte Chinesen stationär aufgenommen wurden. Selbst das hatte man zunächst lediglich nur zur Kenntnis genommen. Erst gegen Ende Februar kamen die Nachrichten aus Norditalien, dass dort die Fallzahlen explosionsartig in die Höhe schossen. Südtirol, Bergamo, Lordi, Mailand, Venetien… Dann wurde uns bewusst, dass es sich nur um Tage handelt, bis das Virus in Rom angekommen ist.

Heute sage ich: Viel Zeit wurde damals vergeudet. Man hat sich gefragt: Ist die Aufregung nötig? Sind Einschränkungen notwendig? Ab März wurde auch dem Letzten klar: Die Lage ist außer Kontrolle. Wir haben mit Maßnahmen und Einschränkungen begonnen, sind aber bald darauf an unsere Grenzen gestoßen: Volles Wartezimmer und dann Sicherheitsabstände einhalten. Vieles funktioniert nur in der Theorie. Irgendwann hat auch das Personal nicht mehr mitgemacht.

BVOU: Das öffentliche Leben in Italien ist derzeit lahmgelegt: Kann man schon eine Beruhigung der Lage verzeichnen oder verschlimmert sich die Situation?
Dr. Buntin: Vielleicht kann man mittlerweile ganz leicht optimistische Prognosen wagen. Zumindest nehmen die Fallzahlen nicht mehr so exponentiell zu wie zu Beginn vor zwei Wochen. Da lagen wir bei einer täglichen Zunahme von Neuinfektionen von über 28%. Mittlerweile liegen wir immerhin bei ungefähr 12-13%. Die drastischen Maßnahmen seitens der Regierung zeigen also langsam Wirkung und wenn das so bleibt, können wir in der nächsten Woche neue Prognosen wagen. Die Kurve der Neuinfektionen hält sich momentan auf dem selben Standard. Wenn wir es schaffen, diese Kurve weiter abzuflachen, sind wir auf dem richtigen Weg.

BVOU: Während in Italien Ausgangssperren verhängt sind, ist dies in Deutschland bis jetzt nur vereinzelt der Fall. Wie denken Sie darüber?
Dr. Buntin: Zugegebenermaßen habe ich am Anfang die Ausgangssperren ebenfalls kritisch gesehen. In Italien ist eine Ausgangsperre vor erst acht Tagen erfolgt. Daran halten sich die Menschen auch größtenteils., Aber ich denke, der Staat wird in den nächsten Tagen noch einmal die Schraube anziehen und mehr Militärpräsenz auf den Straßen zeigen. Es wird sogar darüber gerade geredet, dass das Militär das Essen verteilt usw. Das macht meiner Meinung nach auch Sinn.

BVOU: Oft werden SARS-CoV-2 und Influenza miteinander verglichen. Wie schätzen Sie den Vergleich ein?
Dr. Buntin: Das ist garantiert nicht so, der Vergleich ist nicht richtig. Ich habe mit Kollegen gesprochen, die im Norden Italiens arbeiten. Dort ist die Lage weiterhin katastrophal: Die Menschen wissen nicht mehr, wohin mit den Patienten. Nur als Beispiel: Vorgestern [18.3.] sind im Norden mehr Menschen an dem Virus gestorben als an einem Tag weltweit zusammen: Nämlich fast 500. Die Bestattungsunternehmen haben nicht mehr genügend Särge zur Verfügung, die Toten werden einfach irgendwie weggetragen, Angehörige gerade einmal telefonisch informiert.

BVOU: Inwieweit unterstützen Sie als Orthopäde andere Kollegen und Ärzte aus anderen Fächern und Bereichen?
Dr. Buntin: In unserer Poliklinik haben wir insgesamt zwölf verschiedene Fachrichtungen. Es gibt Kollegen, die mit mir zusammen in den Praxen Notfälle und Menschen mit Corona-Symptomen untersuchen. Das machen wir aber nur unter bestimmten Voraussetzungen, damit andere Menschen nicht gefährdet werden. Lungenärzte und HNO-Ärzte sind ja besonders nah an solchen Patienten. Trotzdem sind wir extrem vorsichtig und müssen uns vor Augen halten: Arztpraxen sind immer Anlaufstellen für kranke Menschen.

