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EBSQ – Europaweit einheitliches Examen startet mit neuem Format  

Am 27. Oktober, Tag vor der Eröffnung des DKOU 2025, wurde das Europäisches Trauma Chirurgie-Examen wurde erstmals im neuen Format im Virchow-Langenbeck-Haus abgehalten. Eine ideale Gelegenheit, die Arbeit der Europäischen Union der Fachärzte (UEMS, Union Européenne des Médecins Spécialistes), ihre Struktur und Zielsetzungen vorzustellen.

Die UEMS ist eine gemeinnützige Organisation, die 1958 gegründet wurde. Sie hat sich zum Ziel gesetzt die Patientenversorgung in der Europäischen Union zu verbessern durch Entwicklung und Unterstützung von Exzellenz in der Praxis von Fachärzten. Sie fördert und fordert eine freie Beweglichkeit von Spezialisten im Europäischen Raum durch Harmonisierung auf höchster Ebene der Facharztweiterbildung und Patientenversorgung. Ihre Mitglieder sind die nationale medizinische Berufsgesellschaften (national medical associations, NMA). Für Deutschland sind dies die BDC und BVOU. Zurzeit sind 41 NMAs Mitglied der UEMS.

Die Selbstverwaltung der UEMS ist aufgeteilt in Sektionen und Divisionen. Die Sektionen vertreten eine durch die UEMS anerkannte Spezialität, die Divisionen sind einer Sektion untergeordnet und vertreten eine Subspezialität. Die Chirurgische Sektion ist die größte Sektion und beherbergt 12 Divisionen, unter die die Division für Trauma Chirurgie fällt.

Aufgaben der UEMS und chirurgische Sektion

Die UEMS definiert in Zusammenarbeit mit ihren Sektionen und Divisionen Europäische Weiterbildungsanforderungen für die verschiedenen Fachdisziplinen (European Training Requirements, ETR). Sie organisiert die Europäische Facharztexamina und überwacht die Qualität dieser Examina durch regelmäßige Audits. Verantwortlich für die Audits ist das Council for European Specialist Medical Assessment (CESMA). Die UEMS kontrolliert ebenfalls Inhalt und Qualität der postgraduaten medizinischen Weiterbildung und gibt hierfür Akkreditierungspunkte. Dafür verantwortlich ist das European Accreditation Council for CME (EACCME). Die chirurgische Sektion tagt zweimal pro Jahr und nimmt in ihre Meetings die Aktivitäten der Divisionen zur Kenntnis. Sie bespricht und entscheidet ebenfalls über die Zulassungsmodalitäten der jeweiligen Examina, Art und Umfang der Unterstützung durch das UEMS-Sekretariat in Brüssel, Prüfungsgebühren, IT-Verträge, etc… Für die Examina der 12 chirurgischen Divisionen gab es im Jahr 2024 358 Kandidaten.

Die Division für Trauma Chirurgie

Die Division für Trauma Chirurgie wurde 1999 gegründet unter dem Dach der chirurgischen Sektion. Sie vertritt die eigenen Interessen unserer Subspezialität. Das Board der Division zählt zurzeit 8 Mitglieder und besteht aus Vertretern von nationalen berufs- und wissenschaftlichen Gesellschaften aus 6 Ländern. Dieses Board hat im vergangenen Jahr die Zulassungskriterien für die Kandidaten des Europäische Trauma Chirurgie Examens neu aufgestellt. Das neue Format ist aus der Erkenntnis entstanden, das nur noch sehr wenig junge Chirurgen eine breite chirurgische Erfahrung vorweisen können, die Trauma Chirurgie des Thorax, Abdomen und Skelett umfasst. Das Examen (European Board of Surgery Qualification Examination in Trauma Surgery; EBSQ Trauma Surgery) wurde deshalb in zwei gleichwertige Module aufgeteilt. Nach einer Eingangsprüfung, die online abgehalten wird, kann der erfolgreiche Kandidat / die erfolgreiche Kandidatin sich entscheiden zwischen zwei Module „Polytrauma Management and Trauma Surgery of the Trunk“ oder „Polytrauma Management and Musculoskeletal Trauma Surgery“. Diese Examina werden on-site organisiert. In beide Module wir der Schwerverletztenerstversorgung viel Aufmerksamkeit gewidmet. Wer einer dieser Module bestanden hat, bekommt das Zertifikat „Fellow of the European Board of Surgery (FEBS)“.

