Alle Beiträge von Janosch Kuno

Ehrungen für herausragendes Engagement im BVOU

Am 19. Oktober 2026 wurden im festlichen Rahmen des Präsidentenempfangs des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) wieder besondere Ehrungen verliehen. Vier herausragende Mitglieder des BVOU wurden für ihr außergewöhnliches Engagement und ihre Verdienste auf dem Gebiet der Orthopädie und Unfallchirurgie ausgezeichnet.

Einzigartiger Veranstaltungsort: Das Adlon

Der diesjährige Präsidentenempfang fand Berliner Adlon statt. Das Hotel Adlon Kempinski ist eines der luxuriösesten und bekanntesten Hotels in Deutschland. Es liegt in der Dorotheenstadt im Berliner Ortsteil Mitte am Boulevard Unter den Linden 77, unweit des Brandenburger Tors am Pariser Platz. Es wurde 1997 eröffnet und folgt der Tradition des 1907 eröffneten ursprünglichen Hotels Adlon, das 1945 ausbrannte und bis auf einen Seitenflügel abgerissen wurde, der bis 1984 stand. Es gehört zum Hotelverbund The Leading Hotels of the World.

Ehrenmitgliedschaft für Dr. Thilo John

Dr. Thilo John wurde für sein langjähriges und herausragendes Engagement im BVOU mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet. Dr. John ist in Berlin geboren und studierte zunächst Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Berlin, bevor er von 1987 bis 1993 Humanmedizin an der Freien Universität Berlin studierte. Nach seiner Promotion im Jahr 2003 (magna cum laude) über die Wirkung niedrig energetischer Laserbestrahlung auf humane Chondrozyten durchlief er seine Facharztausbildung unter anderem am Klinikum Steglitz und der Charité, erwarb 2001 den Facharzt für Chirurgie und 2009 den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Seit Oktober 2009 ist er Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie der DRK Kliniken Westend und fungiert dort als Durchgangsarzt. Er leitet seit vielen Jahren den Facharztvorbereitungskurs des BVOU, daneben ist er wissenschaftlich vor allem in der Knorpelzellforschung und zur Überlebensanalyse von Hüftendoprothesen publizistisch hervorgetreten.

Hubert-Waldmann-Plakette für Reinhold Schmieding

Die Hubert-Waldmann-Plakette, die höchste Auszeichnung des Verbandes, wurde in diesem Jahr an Reinhold Schmieding verliehen. Schmieding, geboren in Michigan als Sohn deutscher Einwanderer, gründete 1981 mit nur 60.000 US-Dollar aus seinem persönlichen Ersparten die Firma „Arthroscopy Excision Instruments Inc.”, die später in Arthrex Inc. umbenannt wurde . Aus den anfänglich entbehrungsreichen Jahren – ohne Profit in den ersten beiden Jahren und geführt aus seiner Wohnung im Olympic Village – entwickelte sich ein weltweit führendes Medizintechnikunternehmen, das heute seine Produkte in mehr als 90 Länder vertreibt und Niederlassungen in Europa, darunter Deutschland und Österreich, unterhält .

Für das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie kommt Arthrex eine herausragende Bedeutung zu, da das Unternehmen die Arthroskopie als aufstrebendes Verfahren von Beginn an mitentwickelte und maßgeblich zur Etablierung minimalinvasiver Gelenkchirurgie beitrug . Mit dem Wachstum von zwei auf über 2.000 Mitarbeitende seit dem Umzug des Hauptsitzes nach Naples, Florida, im Jahr 1991 wurde Arthrex zu einem der wichtigsten Innovations- und Ausbildungspartner für Orthopäden und Unfallchirurgen weltweit, was auch durch die Aufnahme in Fortunes Liste der 100 besten Arbeitgeber im Jahr 2015 gewürdigt wurde . Schmiedings unternehmerisches Wirken wurde 2018 mit der Verleihung einer Ehrendoktorwürde der Florida Gulf Coast University honoriert ..

Jürgen-Eltze-Plakette für Univ. Prof. Prim. Dr. med. Reinhard Graf

Prof. Graf beschrieb erstmals eine Methode, die sogenannte angeborene Hüftgelenksverrenkung, die die häufigste Erkrankung am Halte- und Bewegungsapparat weltweit darstellt, mittels Ultraschall zu diagnostizieren. Für sein Werk erhält Prof. Graf die Jürgen-Eltze Plakette des BVOU. Seine Methode wurde schrittweise weiterentwickelt, sodass 1991 in Österreich, 1996 in Deutschland, anschließend auch in der Schweiz und Tschechien ein generelles Hüftscreening aller Babys eingeführt wurde. Die Methode wird derzeit weltweit angewandt und hat zu einer deutlichen Reduzierung der Operationen an der Säuglingshüfte, sowie zur Vermeidung von zum Teil lebenslangen Hüftgelenksschäden geführt.

Goldene Ehrennadel für Dr. Ulrike-Evemarie Fischer

Die goldene Ehrennadel des BVOU ist eine Auszeichnung des Verbands, womit insbesondere das regionale Engagement der Landesvorsitzenden geehrt wird. In diesem Jahr erhält die ehemalige Landesvorsitzende Brandenburg, Dr. Ulrike-Evemarie Fischer diese Auszeichnung. 

Journalistenpreis O und U für die TV-Serie: „Die Lebensretter von Murnau“

Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) und des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU)

 Preisträger Deutscher Journalistenpreis Orthopädie und Unfallchirurgie (JOU) 2026

Journalistenpreis O und U für die TV-Serie: „Die Lebensretter von Murnau“

Berlin, 20.10.2026: Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) zeichnen 2026 die ZDF-Produktion „Die Lebensretter von Murnau“ mit dem Deutschen Journalistenpreis Orthopädie und Unfallchirurgie (JOU) aus. Der Siegerbeitrag nimmt die Zuschauer mitten hinein in die Arbeit von Notfallmedizin sowie Orthopädie und Unfallchirurgie und zeigt strukturiertes und sekundenschnelles lebensrettendes Handeln. Zwei weitere Beiträge werden mit Sonderpreisen gewürdigt. Die drei ausgezeichneten Arbeiten zeigen eindrucksvoll die große Bandbreite der Orthopädie und Unfallchirurgie: von der hoch spezialisierten Versorgung Schwerverletzter über das Leben mit den Folgen eines schweren Unfalls bis hin zum erfolgreichen Genesungsweg nach dem Einsatz eines künstlichen Kniegelenks.