BVOU: In Deutschland erhalten Ärzte bei Schließung der Praxen oder Quarantäne eine Entschädigung für den Dienstausfall – wie ist das in Italien?
Dr. Buntin: Um ehrlich zu sein: Dafür hatten wir in Italien noch keine Zeit uns Gedanken zu machen. Erst jetzt, wo mehrere Leute daheim sind, kommt das Thema langsam auf und wir beschäftigen uns mit der Problematik. Ich persönlich habe einen extrem hohen Kostenaufwand, um meine Praxis aufrechtzuerhalten. Nun gibt es anscheinend einen Gesetzeserlass mit Anspruch auf Dienstausfall-Entschädigung. Für Selbstständige ist so etwas nicht geplant. Aber vielleicht kommt das noch.

BVOU: Was raten Sie Ihren Kollegen hier in Deutschland? Was haben Sie erlebt, dass man hierzulande beachten und übernehmen sollte?
Dr. Buntin: Den Kollegen würde ich raten: Schauen Sie sich mal eine Beschreibung von TED Speaker Tomas Pueyo an. Er beschreibt in seinen Blogbeiträgen, wie aggressiv dieses neue Virus ist und seine Prognosen treffen zu. Er hat das genau erfasst, was am Anfang des Ausbruchs passiert ist, wo wir jetzt stehen, was in beispielsweise 14 Tagen sein wird. Mein Rat an meine deutschen Kollegen: Nehmen Sie dieses Virus verdammt ernst! Spielen Sie es nicht herunter und vergleichen Sie es nicht mit einer Grippe. Denn das ist es nicht.

Die Ausbreitungskurve muss so flach wie möglich gehalten werden. Jeder, wirklich jeder, kann und muss seinen Beitrag leisten. Ich weiß, es ist ein Problem, seinen Alltag sehr einschränken zu müssen und man weiß nicht, wie lange das andauern wird. Aber wir müssen Zeit gewinnen, damit besonders Ältere und Kranke diese Phase durchstehen. Auch bei der Weltgesundheitsorganisation gibt es eine gute Infoseite. Neben Händehygiene und Abstand halten, ist strikte Ausgangssperre die wirksamste Methode. Ich kann es nicht oft genug sagen und falls diese Nachricht meine Kollegen erreicht: Man muss die Sache extrem ernst nehmen. Es geht ums Ganze. Mit jeder Stunde früher, in der wir die Maßnahmen durchsetzen, retten wir Menschenleben: Je eher desto mehr!

Herr Dr. Buntin, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Janosch Kuno, BVOU Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Dr. Gabriel Buntin rät den Menschen zuhause zu bleiben. © privat



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Per Videosprechstunde den Praxisbetrieb aufrecht erhalten!

Berlin – Die Entwicklungen rund um das Thema Coronavirus COVID 19 überschlagen sich aktuell im Minutentakt. Was gestern noch undenkbar, kann morgen schon die Realität sein. Jetzt heißt es, sich, die Mitarbeiter und die Versorgung der Patienten, durch konsequente Nutzung der Videosprechstundentechnologie abzusichern.

Covid-19: Telemedizin als Chance, so beschreibt der HIH (https://hih-2025.de/corona/) die aktuelle Situation. Das Coronavirus beeinflusst nun vehement den Versorgungsalltag. Heikel daran ist besonders die Wartezimmersituation und die damit verbundene Ansteckungsgefahr. Hierzu gibt es aber eine gute Alternative und auch erstattungsfähige telemedizinische ärztliche Leistungen.

Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern erfährt ihre Daseinsberechtigung durch die Erleichterung der Behandelnden und Patienten in ihrem Alltag. Patienten, die sich möglicherweise mit dem Corona-Virus angesteckt haben, sind angehalten, nicht in die Praxis zu kommen, sondern möglichst zu Hause zu bleiben. Eine Videosprechstunde ermöglicht in dieser Situation ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Gespräch und schafft gleichzeitig ein Mehr an Sicherheit und Komfort. Die Videosprechstunde kann die Verbreitung des Virus verlangsamen und schützt andere Patienten – insbesondere chronisch und ernsthaft Erkrankte – und das medizinische Personal vor einem unnötigen Infektionsrisiko.