Das EBSQ Trauma Chirurgie Examen

Anfang 2025 wurde das neue Format des EBSQ-Trauma Chirurgie Examen eingeführt. Das Examen besteht jetzt aus 2 Schritten: eine Eingangsprüfung mit niedrigerem Schwierigkeitsgrad und eine zweite Prüfung mit höherem Schwierigkeitsgrad. Die Eingangsprüfung besteht aus 40 multiple choice questions (MCQ), die online innerhalb einer Stunde beantwortet werden müssen. Wer mindestens 30 MCQ (75%) korrekt beantwortet hat, kann sich für die zweite Prüfung anmelden. Der Kandidat / die Kandidatin hat nun die Wahl zwischen den  angegebenen Modulen. Das Examen findet zweimal pro Jahr statt: das erste Mal am Tag vor der Eröffnung des Europäischen Trauma Kongresses (ECTES) am Tagungsort des Kongresses, das zweite Mal am Tag vor der Eröffnung des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) In Berlin. Das zweite Examen besteht aus drei Teilen: 30 MCQ müssen innerhalb einer halben Stunde beantwortet werden, eine jüngere wissenschaftliche Publikation muss gelesen (30 Minuten) und auf ihren wissenschaftlichen Wert sowie ihre Schlussfolgerungen beurteilt werden (20 Minuten). Schließlich werden dem Kandidaten / der Kandidatin zwei klinische Fälle präsentiert, die sie analysieren und kommentieren müssen sowie Fragen beantworten (40 Minuten). Teil 2 und Teil 3 dieser Prüfung werden von jeweils 2 verschiedenen Prüfern abgenommen, so dass der Prüfling insgesamt mit 4 Prüfern konfrontiert wird. Eine Mindestquote von 75% ist nötig, um die Prüfung zu bestehen. Zurzeit kostet die Eingangsprüfung 300 € und die zweite Prüfung 900 €, zusammen 1.200 €.

 

Das Format des EBSQ-Trauma-Surgery-Examen

In 2025 wurden 2 Eingangsexamina angeboten: am 28. Februar und am 30. Juni. Insgesamt nahmen 12 Kandidaten an den Eingangsprüfungen teil. Das Modul „Polytrauma Management and Musculoskeletal Trauma Surgery“ wurde ebenfalls zweimal organisiert: am 12. April in Aachen und am 27. Oktober in Berlin. Das Modul „Polytrauma Management and Trauma Surgery of the Trunk” wurde erstmals am 27. Oktober 2025 in Berlin organisiert. Insgesamt nahmen 8 Kandidaten / Kandidatinnen an das zweite Examen teil.

Die erste Eingangsprüfung von 2026 findet am 02. Februar statt. Anmeldung und Durchführung der Prüfung sind online.

Honorary Fellow of the European Board of Surgery

Die Division für Trauma Chirurgie würdigt langjährig engagierte Unfallchirurgen, die ein breites klinisches und großes wissenschaftliches Curriculum in der Traumatologie nachweisen können, als ihre Ehrenmitglieder. Durch die Würdigung von prominenten Persönlichkeiten hoffen wir die Ziele der Division näher zu kommen und deren Anerkennung eine breitere Bekanntheit zu geben.

Vorsitzender der Division war von 2021 bis 2025 Prof. em. Dr. med. Pol M. Rommens, neuer Vorsitzender für die Zeit von 2025 bis 2029 ist Prof. Dr. René Hartensuer. Weitere Informationen zur Arbeit der Division für Trauma Chirurgie, das Bureau, die Examina und das Honorary Fellowship finden sie unter www.uemssurg.org/surgicalspecialties/trauma-surgery/

Prof. em. Dr. med. Pol M. Rommens, FEBS, vorheriger Vorsitzender der Division für Trauma Chirurgie
Prof. Dr. René Hartensuer, FEBS, Vorsitzender der Division für Trauma Chirurgie

SHV-TherapieGipfel 2025: Volles Haus und intensiver Austausch

Am 12. November 2025 fand der 7. TherapieGipfel des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) unter dem Motto „Handeln statt reden“ mit rund 500 Teilnehmenden im Langenbeck-Virchow-Hörsaal in Berlin statt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung des Miteinanders und dankte den Heilmittelerbringern für ihr Engagement als unverzichtbaren Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Sie freute sich über die Einladung, die sie kurz nach Amtsantritt erhalten hatte.

Reformbedarf und Perspektiven

Andreas Pfeiffer, Vorsitzender des SHV, unterstrich das Potenzial der Heilmittelerbringer und begrüßte die Fokussierung auf Primärversorgung statt Primärarztversorgung. Die Ministerin räumte einen enormen Reformbedarf ein: Die Reform der Berufsgesetze im Heilmittelbereich sei überfällig, und die neue Bundesregierung wolle die bereits geleistete Vorarbeit aufgreifen. Allerdings müssten dafür finanzielle Rahmenbedingungen geschaffen und mit den Bundesländern abgestimmt werden. Warken kündigte an, 2026 ein neues Berufsgesetz für Physiotherapie umzusetzen; weitere Schritte für andere Heilmittelberufe seien denkbar. Bereits bestehende Reformen wie das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) hätten Verbesserungen gebracht, etwa durch höhere Vergütungen und die Blankoverordnung, die individuellere Versorgung ermöglicht.