Siegerbeitrag: Matthias Ebel (me:works media productions) „Die Lebensretter von Murnau“ (ZDF)

„Die Lebensretter von Murnau“ begleitet die Versorgung schwer verletzter Patientinnen und Patienten durch die gesamte Behandlungskette: von der Unfallstelle über Schockraum und Operation bis hin zur Rehabilitation. Die Serie vermittelt dabei nicht nur medizinische Abläufe präzise und verständlich, sondern macht vor allem die Menschen sichtbar, die in der Orthopädie und Unfallchirurgie unter höchstem Zeitdruck Verantwortung übernehmen.

Die Jury überzeugte der Beitrag vor allem durch seine außergewöhnliche Authentizität und emotionale Tiefe sowie durch die verständliche Darstellung der gesamten Behandlungskette. Im Mittelpunkt steht der Schockraum der Unfallklinik Murnau. Mehr als 20 Kameras ermöglichen einen unmittelbaren und zugleich zurückhaltenden Blick auf die hochkomplexen Abläufe. Rettungskräfte, Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte kommen zu Wort, erläutern medizinische Zusammenhänge und schildern offen die fachlichen und emotionalen Herausforderungen ihres Alltags. So vermittelt die Serie die Anspannung im Schockraum ebenso wie die Erleichterung nach einer gelungenen Operation, immer voll Mitgefühl für den Patienten oder die Patientin.

„‚Die Lebensretter von Murnau‘ zeigt auf beeindruckende Weise, was moderne Orthopädie und Unfallchirurgie ausmacht: hoch spezialisierte Medizin, Teamarbeit und schnelle Entscheidungen, von denen im Ernstfall ein Menschenleben abhängt. Die Serie ist nah an den Menschen und emotional und vermittelt sogleich authentische Einblicke in die medizinische Teamarbeit“, sagt Juryvorsitzender Prof. Dr. Karsten E. Dreinhöfer.

„Spannung, die aus Authentizität und Intimität entsteht – nicht aus künstlicher Dramatisierung. Das war unser wichtigstes Ziel und gleichzeitig unsere größte Herausforderung bei der Konzeptionierung und Produktion der „Lebensretter von Murnau“. Der Journalistenpreis O und U ist für uns gerade vor diesem Hintergrund eine wunderbare Bestätigung, dass unser Vorhaben geglückt ist. Unser gesamtes Team freut sich sehr über diese besondere Auszeichnung“, sagt Matthias Ebel, Produzent des Siegerbeitrages.

Die erste, fünfteilige Staffel der Serie wurde ab dem 19. November 2025 im ZDF ausgestrahlt und ist seitdem in der ZDF-Mediathek abrufbar.

https://www.zdf.de/reportagen/die-lebensretter-von-murnau-100

Sonderpreis: Michael Heß „Sekunden, die ein Leben verändern – Unfallopfer berichten“ (VOD)

Einen Sonderpreis erhält Michael Heß für die von ihm konzipierte und redaktionell betreute Broschüre „Sekunden, die ein Leben verändern – Unfallopfer berichten“. Auf rund 85 Seiten versammelt die Publikation persönliche Berichte von Unfallopfern und Angehörigen ebenso wie die Perspektiven von Freunden, Rettungskräften und Notfallseelsorgern.

Die Jury beeindruckte besonders die konsequente Perspektive der Betroffenen und die große emotionale Kraft der sehr persönlichen Schilderungen. Die Broschüre macht eindrücklich sichtbar, dass die Folgen eines schweren Unfalls weit über den Moment der Akutversorgung hinausreichen und oftmals das gesamte weitere Leben der Betroffenen und ihres Umfelds prägen. Zugleich verbindet sie die individuellen Erfahrungen mit Informationen zu medizinischer Versorgung, Rehabilitation, psychischen Unfallfolgen und Prävention. Damit gibt sie Menschen eine Stimme, deren Perspektive in der öffentlichen Wahrnehmung häufig zu wenig Beachtung findet.

„Dieser Beitrag berührt, weil er die Perspektive der Menschen in den Mittelpunkt stellt, die mit den Folgen eines schweren Unfalls weiterleben müssen“, sagt Prof. Dr. Almut Tempka, stellvertretende Juryvorsitzende. „Er verbindet persönliche Schicksale mit medizinischer Information und macht deutlich, dass Orthopädie und Unfallchirurgie nicht mit der Akutversorgung endet.“

„Etwa 50.000 Menschen jährlich werden im Straßenverkehr schwer verletzt. In den Texten kommen Verkehrsunfallopfer, Angehörige und Notfallretter zu Wort. Unfallopfer müssen mehr Gerechtigkeit erfahren: bei der Unfallaufnahme, vor Gericht und bei Auseinandersetzungen mit Versicherungen und Krankenkassen“, sagt Michael Heß, Autor der Publikation „Sekunden, die ein Leben verändern – Unfallopfer berichten“ (VOD).

Herausgegeben wurde die Publikation von der Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland e. V. (VOD). Konzeption, Interviews und Redaktion stammen von Michael Heß; die Ausgabe erschien 2026 als VOD-Schriftenreihe Nr. 3.

https://vod-ev.org/vod-schriftenreihe-nr-3-sekunden-die-ein-leben-veraendern/

Sonderpreis: Lukas Rieckmann „Die Bewegungs-Docs: Knieprothese“ (NDR Visite)

Ein weiterer Sonderpreis geht an Lukas Rieckmann für den Beitrag „Die Bewegungs-Docs: Knieprothese“ aus der NDR-Sendung „Visite“. Der Film begleitet einen Patienten rund um den Einsatz eines künstlichen Kniegelenks, vom Zustand vor der Operation bis zur Situation viele Monate später und vermittelt medizinische Zusammenhänge und Behandlungsmöglichkeiten anschaulich und verständlich.