Als BVOU-Mitglied haben Sie die Möglichkeit die Videosprechstunde einfach und unkompliziert über Ihren Orthinform-Zugang zu registrieren und innerhalb von wenigen Minuten Ihre eigene Videosprechstunde anzubieten. Unser Partner, die Deutsche Arzt AG, bietet derzeit allen Ärzten für die Dauer der CORONA-Pandemie kostenfrei und ohne jedes Risiko an.

Die Anwendung erfordert ausschließlich eine Internetverbindnung sowie einen Bildschirm mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher. Es ist keine spezielle Software erforderlich. Selbstverständlich können Sie die Videosprechstunde auch bequem per Smartphone oder Tablet nutzen.

Positionieren Sie Ihre Praxis im Wettbewerb gegen Callcenterlösungen und bieten Sie Ihren Patienten eine kompetente und persönliche Betreuung per Videosprechstunde an. Mittlerweile gibt es starke Anbieter mit sicheren, autonomen Lösungen wie zum Beispiel sprechstunde.online. Diese sind weder Bestandteil von Bewertungsportalen oder Terminplattformen und unabhängig von der internen Verwaltungssoftware. So können Sie risikolos mit ihrem Smartphone oder Tablett auch ihre Patienten von Zuhause aus versorgen.

Überblick der Videodienste

In Deutschland ist die KBV-Zertifizierung von Videodiensten Pflicht, es sind also alle Anbieter qualitätsgesichert, jedoch unterscheiden sich die Videodienste in den Anwendungsvoraussetzungen. Viele Anbieter gehören zu PVS-Systemen oder zu Online-Terminkalendern und andere wiederum zu Patientenbewertungsportalen. In manchen Fällen ist die Videosprechstunde auch nur als Vertragsarzt eines Medical Callcenters zu verwenden. Unabhängige Videodienste ermöglichen eine schnelle und unkomplizierte Implementierung sowie die Erhaltung der Praxis-Unabhängigkeit. Auf der Webseite des Health Innovation Hub (https://hih-2025.de/corona/) des Bundesministeriums für Gesundheit werden Empfehlungen ausgesprochen. Den ersten Platz belegt zurzeit die Videosprechstunde „sprechstunde.online“  von der Deutschen Arzt AG.

 

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Praxisbetrieb durch Quarantäne eingestellt: „Folgen nicht absehbar“

Erlangen – Dr. Bernd Niedermeyer, Bezirksvorsitzender BVOU-Mittelfranken,  hatte Kontakt mit einem COVID-19-infizierten Hautarzt des Universitätsklinikums Erlangen. Der niedergelassene Arzt und seine Frau sind deshalb seit dem 27.2.20 in häuslicher Quarantäne – ein Telefonat.

Herr Dr. Niedermeyer, wie ist es dazu gekommen, dass Sie unter „Coronaverdacht“ stehen und sich derzeit in häuslicher Quarantäne befinden?
Dr. Bernd Niedermeyer: Ich hatte Kontakt zu einem Kollegen, einem Hausarzt im Universitätsklinikum Erlangen. Dieser wiederum war auf einem Kongress in München und hatte sich dort bei einem italienischen Arzt infiziert. Der Kollege rief uns an und informierte uns über die Infektion.  Daraufhin haben wir gleich damit angefangen, unsere Patienten in Kenntnis zu setzen und haben sämtliche Termine in der darauffolgenden Woche telefonisch abgesagt und verschoben. Das war eine ziemlich große und aufwändige Aktion.

Wie haben die Patienten reagiert?
Dr. Niedermeyer: Die Patienten haben allesamt sehr verständnisvoll und ruhig reagiert. Da war keine Hysterie oder Panik zu verspüren. Ganz im Gegensatz zu der starken Medienresonanz.