Primärversorgung und interprofessionelle Zusammenarbeit

Die Ministerin will die Primärversorgung und die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe stärken. Dazu sollen Workshops und Gespräche im Ministerium starten, an denen auch der SHV beteiligt wird. Ziel ist es, erarbeitete Fragestellungen in konkrete Maßnahmen zu überführen. Im Anschluss an Warkens Rede diskutierten Experten in zwei Podiumsrunden. Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, eröffnete die Diskussion zur primärärztlichen Versorgung. Vertreter aus Politik, Krankenkassen und Verbänden – darunter Serdar Yüksel (MdB, SPD), Boris von Maydell (VdEK), Prof. Dr. Lutz Hager (BMC) und Sebastian John (Hausärzteverband) – entwickelten Ideen zur Umsetzung einer modernen Primärversorgung. Im Fishbowl-Format brachten SHV-Vorstände und Prof. Dr. Clarissa Kurscheid (Heilmittel-Schiedsstelle) die Bedeutung der Heilmittelerbringer für die Versorgung ein. Yüksel resümierte: „Wir haben kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit!“

Internationaler Blick und Direktzugang

In der zweiten Podiumsrunde skizzierte Uwe Hallmann, Physiotherapeut, internationale Modelle des Direktzugangs. In Skandinavien etwa übernehmen qualifizierte Physiotherapeuten mehr Verantwortung, was laut Erfahrungsberichten zu effizienteren und besseren Versorgungsstrukturen führt. Ursula Jahn-Zöhrens (Deutscher Hebammenverband) schilderte die Professionalisierung und Akademisierung der Hebammen, die durch Kommunikation auf Augenhöhe und EU-Richtlinien gefördert wurde. Dr. Jörg Ansorg, Geschäftsführer des Bundesverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie, unterstrich die Wichtigkeit einer leitliniengerechten Versorgung der Patienten und sieht darin durchaus Chancen die interprofessionelle Zusammenarbeit weiter zu stärken. Im erneuten Fishbowl-Format unterstrichen Andrea Rädlein (Physio Deutschland), Ute Repschläger (IFK) und Katrin Schubert (dbs) die Chancen des Direktzugangs für die Heilmittelberufe.

Dr. Jörg Ansorg, Geschäftsführer des Bundesverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie, unterstrich die Wichtigkeit einer leitliniengerechten Versorgung der Patienten und sieht darin durchaus Chancen die interprofessionelle Zusammenarbeit weiter zu stärken. ©axentis | georg j. lopata

SHV-Forderungen und Ausblick

Im Rahmen eines Pressegesprächs stellte der SHV seine acht Kernforderungen vor, darunter die Einbindung als eigenständiger Partner im Primärsystem, die Umsetzung des Direktzugangs, die Förderung der Digitalisierung und den Bürokratieabbau.

Der 7. TherapieGipfel 2025 war ein voller Erfolg und gibt Rückenwind für die berufspolitische Arbeit des SHV. Mit Unterstützung der Politik und im engen Austausch mit allen Beteiligten setzt sich der SHV weiterhin für moderne, effiziente und patientenorientierte Heilmittelversorgung ein.