Die Jury überzeugte besonders die differenzierte und lebensnahe Darstellung der Rehabilitation. Der Beitrag zeigt dabei auch die besonderen Möglichkeiten der Rehabilitation nach einem Arbeitsunfall durch die gesetzliche Unfallversicherung. Diese richtet den Blick über die medizinische Genesung hinaus gezielt auf die Rückkehr in Beruf, Alltag und gesellschaftliche Teilhabe.

„Gerade bei einer Knieprothese haben Patientinnen und Patienten viele Fragen“, sagt Prof. Dr. Karsten E. Dreinhöfer. „Der Beitrag beantwortet diese verständlich und ausgewogen. Besonders gelungen ist, dass er nicht bei der Operation stehen bleibt, sondern auch die entscheidende Rolle der Rehabilitation für den weiteren Weg der Betroffenen zeigt.“

„Bewegung ist Medizin – Nach diesem Motto arbeiten wir mit den Bewegungs-Docs seit fast 10 Jahren. Unsere Geschichte zeigt: Alter ist nur eine Zahl. Auch mit 80 Jahren kann eine Knie-TEP mit anschließender gut begleiteter Rehabilitation enorm viel Lebensqualität zurückgeben. Dass dieser Filmbeitrag von der DGOU ausgezeichnet wird, ist eine große Anerkennung“, sagt Lukas Rieckmann, Autor von „Die Bewegungs-Docs: Knieprothese“ (NDR Visite)

Der Beitrag wurde am 9. September 2025 in der NDR-Sendung „Visite“ im NDR Fernsehen ausgestrahlt.
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die-bewegungsdocs/die-bewegungs-docs,sendung-44292.html

Über den JOU

Seit 2010 würdigt der JOU jährlich herausragende Medienbeiträge zu orthopädisch-unfallchirurgischen Themen aus den Bereichen Print, Hörfunk, Fernsehen und Online. Der achtköpfigen Jury 2026 lagen 36 Bewerbungen vor. Der Siegerbeitrag erhielt eine Dotation von 3.000 Euro, an die Autoren der Beiträge für den Sonderpreis gingen jeweils 1.000 Euro.

Der JOU-Jury 2026 gehörten an:

  • Prof. Dr. med. Karsten E. Dreinhöfer, Juryvorsitzender sowie Chefarzt Orthopädie, Medical Park Berlin Humboldtmühle und Professor, Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Wolfgang Bauer, ZEIT, Preisträger JOU 2025
  • Dr. med. Maria Dey Hazra, Junges Forum O und U – JFOU
  • Janosch Kuno, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit BVOU
  • Swetlana Meier, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit DGOU
  • Prof. h.c. Dr. med. Almut Tempka, Stellvertretende Juryvorsitzende, Oberärztin, Centrum für Muskuloskelettale Chirurgie (CMSC), Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Elisa Schwarz, Süddeutsche Zeitung, Preisträgerin JOU 2025
  • Anna Wittchen, Geschäftsstelle der Bevollmächtigten der Bundesregierung für Pflege

Der Bewerbungsschluss für den Journalistenpreis Orthopädie und Unfallchirurgie endete am 31. Juli 2026. Eingereicht werden konnten Beiträge, die zwischen dem 1. August 2025 und dem 31. Juli 2026 in einem deutschsprachigen Medium erschienen sind. Die Jury bewertete alle Beiträge in einem aufwendigen Sichtungsverfahren.

Weitere Informationen:

Kontakt für Rückfragen:
Janosch Kuno
Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitBerufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU e.V.)Straße des 17. Juni 106-108, 10623 BerlinTelefon: +49 (0)30 797 444 55E-Mail: presse@bvou.net

Gleich tut’s weh: Praxenland-Kampagne macht Folgen der Kürzungspolitik sichtbar

Deutschland ist Praxenland. Und soll es bleiben. Doch die Kürzungen bei der ambulanten Versorgung, insbesondere infolge des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, setzen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten massiv unter Druck. Mit der Praxenland-Kampagne machen die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) seit Ende September öffentlich sichtbar, was diese Kürzungen für die Praxen und die Versorgung der Patientinnen und Patienten bedeuten.

Insgesamt rund drei Milliarden Euro weniger im Jahr 2027 für die ambulante Versorgung, Kostendeckelung bei bisher noch voll vergüteten Leistungen wie ambulanten Operationen, Früherkennungsuntersuchungen und Psychotherapie, sowie die komplette Kürzung von Zuschlägen, die für Mehraufwände gezahlt wurden, haben gravierende Folgen. Denn die ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen können nicht mehr dasselbe leisten wie bisher, wenn über alle Fachrichtungen hinweg die Finanzierung für rund jeden zwölften Behandlungsfall, insgesamt 46 Millionen Fälle, wegbricht.

Die KBV und die KVen haben mit dem Appell „Praxen nicht kaputtsparen“ bereits seit Monaten lautstark vor diesen Sparplänen gewarnt. Neue Kampagnenmotive mit starken Headlines wie „Aua“ und „Gleich tut´s weh“ bringen die schmerzhaften Konsequenzen für Ärzte, Psychotherapeuten und ihre Patienten nun auf den Punkt: Die Praxen müssen ihr Angebot an die sinkenden Einnahmen anpassen, beim Personal sparen, Termine streichen, Sprechstunden verkürzen und Vorsorgeangebote reduzieren – nicht weil sie das wollen, sondern weil es wirtschaftlich nicht anders funktioniert. Leidtragende sind die Patientinnen und Patienten, die in Zukunft mit längeren Wartezeiten rechnen müssen.

Der Kardiologe Dr. Djawid Hashemi (Berlin), die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Eva Frank (München), die Kinderärztin Manuela Rabe (Altenburg) sowie der Internist und Hausarzt Christoph Rödiger (Erfurt) geben den aktuellen Motiven ihr Gesicht. Sie machen deutlich, dass die schmerzhaften Einschnitte bei der Patientenversorgung allen wehtun – die Praxen aber wirtschaftlich keine andere Wahl haben. Leidtragende werden auch die Patientinnen und Patienten sein, die mit längeren Wartezeiten rechnen müssen.