Was ist diesbezüglich passiert?
Dr. Niedermeyer: Das größte Problem bei dieser Geschichte war eigentlich die Berichterstattung der lokalen Presse hier in Erlangen. Man hatte von der Geschichte Wind bekommen, sich dem Thema zugleich angenommen, unser Praxisschild fotografiert, meinen Namen im Internet veröffentlicht und so weiter. 

Haben Sie etwas dagegen unternommen?
Dr. Niedermeyer: Auf jeden Fall. Zur Schadensbegrenzung wurde am nächsten Tag eine Videobotschaft von mir in der Frankenschau des Bayerischen Rundfunks gesendet, nachdem ich mit dem zuständigen Redakteur telefoniert hatte. Ebenso habe ich mit der besagten Lokalpresse versucht Kontakt aufzunehmen, um zu versichern, dass akut keine Gefahr besteht. Ebenso erschien dann ein Interview in der Nürnberger Presse.

Wie ging es dann weiter?
Dr. Niedermeyer: Meine Frau und ich wurden auf das SARS-CoV-2-Virus per Abstrich getestet. Die Tests fielen negativ aus – also kein Coronavirus. Trotzdem sollten wir uns vorsichtshalber die nächsten zwei Wochen in Quarantäne begeben.

Wie läuft Ihr Tagesablauf seitdem ab?
Dr. Niedermeyer: Die erste Woche war definiv nicht langweilig, denn die Praxisorganisation hört ja nicht auf, wenn die Sprechstunde beendet ist. Es kommen viele Verwaltungstätigkeiten dazu. Die Zeit haben wir auch für die unliebsamen Dinge verwendet, die man sonst vor sich herschiebt. Also konnte ich eine Menge abarbeiten. Trotzdem möchte ich auch erwähnen, dass die psychische Belastung nach mehreren Tagen Zwangsurlaub daheim nicht zu unterschätzen ist und einem einfach die Decke auf den Kopf fällt.

Sie öffnen die Praxis nach den zwei Wochen „Zwangspause“ wieder. Ändern Sie etwas hinsichtlich der Vorkehrungsmaßnahmen gegen das Virus?
Dr. Niedermeyer: Es gibt nach Ablauf der zweiwöchigen Quarantäne einen erneuten Test auf das Virus. Fällt auch dieser negativ aus, machen wir am Montag, den 16.3., die Praxis auf. Hinsichtlich der Praxisorganisation haben wir uns vorgenommen, Patienten die Hand-Desinfektion beim Betreten der Praxis nahezulegen. Natürlich verzichten wir auch auf das Händeschütteln, was sonst bei uns üblich ist. Durch  Aushänge wollen wir auch auf die Vorsichtsmaßnahmen aufmerksam machen und Kontaktzeiten mit den Patienten definitiv versuchen zu reduzieren.

Was hat der Praxisausfall für finanzielle Konsequenzen?
Dr. Niedermeyer: Das ist noch nicht absehbar: Vom Bundesseuchengesetz gibt es eine Entschädigung. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach dem Verdienstausfall. So kurios das sich anhört, aber: Der zweitwichtigste Ansprechpartner im Fall eines selbstständigen Arbeitnehmers ist der Steuerberater. Mit ihm haben wir sofort Kontakt aufgenommen. Im Internet stellt das Bundesgesundheitsministerium Formulare zum Download bereit. Der Antrag muss gestellt werden, wenn der Praxisbetrieb bereits wieder aufgenommen ist. Bis jetzt ist mir auf Grund der Kürze der Zeit kein Fall bekannt, wo die Verlustzahlung schon stattgefunden hat, aber ich hoffe, dass die Entschädigung ohne größere Verluste letztendlich stattfinden wird.

Neben dem Dienstausfall können auch Ausgleichszahlungen für Betriebsausgaben beantragt und im angemessenen Umfang entschädigt werden. Auf jeden Fall sollte der Steuerberater rechtzeitig informiert werden, da er ja auch die erforderlichen Daten und Formulare zur Einreichung vorbereiten muss.

Herr Dr. Niedermeyer, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Janosch Kuno, BVOU Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Dr. Bernd Niedermeyer, BVOU-Bezirksvorsitzender Mittelfranken © BVOU

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