Quelle: SHV

Aktion Orthofit: Grundschule in Blankenburg gewinnt bundesweiten Malwettbewerb

Berlin/Blankenburg, 26. November 2025 – Die Martin-Luther-Grundschule in Blankenburg (Sachsen-Anhalt) hat den bundesweiten Malwettbewerb des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) zum Thema „Bewegung“ gewonnen!
Als Preis für ihr kreatives Engagement dürfen sich die Schülerinnen und Schüler auf einen ganz besonderen Schulbesuch freuen: Am 4. Dezember 2025 um 11 Uhr gestaltet der beliebte Moderator aus dem Kinderfernsehen „Der Christian“ gemeinsam mit den Kindern eine spannende und interaktive Schulstunde rund um Bewegung und Fußgesundheit.
Der Wettbewerb wurde im Rahmen der Aktionswoche Orthofit „Zeigt her Eure Füße“ ausgerufen. Grundschulklassen aus ganz Deutschland waren eingeladen, ihre Ideen zum Thema Bewegung künstlerisch umzusetzen. Die Martin-Luther-Grundschule überzeugte mit besonders kreativen Einsendungen und sicherte sich damit den Hauptgewinn.
Mit dabei beim Aktionstag sind neben Christian Bahrmann auch das Orthofit-Team sowie Dr. med. Thomas Lütke (Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, D.A.F. Fußzertifikat). Gemeinsam werden sie den Kindern auf unterhaltsame Weise die Bedeutung von Bewegung und Fußgesundheit näherbringen.
Ziel des Wettbewerbs war es, Kinder für mehr Bewegung zu begeistern. Denn Bewegungsmangel ist auch bei Kindern ein zunehmendes Problem: Immer mehr verbringen ihre Freizeit vor Bildschirmen, statt sich aktiv zu bewegen oder gemeinsam Sport zu treiben. Regelmäßige Bewegung und Vorsorge sind jedoch entscheidend, um Erkrankungen und bleibende Schäden zu vermeiden.
Gegen den Bewegungsmangel unserer Kinder
In der Bevölkerung herrscht ein zunehmender Bewegungsmangel. Dies gilt auch für Kinder: Eine wachsende Zahl von ihnen bewegt sich nicht mehr ausreichend, verbringt viel Zeit vor Spielkonsolen, statt gemeinschaftlichen Sportaktivitäten nachzugehen. Kontinuierliche Bewegung und Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, um drohende Erkrankungen und bleibende Schäden zu vermeiden. Aus diesem Grund hat der BVOU 2010 die Präventionskampagne Aktion Orthofit ins Leben gerufen.
Weitere Informationen zur Aktion und Tipps rund um das Thema Fußgesundheit gibt es auf www.aktion-orthofit.de.
Über den BVOU:
Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) ist die berufspolitische Vertretung für mehr als 7.500 in Praxis und Klinik tätige Kolleginnen und Kollegen. Der BVOU setzt die beruflichen Interessen seiner Mitglieder durch, indem er zum Vorteil der Patienten und des Gemeinwohls gemeinsam mit den wissenschaftlichen Gesellschaften den Standard orthopädisch-unfallchirurgischer Versorgung entwickelt, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prägt und dadurch die öffentliche Wahrnehmung seiner Mitglieder als Experten für orthopädisch-unfallchirurgische Versorgung gestaltet.
Pressekontakt BVOU:
Janosch Kuno
Straße des 17. Juni 106-108
10623 Berlin
presse@bvou.net

E-Learning: Bindung und Motivation von Mitarbeitern

Mitarbeiter, die sich mit ihrer Praxis verbunden fühlen und motiviert zur Arbeit kommen, sind das Herzstück jeder erfolgreichen Arztpraxis. Doch wie gelingt es, diese Bindung und Motivation nachhaltig zu stärken? Mitarbeiter zu führen ist eine der größten Herausforderungen in der Arztpraxis – und gleichzeitig eine der wichtigsten, wenn es um wirtschaftlichen Erfolg, Zufriedenheit im Team und effiziente Abläufe geht. 

E-Learning: Erkennen, lernen fördern

Unser neuer E-Learning-Kurs „Bindung und Motivation von Mitarbeitern“ liefert den Teilnehmenden praxisnahe Strategien und sofort umsetzbare Impulse, um das eigene Team langfristig zu begeistern und zu binden. In kompakten, alltagsnahen Einheiten erfahren Sie, wie Sie als Führungskraft eine Atmosphäre schaffen, in der sich Ihre Mitarbeiter wertgeschätzt und eingebunden fühlen. Sie lernen, wie Sie individuelle Stärken erkennen, gezielt fördern und gemeinsam mit Ihrem Team Ziele entwickeln, die wirklich motivieren.

10 Tage neue Impulse

Profitieren Sie von erprobten Methoden, die nicht nur die Zufriedenheit, sondern auch die Leistungsbereitschaft und Loyalität Ihrer Mitarbeiter steigern. Mit dieser kompakten, digitalen Impulsreihe erhalten Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber zehn kurze, praxiserprobte Anleitungen, um Motivation, Verbindlichkeit und Eigenverantwortung im Team nachhaltig zu fördern – jeden Tag ein klarer Gedanke, ein konkreter Umsetzungsschritt. Ziel ist kein aufgesetztes „Coaching-Programm“, sondern ein praxisnaher, kompakter Einstieg in moderne Personalentwicklung. Alle Inhalte lassen sich ohne Mehraufwand in den Praxisalltag integrieren.
Ob Sie Ihre Praxis attraktiver für neue Fachkräfte machen oder bestehende Talente langfristig halten möchten – dieser Kurs gibt Ihnen das nötige Handwerkszeug an die Hand. Investieren Sie in die Zukunft Ihrer Praxis und erleben Sie, wie ein motiviertes Team den Praxisalltag spürbar bereichert! Melden Sie sich jetzt an und machen Sie Mitarbeiterbindung und Motivation zu Ihrer Führungsstärke!