Fortlaufende Kampagne zum Wert der ambulanten Versorgung Bereits seit 2024 informieren die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigungen öffentlichkeitswirksam über den Wert der Praxen für die gesundheitliche Versorgung und das gesellschaftliche Miteinander – zunächst unter dem Motto „Wir sind für Sie nah“, seit 2025 mit dem Hashtag „Praxenland“. Der aktuelle Anzeigenflight läuft noch bis Dezember 2026. Die Motive werden als Video-Ads und Banner in Newslettern und Onlinemedien ausgespielt. Zudem sind sie als Außenwerbung in den größten deutschen Städten und im Berliner Regierungsviertel zu sehen.

Quelle: KBV

Die Plakate und die Info-Präsentation finden Sie unten auf dieser Seite.

Im Schweinsgalopp gegen die Facharztpraxen

Der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) kritisiert den heutigen Bundestagsbeschluss zur Notfallreform scharf. Besonders schwer wiegen die kurz vor Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens angehängten Eingriffe in die Hybrid-DRG und die ärztliche Terminvergabe. Sie schwächen die ambulante Versorgung, setzen neue Fehlanreize und verschärfen die einseitige Belastung der niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte.

„Seit Dezember 2018 wird über die Grundzüge dieser Notfallreform diskutiert. Doch weitreichende Eingriffe in die ambulante Versorgung werden ihr kurz vor Schluss im Schweinsgalopp angehängt. Eine ernsthafte Debatte über die Folgen wird damit praktisch ausgehebelt. Dieses Vorgehen und die inhaltliche Kehrtwende beschädigen das Vertrauen der Ärzteschaft in die Politik nachhaltig“, erklärt Dr. med. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa.

Mit der Änderung der Hybrid-DRG gibt die Koalition das Versprechen einer gleichen Vergütung für gleiche Leistungen unabhängig vom Behandlungsort auf: Ohne Übernachtung wird 2027 nach vertragsärztlicher Gebührenordnung bezahlt; mit stationärer Übernachtung bleibt die Fallpauschale erhalten. Ab 2028 sollen die Hybrid-DRG durch stationäre Kurzzeitfallpauschalen ersetzt werden.

„Wer nach einem Eingriff sicher nach Hause gehen könnte, wird finanziell wieder zum Übernachtungsgast im Krankenhaus gemacht. Das belastet Patientinnen und Patienten, auch Kin-der, bindet Pflegepersonal und macht die Versorgung teurer. Diese vermeintliche Sparpolitik wird das Gesamtsystem bereits 2027 zusätzlich belasten. Wir erwarten, dass sich das schon in den Rechnungsergebnissen des ersten Quartals zeigt. Spätestens dann muss die Frage beantwortet werden, wer für diese absehbare Fehlentscheidung politisch verantwortlich ist“, so Heinrich.

Zugleich verschärft der Bundestag die Terminmeldepflicht: Kassenärztliche Vereinigungen le-gen künftig im Einvernehmen mit den Krankenkassen fest, wie viele Termine Praxen melden müssen. Die Beschränkung auf „freie“ Termine entfällt.

„Über die Vergabe unserer Termine muss der medizinische Bedarf entscheiden. Verordnete Terminkontingente schaffen keine einzige zusätzliche Arztstunde. Sie können aber Termine verdrängen, die für chronisch Kranke, Nachsorge und laufende Behandlungen gebraucht wer-den. Erst streicht die Politik die zusätzliche Finanzierung kurzfristiger Termine, dann will sie die Terminkalender unserer Praxen fremdsteuern. Das ist widersinnig“, kritisiert Heinrich.

Auch die eigentliche Notfallreform bleibt aus Sicht des SpiFa trotz der Finanznot der Krankenkassen bemerkenswert inkonsequent: Zusätzliche Vorhaltepflichten und Parallelangebote belasten die niedergelassene Versorgung, während eine konsequente Steuerung nach medizinischem Bedarf ausbleibt.

Die mit dem Beitragssatzstabilisierungsgesetz eingeleiteten Einschnitte
treffen niedergelassene Fachärztinnen und Fachärzte inzwischen überproportional;
andere Bereiche werden nachträglich entlastet.

„Im Hinterzimmer haben sich offenbar diejenigen durchgesetzt, deren Lobbyisten am lautesten heulen. Die bekannten Wirtschaftlichkeitsreserven durch weniger unnötige Krankenhausbehandlungen und den Abbau von Doppelstrukturen werden weiter geschont. Dafür sollen Facharztpraxen mit weniger Mitteln mehr leisten. Wer so handelt, gefährdet genau die wohnortnahe Versorgung, auf die sich Millionen Menschen verlassen“, erklärt Heinrich.

SpiFa

„Neue Wege gehen“ – Dr. Wolfgang Böker über die Zukunft von O&U

Dr. Wolfgang Böker, Präsident des DKOU 2026 des BVOU, spricht über seine Motivation, die Kongresspräsidentschaft zu übernehmen, und seine Vision, tiefgreifende Veränderungen in der Orthopädie und Unfallchirurgie aktiv mitzugestalten. Im Interview erläutert er, wie Digitalisierung, innovative Versorgungskonzepte und eine bessere Verzahnung zwischen stationärer und ambulanter Medizin die Patientenversorgung revolutionieren können.

Herr Dr. Böker, Was war Ihre wichtigste Motivation, die Rolle der Kongresspräsidentschaft zu übernehmen, und welche Ziele möchten Sie während Ihrer Amtszeit erreichen?

Dr. Wolfgang Böker: Die Motivation, die Kongresspräsidentschaft zu übernehmen, war für mich vor allem die Möglichkeit, aktiv Impulse für unser Fach zu setzen. Orthopädie und Unfallchirurgie stehen vor tiefgreifenden Veränderungen – medizinisch, strukturell und gesundheitspolitisch. Der DKOU bietet die Chance, diese Entwicklungen nicht nur zu begleiten, sondern mitzugestalten. Mir ist besonders wichtig, die gesamte Breite unseres Fachs abzubilden, einschließlich der oft vernachlässigten konservativen Inhalte. Ganz gezielt möchte ich den Dialog zwischen Klinik, Praxis, Wissenschaft und Nachwuchs zu fördern.

Das Motto des diesjährigen DKOU lautet “Neue Wege gehen”. Welche konkreten neuen Ansätze in der Patientenversorgung möchten Sie mit dem Kongress vorantreiben, und welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Dr. Wolfgang Böker: „Neue Wege gehen“ bedeutet für mich nicht, Bewährtes zu verlassen, sondern neue Strukturen und Denkansätze sinnvoll zu integrieren. Wir müssen Versorgung sektorübergreifend denken und stärker patientenzentriert organisieren. Digitalisierung kann dabei helfen – etwa durch bessere Vernetzung, KI-gestützte Diagnostik oder moderne Kommunikationsstrukturen. Gerade hier gibt es in Deutschland jedoch noch erheblichen Nachholbedarf. Man denke nur an die Einführung der elektronischen Patientenakte, die letztlich mehr als 20 Jahre in Anspruch genommen hat und bis heute im Alltag vielerorts problematisch ist. Darüber hinaus existieren zwischen stationärem und ambulantem Bereich nach wie vor kaum funktionierende digitale Schnittstellen; der Austausch erfolgt häufig noch über klassische Papierdokumente.

Auch bei der für Orthopäden und Unfallchirurgen essenziellen Befundung von Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen ist die Digitalisierung deutlich langsamer vorangeschritten, als noch vor einigen Jahren erwartet wurde. Hier müssen wir weiter forschen und Innovationen konsequenter in die Versorgung bringen. Gleichzeitig darf Digitalisierung kein Selbstzweck sein – sie muss den ärztlichen Alltag spürbar erleichtern und die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten verbessern.

Sie betonen die Bedeutung einer besseren Verzahnung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell in diesem Bereich, und wie können diese überwunden werden?

Dr. Wolfgang Böker: Die Trennung zwischen stationärer und ambulanter Versorgung ist in Deutschland vielerorts noch zu starr und führt zu erheblichen Reibungsverlusten – letztlich zulasten der Patientenversorgung. Ich selbst bin als niedergelassener Orthopäde, belegärztlich tätig und zugleich in einem Endoprothesenzentrum angestellt. Dadurch bin ich in allen drei Bereichen der Versorgung verankert und erlebe die daraus entstehenden Probleme täglich hautnah – aber eben auch die möglichen Lösungen.

Wir müssen die Sektorengrenzen überwinden, schon allein deshalb, weil die Ambulantisierung in den kommenden Jahren weiter deutlich zunehmen wird. Viele Krankenhäuser verfügen bislang nicht über geeignete Strukturen, um die daraus resultierende große Zahl ambulanter Patienten adäquat zu versorgen. Hier ist der niedergelassene Bereich gefordert. Die entsprechenden Strukturen müssen konsequent ausgebaut werden. Die fachliche Expertise ist vorhanden: Viele niedergelassene Kolleginnen und Kollegen waren zuvor Oberärzte in Kliniken und können eine medizinisch hochwertige Versorgung gewährleisten.

Die Herausforderungen liegen auch hier vor allem in der Finanzierung. Neue Modelle wie die Hybrid-DRG können helfen – vorausgesetzt, sie werden realistisch und praxisnah kalkuliert.

Gerade in unserem Fach sehen wir, dass Patienten an den Schnittstellen häufig unnötig Zeit und Qualität verlieren. Entscheidend ist deshalb, den Patienten über den gesamten Versorgungsweg hinweg zu begleiten. Der Vorwurf – insbesondere von hausärztlicher Seite –man würde Patienten nach operativen Eingriffen „blutig über den Zaun werfen“, zeigt sehr deutlich, wo die Probleme liegen. Deshalb müssen sowohl die Vorbereitung im Sinne der Prähabilitation als auch die strukturierte Nachsorge deutlich besser koordiniert werden. Dafür braucht es komplexe, aber funktionierende Versorgungskonzepte. Auch hier müssen wir letztlich „neue Wege gehen“.

Wichtig ist dabei, sektorenübergreifende Strukturen zu schaffen, ohne zusätzliche Bürokratie aufzubauen. Dafür benötigen wir gemeinsame Versorgungskonzepte, eine faire Finanzierung und vor allem mehr Vertrauen zwischen allen Beteiligten.

Die orthopädische Rheumatologie liegt Ihnen besonders am Herzen, und Sie sprechen von einem Mangelfach mit extremer Unterversorgung. Welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht notwendig, um diese Lücke sowohl in der Patientenversorgung als auch in der Aus- und Weiterbildung zu schließen?

Dr. Wolfgang Böker: Die orthopädische Rheumatologie ist tatsächlich ein Bereich mit erheblicher Unterversorgung. Wir erleben einen zunehmenden Bedarf bei gleichzeitig sinkender Zahl spezialisierter Kolleginnen und Kollegen – sowohl im orthopädischen als auch im internistischen Bereich. Deshalb müssen wir das Fach wieder sichtbarer und attraktiver machen, sowohl in der Weiterbildung als auch im universitären Umfeld.

Viele Kolleginnen und Kollegen wissen heute kaum noch, dass die Rheumatologie ursprünglich ein wesentlicher Bestandteil der klassischen Orthopädie war. Die starke Fokussierung unseres Fachs auf die Unfallchirurgie hat sicherlich dazu beigetragen, dass ein so wichtiges konservatives Gebiet zunehmend aus dem Blickfeld geraten ist. Dabei ist die Rheumatologie ein außerordentlich interessantes und vielseitiges Fach. Gerade im niedergelassenen Bereich trifft man hier auf einen enormen Bedarf, weil die Versorgung rheumatologischer Patienten in vielen Regionen Deutschlands inzwischen nicht mehr ausreichend gewährleistet ist.

Wichtig sind gezielte Förderprogramme, strukturierte Weiterbildungsangebote und eine stärkere Verankerung des Fachs in der praktischen Versorgung. Die Weiterbildungsordnung wurde bereits sinnvoll reformiert, sodass der Erwerb der Zusatzbezeichnung Orthopädische Rheumatologie heute deutlich einfacher ist als noch vor einigen Jahren. Auch die Inhalte sind praxisnäher und realistischer gestaltet worden. Dennoch fehlt es weiterhin an geeigneten Ausbildungsstätten – sowohl im klinischen als auch im ambulanten Bereich.

Auch hier müssen wir sektorübergreifende Strukturen schaffen, um Weiterbildung und Versorgung sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Letztlich geht es darum, chronisch kranke Menschen frühzeitig, interdisziplinär und kontinuierlich zu betreuen.