Inhalte der 10-tägigen Impulsreihe

  1. Was motiviert Ihre Mitarbeiter wirklich?
  2. Wie Sie Problemverhalten ansprechen, ohne zu demotivieren
  3. Führen durch Coaching: Ihre Rolle als Trainer
  4. Wie Sie Stolz als Antrieb im Team nutzen
  5. Motivierende Rahmenbedingungen schaffen
  6. Motivation durch kluge finanzielle Anreize
  7. Selbst-Check: Teamgeist und Arbeitsmoral in Ihrer Praxis
  8. Neue Mitarbeiter: So gelingt der Einstieg
  9. Teambesprechungen als Führungsinstrument nutzen
  10. Ziele, die wirklich motivieren – statt kontrollieren
  • Bonus: Excel-Tool zur Personaleinsatzplanung

Überblick

Täglich eine E-Mail mit konkretem Impuls (ca. 10 Minuten Lesezeit)
Sofort anwendbar im Praxisalltag
Optionales PDF-Downloadmaterial zu ausgewählten Themen

Zielgruppe

Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber
Angestellte Ärzte mit Leitungsverantwortung
Praxismanagerinnen

Preise 

Teilnahmepreis für BVOU-Mitglieder: 119 Euro
Teilnahmepreis für Nicht-Mitglieder: 149 Euro

Der BVOU startet ins neue Jahr mit einem Offensivprogramm zur Kultur in Praxen. Dazu gehört ein Webinar am 07.01.2026, das Tipps und Tricks zu einer gelingenden Führungskultur vermittelt. Mit dem Webinar läuten wir weitere Angebote ein, wie ein Tool zur Erhebung der Mitarbeiterzufriedenheit in Praxen. Aufbauend auf den Ergebnissen werden Praxisinhabern KI-gestützt konkrete Empfehlungen zur Verbesserung an die Hand gegeben. Ergänzend kann ein modularer E-Learning-Kurs aus 10 Newsmodulen oder eine tiefergehende Beratung gebucht werden.

Webinar am 07.01.2026, 18.00 Uhr: Mehr Bewegung im Team als im Gelenk? – Fluktuation verhindern, Mitarbeiter binden!

Qualitätssicherungsvereinbarung zur Fraktursonographie bei Kindern steht fest

Seit dem 1. Oktober 2025 gibt es für die „Fraktursonographie bei Neugeborenen, Säuglingen, Kleinkindern und Kindern bis zum vollendeten 12. Lebensjahr mit Verdacht auf Fraktur eines langen Röhrenknochens der oberen Extremitäten“ die neue extrabudgetär vergütete GOP 33053 im EBM. Laut Homepage der KBV darf die Methode nur von Fachärztinnen und Fachärzten für Allgemeinmedizin, Radiologie, Kinder- und Jugendmedizin, Orthopädie und Chirurgie durchgeführt werden. Durchführung und Abrechnung sind bei der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung genehmigungspflichtig.

Dafür haben KBV und GKV-Spitzenverband nun auch die Qualitätssicherungsvereinbarung zur Ultraschalldiagnostik an die neue Leistung angepasst. Geregelt wurden darin die fachlichen und apparativen Anforderungen sowie die Bilddokumentation.

Die fachliche Qualifikation zur Fraktursonographie können Ärztinnen und Ärzte mit der Teilnahme an einer strukturierten Fortbildung über 8 Unterrichtsstunden je 45 Minuten nachweisen. Die strukturierte Fortbildung muss praktische Übungen an Unter- und Oberarm sowie am Ellenbogen enthalten. Fortbildungsinhalte müssen außerdem die Befundung anhand von Bildern von Normalbefunden und von mindestens 20 pathologischen Fällen an diesen Knochen sein. In der Fortbildung müssen Kenntnisse und Fertigkeiten zu Formen und Morphologie von Frakturen eines langen Röhrenknochens der oberen Extremität, zur Indikationsstellung, zu Untersuchungstechniken und Dokumentation vermittelt werden. Außerdem ist eine die Fortbildung abschließende Prüfungsleistung nachzuweisen. Die Fortbildung kann unter bestimmten Voraussetzungen auch in Teilen oder ganz online absolviert werden.

Denken Sie daran, bei der Antragstellung auf Genehmigung bei Ihrer KV den entsprechenden Nachweis vorzulegen. Bis zum 1. Januar 2026 kann alternativ auch der Nachweis über 50 selbstständig vor dem 1. Oktober 2025 durchgeführte B-Modus-Sonographien bei Frakturverdacht vorgelegt werden. Auch Kurse, die vor dem 1. Oktober 2025 abgelegt wurden, können anerkannt werden, wenn sie die Anforderungen nach Nummer 43 der MVV-Richtlinie erfüllen. Zu den Übergangsbestimmungen informiert Sie Ihre Kassenärztliche Vereinigung.