Der DKOU ist der größte Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Europa mit Teilnehmern aus über 50 Ländern. Welche internationalen Trends oder Innovationen erwarten Sie, die in diesem Jahr besonders im Fokus stehen werden?

Dr. Wolfgang Böker: International sehen wir derzeit eine Vielzahl spannender Entwicklungen, die unser Fach in den kommenden Jahren nachhaltig verändern werden. Besonders dynamisch sind die Fortschritte in den Bereichen Digitalisierung, Robotik, individualisierte Endoprothetik und regenerative Therapieverfahren. Hinzu kommen KI-basierte Anwendungen, die sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapieplanung zunehmend relevant werden. Gerade in der Bildgebung, der Analyse komplexer Datensätze oder der Unterstützung operativer Prozesse eröffnen sich hier völlig neue Möglichkeiten. Gleichzeitig müssen wir aber auch kritisch hinterfragen, wie diese Technologien sinnvoll in den klinischen Alltag integriert werden können und welchen tatsächlichen Nutzen sie für unsere Patientinnen und Patienten bringen.

Parallel dazu beobachten wir international einen deutlichen Wandel der Versorgungsstrukturen. Viele Länder setzen bereits seit Jahren konsequenter auf ambulante oder hybrid organisierte Versorgungskonzepte, während Deutschland hier noch vergleichsweise stark in traditionellen sektoralen Strukturen verhaftet ist. Gerade deshalb lohnt sich der Blick ins Ausland. Andere Gesundheitssysteme haben zum Teil sehr pragmatische Lösungen entwickelt – sowohl hinsichtlich der Patientensteuerung als auch bei Fragen der Finanzierung, Digitalisierung oder Weiterbildung.

Gemeinsam mit unseren Partnerländern, den Niederlanden und Polen, werden wir deshalb auf dem DKOU eine gemeinsame Sitzung gestalten, die sich insbesondere mit den Themen Versorgung und Weiterbildung in unterschiedlichen europäischen Gesundheitssystemen beschäftigt. Dabei geht es nicht nur um einen wissenschaftlichen Austausch, sondern auch um die Frage, wie unterschiedliche Länder auf aktuelle Herausforderungen reagieren: Fachkräftemangel, Ambulantisierung, ökonomischer Druck oder die zunehmende Spezialisierung innerhalb unseres Fachs betreffen letztlich alle europäischen Gesundheitssysteme.

Der DKOU lebt seit jeher vom internationalen Austausch. Ich halte es für ausgesprochen wichtig, über die Grenzen des eigenen Systems hinauszublicken und unterschiedliche Herangehensweisen kennenzulernen. Gerade aus dem Vergleich verschiedener Strukturen können oft wertvolle Impulse entstehen. Nicht jedes Modell lässt sich eins zu eins übertragen, aber viele Ideen können helfen, die eigene Versorgung weiterzuentwickeln. Dieser offene Austausch ist aus meiner Sicht ein wesentlicher Bestandteil von Innovation und Fortschritt in Orthopädie und Unfallchirurgie.

Die Orthoklinik Lüneburg, an der Sie als Belegarzt tätig sind, hat vor einigen Jahren einen Trägerwechsel erlebt. Inwiefern hat sich dies auf Ihre Arbeit und die Ausrichtung der Klinik ausgewirkt, und welche Impulse möchten Sie in Ihrer Rolle als ärztlicher Leiter setzen?

Dr. Wolfgang Böker: Der Trägerwechsel an der Orthoklinik Lüneburg hat natürlich Veränderungen mit sich gebracht, gleichzeitig aber auch neue Möglichkeiten eröffnet. Wir sind heute als Spezialklinik in eine größere Versorgungsstruktur eingebettet, was in vielen Bereichen Vorteile bietet – etwa bei der interdisziplinären Zusammenarbeit oder bei organisatorischen Abläufen.

Gleichzeitig habe ich aber auch erfahren, dass der bürokratische Aufwand in größeren Krankenhausstrukturen deutlich höher ist, als ich es zuvor gewohnt war. Insbesondere die zunehmende Digitalisierung hat nicht automatisch zu einer Entlastung geführt. Im Gegenteil: Die Einführung elektronischer Dokumentationssysteme und der elektronischen Patientenakte bedeutet im klinischen Alltag häufig einen erheblichen zusätzlichen Zeitaufwand – oftmals sogar mehr als früher bei der klassischen papiergeführten Akte.

Hinzu kommt, dass viele administrative Tätigkeiten zunehmend auf das ärztliche Personal übertragen wurden. Dadurch ist die Belastung im Alltag weiter gestiegen. Die Effizienzgewinne, die wir im ambulanten Bereich durch Digitalisierung durchaus erlebt haben, lassen sich im stationären Bereich bislang offenbar nicht in gleicher Weise realisieren. Diese Erfahrungen haben meinen Blick auf die Weiterentwicklung digitaler und sektorenübergreifender Strukturen durchaus geprägt.

Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass Digitalisierung nicht zu einer zusätzlichen Belastung wird, sondern tatsächlich Prozesse vereinfacht und die Versorgung verbessert. Technologie muss den ärztlichen Alltag unterstützen – nicht dominieren. Medizinische Qualität und Patientenorientierung müssen dabei immer im Mittelpunkt stehen.

Mir ist es wichtig, moderne Strukturen mit einer persönlichen und verantwortungsvollen Medizin zu verbinden. Gerade kleinere spezialisierte Einheiten können häufig sehr flexibel, effizient und patientennah arbeiten. Diese Stärke sollten wir auch innerhalb größerer Versorgungsstrukturen bewahren.

Herr Dr. Böker, Sie sind über viele Jahre Landesvorsitzender des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) in Niedersachsen. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit prägen Ihre berufspolitische Arbeit, und wie fließen diese in Ihre Rolle als Präsident des DKOU 2026 ein?

Dr. Wolfgang Böker: Die Tätigkeit im BVOU hat meinen Blick auf die Versorgungssituation in Deutschland stark geprägt. Dort erlebt man sehr unmittelbar, mit welchen Herausforderungen Kolleginnen und Kollegen im Alltag konfrontiert sind – von zunehmender Bürokratie über wirtschaftlichen Druck bis hin zum Nachwuchsmangel.