Die apparativen Anforderungen an die Fraktursonographie eines langen Röhrenknochens der oberen Extremitäten finden sich in der Anlage III der QS-Vereinbarung zur Ultraschalldiagnostik unter AK 13.1. Für die Fraktursonografie im B-Modus ist ein Linear-Array mit mindestens 5,0 MHz Sendefrequenz, Empfangsdynamik mindestens 45dB und Bildfeldtiefe mindestens 4cm zu verwenden. Zur Erfassung und Dokumentation von Achsabweichungen muss die Möglichkeit einer Winkelmessung auf dem Bildschirm oder auf dem Ausdruck bestehen. Die Kriterien sind mit üblichen Geräten, wie sie zur Sonografie am Bewegungsapparat nach EBM 33050 eingesetzt werden, erfüllbar.

Auch die ärztliche Dokumentation wird durch die angepasste QS-Vereinbarung (§ 10 Abs. 4) geregelt. Angaben zur Untersuchungsregion, den Schnittebenen und dem Untersuchungsergebnis sind erforderlich. So sind bei distalen Unterarmfrakturen Radius und Ulna in je 3 Schnitten einschließlich der Epiphysenfuge darzustellen, bei proximalen Oberarmfrakturen 4 Schnittebenen und bei Ellenbogenfrakturen ein dorsaler Längsschnitt über der Fossa olecrani notwendig.

Leopold Braun, Tübingen

Genuss für den guten Zweck: Weinverkostung trifft Entwicklungszusammenarbeit

Nach dem erfolgreichen Auftakt im Jahr 2022 wurde Namibia beim DKOU in Berlin erneut als Projektland vorgestellt. Das Projekt stand unter der Betreuung von Dr. Markus Schneider und wurde von großem Engagement getragen. 

Im Rahmen des Projekts wurde Petrus Shilongo, Medical Officer am Katutura State Hospital in Windhoek, eingeladen, der seine Eindrücke und den Bedarf vor Ort persönlich schilderte. “Ich bin das erste Mal in Europa und Deutschland. Der Kongress war einfach überwältigend. Auch die Freundlichkeit der Kolleginnen und Kollegen und die Hilfsbereitschaft zu spenden war einzigartig”, berichtet Shilongo. Die Organisation des Info-Stands übernahmen der BVOU. Der Stand war professionell mit Roll-ups sowie umfangreichem Informationsmaterial ausgestattet und bot zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch.

Weinverkostung: Genuss für den guten Zweck

Ein besonderes Highlight war die Weinverkostung am Stand des BVOU am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag des Kongresses. Besucherinnen und Besucher hatten die Möglichkeit, einen Rheinhessen Riesling zu probieren und zu bestellen. Jede erworbene Flasche unterstützte das Spendenprojekt in Namibia mit einer Summe von 5 Euro. Viele Weinbestellungen wurden direkt vor Ort getätigt – allein kurz nach Kongressende wurden bereits etwa 250 Flaschen registriert. Die Weinverkostung bot nicht nur kulinarischen Genuss, sondern auch einen idealen Rahmen für den Austausch. Der gesamte Erlös aus Weinverkauf und Spendenaktion kommt ohne Abzüge dem Katutura State Hospital in Windhoek zugute. Ein Link ermöglicht auch Bestellungen außerhalb des Kongresses.

Spendenaktion und Sachspenden

Neben Geldspenden konnten Besucher gezielt Sachspenden anbieten oder sich direkt an Markus Schneider wenden. Besonders wertvoll war die Information zu bevorstehenden Klinikschließungen, da hierbei häufig Instrumente abzugeben sind, die nicht mehr verkauft werden können. Im Krankenhaus Neuwerk in Mönchengladbach wurden bereits zahlreiche nicht mehr benötigte Instrumente gesichtet; eine größere Lieferung steht in Aussicht.

Während des Kongresses wurden zahlreiche Kontakte zur Industrie geknüpft. Besonders hervorzuheben ist die Prüfung, ob ein komplettes Arthroskopie-Set und Bohrmaschinen nach Windhoek geliefert werden können. Die spontane Zusage eines renommierten Krankenhauses zur Spende eines Kinder-Operationstischs war ein weiteres Highlight. Der Transport erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Verein Support Ulm e. V.

Erfahrungen und Rückblick

Dr. Markus Schneider resümiert die ereignisreichen Tage so: “Es waren sehr anstrengende Tage, jeden Abend ein anderes Programm, aber Erfahrungen wie die Teilnahme von Petrus Shilongo am Präsidentenabend und die International Reception waren einmalig. Wir konnten in direkten Austausch mit Delegationen aus China und der Ukraine treten. Das Interesse war vorhanden, auch im Kongress. Es fehlen noch endgültige Zusagen für Spenden.”