Neben meiner Tätigkeit im BVOU bin ich seit vielen Jahren auch in der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen aktiv und inzwischen Vorsitzender des beratenden Fachausschusses. Dadurch erlebe ich die Probleme der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sehr direkt. Viele Sorgen und Entwicklungen werden unmittelbar an mich herangetragen. Gerade in der aktuellen Situation mit teilweise einschneidenden Honorarkürzungen ist es wichtig, gesundheitspolitische Entwicklungen nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern ihre konkreten Auswirkungen auf die tägliche Versorgung zu kennen.

Die Erfahrungen aus der berufspolitischen Arbeit helfen dabei, auch im politischen Umfeld realistisch und strategisch agieren zu können. Denn viele Probleme unseres Gesundheitssystems entstehen nicht auf der Ebene der Medizin, sondern durch strukturelle und gesundheitspolitische Rahmenbedingungen. Umso wichtiger ist es, dass sich Ärztinnen und Ärzte aktiv in diese Diskussionen einbringen.

Diese Erfahrungen fließen selbstverständlich auch in meine Rolle als DKOU-Präsident ein. Der Kongress soll nicht nur wissenschaftliche Entwicklungen präsentieren, sondern auch die gesundheitspolitische Realität unseres Fachs abbilden. Orthopädie und Unfallchirurgie stehen aktuell vor tiefgreifenden Veränderungen – sei es durch Ambulantisierung, Digitalisierung, ökonomischen Druck oder den Wandel der Versorgungsstrukturen. Der DKOU muss deshalb auch ein Forum sein, in dem diese Themen offen, kritisch und konstruktiv diskutiert werden können.

Dr. Wolfgang Böker, Danke für das Gespräch!

Das Interview führte Janosch Kuno

Der BVOU auf dem DKOU 2026: Wir freuen uns auf Sie!

Der Gemeinschaftsstand von BVOU und Fachgesellschaften präsentiert sich auch beim DKOU 2026, der vom 20. bis zum 23. Oktober im City Cube in Berlin stattfindet, wieder auf Ebene 2, direkt an der großen Treppe gegenüber dem Cube Café.

Hier haben Besucher die Gelegenheit, sich mit dem Team der Geschäftsstellen über Möglichkeiten des Engagements und der Weiter- und Fortbildung sowie über die Vorteile einer Mitgliedschaft und den damit verbundenen Vorteilen auszutauschen.

Der Besuch am Counter des BVOU lohnt sich, denn hier erhalten Sie Informationen und wertvolle Einblicke zu den Themen: Karriere, Niederlassung, Recht, sowie allen BVOU-Mitgliedervorteilen. Des Weiteren erfahren Sie hier alles zum aktuellen Thema „GKV-Spargesetz – Was soll ich tun?“. Auch Sabine Stock und Nicola Främke (Sprechzeiten Mi 11-16 Uhr, Do 10-16 Uhr und Freitag 10-12 Uhr) von der Funk Versicherungsgruppe stehen für Beratung bereit. Dr. Jörg Heberer, Verbandsjustitiar, bietet wieder eine kostenfreie Rechtsberatung direkt vor Ort an. 

Unmittelbar an die Fläche des Gemeinschaftsstandes lädt eine Lounge mit Sitzmöglichkeiten als Ruhepol entweder zum ruhigen Arbeiten oder zur Kommunikation z. B. bei einer Tasse Kaffee ein.

Auf dem Weg zur Industrieausstellung auf der gleichen Ebene kommen Sie zu zwei weiteren Serviceständen: Dem Servicestand der AUC (Akademie der Unfallchirurgie) und dem des BVOU und den Akademien ADO und AOUC die sich direkt am Eingang zur Industrieausstellung befinden. Bei dem Servicestand BVOU/ADO/AOUC haben Sie die Möglichkeit, mehr über die Seminare und digitalen Fortbildungen zu erfahren. Darüber hinaus informieren wir Sie umfassend über unsere exklusiven Versicherungsangebote und Selektivverträge, sowie die Mitglieder-Apps des BVOU. Ein besonderes Highlight ist das BVOU-Portal „Orthinform“. Nutzen Sie die Gelegenheit, mehr über die Funktionen des Portals zu erfahren und Ihr Profil zu aktualisieren.

Genuss für den guten Zweck: Weinverkostung trifft Entwicklungszusammenarbeit

Ein besonderes Highlight ist wieder die Weinverkostung am Stand des BVOU am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag des Kongresses jeweils zur letzten Pause. Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, einen Rheinhessen Riesling zu probieren und zu bestellen. Jede erworbene Flasche unterstützt das Spendenprojekt in Namibia mit einer Summe von 5 Euro. 

Kommen Sie vorbei! Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Session: „Infokurs Botulinumtoxin in Neurologie und Schmerztherapie“

Im Rahmen der IGOST-Session „Infokurs Botulinumtoxin in Orthopädie, Neurologie und Schmerztherapie“ erwartet Sie ein spannendes Doppel-Update zu aktuellen Entwicklungen und klinischen Anwendungen von Botulinumtoxin („Botox“) in der Neurologie und Schmerztherapie.

Mittwoch, 21.10. (17.00 – 18.00) Kurs für Fortgeschrittene

Freitag, 23.10. (13.30 – 15.00) Infokurs für Neueinsteiger

Für wen ist die Session interessant?
Die Veranstaltung richtet sich an alle, die sich für innovative, evidenzbasierte Therapieoptionen in der Neurologie, Orthopädie und Schmerztherapie interessieren – von der Grundlagenforschung bis zur praktischen Anwendung im klinischen Alltag.

 

Genuss für den guten Zweck: Weinverkostung auch in diesem Jahr auf dem DKOU

Nach dem erfolgreichen Auftakt, führt der BVOU die Spendenaktion durch Dr. Markus Schneider auch in diesem Jahr fort. Auch diesmal ist Petrus Shilongo, Medical Officer aus Windhoek, vor Ort und berichtet aus erster Hand.

Weinverkostung für den guten Zweck

Am Stand des BVOU (Dienstag 20.10. bis Donnerstag 22.10. jeweils in der letzten Pause des Tagesprogramms) gibt es erneut eine Weinverkostung: Ein Rheinhessen Riesling kann probiert und bestellt werden – jede Flasche bringt 5 Euro für das Spendenprojekt. Der gesamte Erlös kommt ohne Abzüge dem Projekt in Namibia zugute. Bestellungen sind auch über einen Link außerhalb des Kongresses möglich. Das Projekt wird auch von der DGOU unterstützt.