Die Weinverkostung am BVOU-Stand war mehr als nur ein kulinarisches Ereignis – sie wurde zu einem Symbol für Solidarität und nachhaltiges Engagement. Dank vieler kleiner und großer Beiträge, der Unterstützung durch Sach- und Geldspenden sowie durch engagierte Kontakte zur Industrie konnte das Projekt Namibia ein großes Stück vorangebracht werden. Alle Einnahmen und Spenden kommen direkt dem Katutura State Hospital in Windhoek zugute und tragen damit konkret zur Verbesserung der medizinischen Versorgung vor Ort bei.

Digitale Exzellenz ausgezeichnet: BVOU-Digitalpreis krönt Innovationen

Die feierliche Verleihung des BVOU-Digitalpreises 2025 fand erstmalig am 31. Oktober 2025 im Rahmen der Abschlussveranstaltung des DKOU statt. Im Mittelpunkt standen zukunftsweisende digitale Lösungen, die den Alltag in Orthopädie und Unfallchirurgie nachhaltig verbessern können. Ausgezeichnet wurden innovative Projekte, die neue Impulse in Diagnostik, Therapie, Patientenversorgung, Praxismanagement oder Forschung geben und dazu beitragen, Versorgungsprozesse effizienter und patientenorientierter zu gestalten.

Angesichts der zahlreichen und hochqualitativen Bewerbungen wurde der Digitalpreis in diesem Jahr in drei Hauptkategorien vergeben. Jede der ausgezeichneten Initiativen erhielt ein Preisgeld von 3.000 €.

Kategorie „Innovative digitale Therapieansätze“

In dieser Kategorie wurde die Orthopy GmbH aus Hamburg ausgezeichnet. Mit der App „Orthopy bei Schulterbeschwerden“ bietet ein interdisziplinäres Team aus rund 20 Expertinnen und Experten einen niedrigschwelligen, personalisierten Zugang zu wissenschaftlich fundierten Therapiebausteinen. Die App richtet sich gezielt an Patientinnen und Patienten mit Schulterverletzungen oder degenerativen Veränderungen und stellt einen individuell gestaltbaren Trainingsplan in den Mittelpunkt. Ergänzt wird das Angebot durch motivationale Elemente, Fortschrittskontrolle und edukative Inhalte. Die App versteht sich als komplementäres Instrument zur bestehenden Therapie und fördert die Kommunikation zwischen Patientinnen, Patienten und Behandelnden. Frithjof Doerks und sein Team nahmen den Preis entgegen.

© Intercongress/Unrauh/Tanzyna

Kategorie „Digitale Optimierung von Praxisabläufen mit und ohne KI“

In dieser Kategorie wurde die Eudaria GmbH aus Bonn für ihre Sprechstunden-KI Eudaria ausgezeichnet. Die Software verwandelt Arzt-Patienten-Gespräche automatisch in strukturierte medizinische Dokumentationen. Sie erkennt relevante Inhalte kontextbasiert und erstellt präzise Anamnesen, Befunde und Therapiedokumentationen. Durch die Integration in bestehende Praxisverwaltungssysteme reduziert Eudaria den Dokumentationsaufwand deutlich und schafft mehr Zeit für die Patienten. Die Software ist modular aufgebaut, wird kontinuierlich weiterentwickelt und ist speziell auf die Anforderungen der Orthopädie und Unfallchirurgie zugeschnitten. Dr. Tom Jansen und Lara Jansen nahmen den Preis entgegen.

© Intercongress/Unrauh/Tanzyna

Kategorie „Digitale Unterstützung von Weiter- und Fortbildung“

In der Kategorie „Digitale Unterstützung von Weiter- und Fortbildung“ wurde Lorenz Flechtenmacher aus Kopenhagen für die App „Osteoporose Risiko Wissen“ ausgezeichnet. Diese App unterstützt Ärztinnen, Ärzte und Fachpersonal dabei, das individuelle Frakturrisiko bei Osteoporose nach aktuellen Leitlinien zu berechnen. Sie ermöglicht es, exemplarische Patientenfälle zu simulieren und den Einfluss einzelner Risikofaktoren auf das Knochenbruchrisiko zu verstehen. Mit über 30.000 Downloads ist die App in der medizinischen Community sehr beliebt und trägt zur Fortbildung und Sensibilisierung bei.

© Intercongress/Unrauh/Tanzyna

Der Jury 2025 gehörten an:

Mitglieder des BVOU-Vorstandes:

  • Dr. Helmut Weinhart
  • Dr. Henning Leunert
  • Dr. Johannes Flechtenmacher
  • Prof. Dr. Matthias Pumberger

BVOU-Geschäftsführer:

  • Dr. Jörg Ansorg

Vertreter Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung e.V. (SVDGV):

  • Dr. Paul Hadrossek
  • Tim Schneider

Dr. Thomas Kühn – Humanitarian Award für besonderes Engagement

Im Rahmen der feierlichen International Reception des DKOU im Hotel Intercontinental in Berlin wurde Dr. Thomas Kühn aus Biberach am 29.10.25 mit dem OTHA Orthopädie und Unfallchirurgie Humanitarian Award ausgezeichnet. Dr. Stefan Middeldorf würdigt mit diesem Preis Dr. Kühns herausragende und beispielhafte Leistungen im Bereich der humanitären Unterstützung und Zusammenarbeit in der Orthopädie und Unfallchirurgie.