Spenden und Sachspenden willkommen

Neben Geldspenden sind gezielt Sachspenden gefragt – insbesondere Hinweise auf bevorstehende Klinikschließungen, bei denen Instrumente frei werden.  Ansprechpartner ist Dr. Markus Schneider. Besuchen Sie uns am BVOU-Stand – wir freuen uns auf Ihren Besuch und Ihre Unterstützung!

BVOU-Kinesiologic-Tape: 7% DKOU-Sonderrabatt

Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) bietet im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) die Möglichkeit das BVOU-Kinesiologic-Tape mit 7% Sonderrabatt zu bestellen.

Damit auch die Mitglieder, die den Kongress nicht besuchen können von der Rabattaktion profitieren, bieten wir Ihnen hier die Möglichkeit die 7% Rabatt auf unser Kinesiologic-Tape-Angebot wahrzunehmen.

Das Angebot ist nur in dem Zeitraum vom 19.10. – 30.10.2026 gültig!

Bitte benutzen Sie das folgende Bestellformular.

Ihr BVOU-Team

BVOU lehnt verschärfte Terminmeldepflicht im Eilverfahren ab

Berlin, 14. Oktober 2026. Mit Änderungsantrag 22 zum Gesetz zur Reform der Notfallversorgung sollen Praxen verpflichtet werden, einen vorgegebenen Umfang an Terminen zu melden, unabhängig davon, ob sie frei sind. Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) fordert die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, den Antrag zu streichen und am Donnerstag nicht zu verabschieden.

Die Fraktionen CDU/CSU und SPD wollen in § 75 Abs. 1a SGB V die Pflicht der Vertragsärztinnen und Vertragsärzte neu fassen, der Terminservicestelle Termine zu melden. Der Umfang der Terminmeldung (in einem früheren Entwurf von 2024 war die Rede von 25 – 75% aller Termine) soll von KVen und Kassen festgelegt werden. Die Pflicht soll nicht nur Akut- oder Folgetermine, sondern die gesamte Terminvergabe einer Praxis umfassen.

Die Formulierungshilfe liegt erst seit gestern Mittag vor. Der Ausschuss berät heute, am 14. Oktober, die Verabschiedung ist für Donnerstag, den 15. Oktober 2026, vorgesehen.

“Eine Regelung, die den Kalender einer Praxis berührt, darf nicht innerhalb von drei Tagen beschlossen werden. Wer Meldung von Terminen fordert, die es gar nicht gibt und deren Umfang nicht feststeht, schafft nur dysfunktionale Versorgung und Verwaltungsmissstand und reduziert damit Versorgung“, erklärt Dr. Helmut Weinhart, Vorstandssprecher des BVOU.

Die Ärzteschaft lehnte ein ähnliches Ansinnen bereits 2024 geschlossen ab. Über das Einvernehmensrecht würden die Kassen nun das entscheidende Instrument für den Durchgriff in die Terminierung der selbstständigen Praxis erhalten. Zusammen mit dem Versorgungseinstieg über die ePA im Gesetz für Digitalisierung im Gesundheitssystem (GeDIG) und Meldekontingenten, über deren Umfang die Kassen mitentscheiden, entsteht eine kassengesteuerte Terminvergabe. Das berührt die Freiberuflichkeit der Vertragsärzte im Kern.

Gerade in der Orthopädie und Unfallchirurgie ist das Terminmanagement besonders komplex: Akute Traumaversorgung, postoperative Nachsorge, diagnostische Verfahren, Rehabilitationskontrolle und elektive Sprechstunden erfordern jeweils unterschiedliche personelle, technische und zeitliche Ressourcen. Eine zentrale, fremdgesteuerte Terminvergabe ist hier nicht nur organisatorisch problematisch, sondern birgt auch klinische Risiken für die Patientensicherheit.

“Wir sind für Digitalisierung, aber gegen zentrale Eingriffe in Praxisabläufe. Diese Linie vertreten wir bereits seit 2024”, so Dr. Anna-Katharina Doepfer, Vizepräsidentin des BVOU. “Mit diesem Antrag werden Praxisabläufe nicht unterstützt, sondern von außen gesteuert. Diese Art der Planwirtschaft wird weder unseren Patienten noch einer qualitativ hochwertigen Versorgung gerecht.” Der BVOU verweist auf seine Stellungnahme vom Mai 2026 und schließt sich der Kritik des Spitzenverbands der Fachärzte (“Hände weg von der ärztlichen Terminhoheit!”) ausdrücklich an. Auch die spätere Ablösung durch das geplante Primärversorgungsgesetz macht das Verfahren nicht besser.

Der BVOU fordert die Abgeordneten auf:

  • Änderungsantrag 22 zu streichen beziehungsweise zurückzuziehen.
  • Keine Verabschiedung im Eilverfahren.
  • Im GeDIG klare Grenzen für den Durchgriff auf Praxistermine zu setzen.
  • Im Primärversorgungsgesetz sicherzustellen: Die Praxis bestimmt über ihren Kalender; nur freie Termine werden gemeldet, die Kassen erhalten kein Mitbestimmungsrecht bei der Terminorganisation, und jede Verpflichtung zur Vergabe zusätzlicher Termine muss vergütet werden.

“Wer kürzere Wartezeiten will, muss Behandlungskapazitäten schaffen, etwa durch Entbudgetierung und den Abbau von Bürokratie”, betont Dr. Doepfer. “Das Angebot an Ärztinnen und Ärzten, die ihre Patientinnen und Patienten gut versorgen wollen, steht. Wir sind jederzeit zum Gespräch bereit.”

Über den BVOU:

Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) mit Sitz in Berlin ist mit über 7.800 Mitgliedern der größte Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie in Deutschland. Er vertritt die berufspolitischen Interessen der in Klinik und Praxis tätigen Ärztinnen und Ärzte, bietet Fort- und Weiterbildung über die ADO und AOUC Akademien und unterstützt seine Mitglieder in jeder Karrierephase. Weitere Informationen unter www.bvou.net.

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