Über die Kühn Foundation

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand kehrte Dr. Kühn in seine „zweite Heimat“ Ostafrika zurück. Dort wurde er mit einem enormen Bedarf an orthopädischer und unfallchirurgischer Versorgung konfrontiert. Diese Erfahrung war der Ausgangspunkt für ein langfristiges, nachhaltiges Engagement vor Ort. Im Jahr 2018 gründete Dr. Kühn die „Kühn Foundation – Orthopedic Surgery for Africa“ mit dem Ziel, durch persönliche Arbeit und finanziellen Einsatz die orthopädisch-traumatologische Versorgung der lokalen Bevölkerung spürbar zu verbessern.Mit seinem unermüdlichen Einsatz hat Dr. Kühn einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung in Ostafrika geleistet und setzt damit ein inspirierendes Zeichen für humanitäres Engagement in der Medizin.

Vorstandswahlen beim BVOU: Dr. Burkhard Lembeck bleibt Präsident

Am 31. Oktober 2025 fanden im Rahmen der BVOU-Mitgliederversammlung die Vorstandswahlen unter der Wahlleitung von Helmut Mälzer statt.

Dr. Burkhard Lembeck wurde mit großer Mehrheit für weitere vier Jahre als Präsident des BVOU bestätigt.

Dr. Lembeck leitet den Verband bereits seit 2021 und ist niedergelassener Orthopäde und Unfallchirurg in Ostfildern. Als engagiertes Mitglied setzt er sich besonders für die Stärkung von Orthopädie und Unfallchirurgie, Versorgungsforschung, sektorengleiche Versorgung sowie den Ausbau von Selektivverträgen ein: „Wir werden uns auch künftig dafür einsetzen, dass Ärztinnen und Ärzte selbstbestimmt arbeiten können. Unser Ziel bleibt, die Versorgung aktiv mitzugestalten – sei es durch Selektivverträge, im eigenen Umfeld, in Kliniken oder Praxen.“

Zu Vizepräsidenten wurden Dr. Helmut Weinhart, Dr. Anna-Katharina Doepfer und Univ.-Prof. Dr. Tobias Renkawitz gewählt. Dr. Johannes Flechtenmacher bleibt Schatzmeister, während Prof. Dr. Alexander Beck, Prof. Dr. Matthias Pumberger und Matthias Träger dem geschäftsführenden Vorstand angehören.

OrthoKids-Studie: orthopädische Vorsorgeuntersuchung dringend empfohlen

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hat am Donnerstag gemeinsam mit den Projektpartnern in Berlin die Ergebnisse ihres bundesweit einmaligen Präventionsprojekts OrthoKids vorgestellt. Diese belegen eindeutig die Notwendigkeit einer regulären orthopädischen Vorsorgeuntersuchung für Kinder zwischen zehn und 14 Jahren, um Skoliose und andere Erkrankungen des Bewegungsapparates frühzeitig zu erkennen.

„Erkrankungen am Stütz- und Bewegungsapparat bei Kindern und Jugendlichen sind die große Schwachstelle in der Prävention“, betonte KVBW-Vorstandsvorsitzender Dr. Karsten Braun bei der Ergebnispräsentation. Zwischen dem zehnten und 14. Lebensjahr durchlaufen Kinder entscheidende Wachstumsphasen ihres muskuloskelettalen Systems. In der Regelversorgung ist bislang keine spezifische orthopädische Vorsorgeuntersuchung in dieser Altersspanne vorgesehen. Viele Fehlstellungen der Wirbelsäule, Beine und Füße bleiben daher bei den üblichen Kinderuntersuchungen (U- und J-Checks) unentdeckt. „Während Augen, Ohren, Zähne und Stoffwechsel längst einen festen Platz in den pädiatrischen Screening- und Früherkennungsprogrammen haben, bleibt der Bewegungsapparat – das Fundament unserer Mobilität – weitgehend sich selbst überlassen“, kritisierte Braun.

Ziel des OrthoKids-Projektes war es, den Sinn und Nutzen einer orthopädischen Vorsorgeuntersuchung zwischen dem zehnten und 14. Lebensjahr wissenschaftlich zu untersuchen. Projektpartner der KVBW waren die Orthopädie im Olgahospital des Klinikums Stuttgart, das Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS und das Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) der Uniklinik Köln. Als Kooperationspartner engagierten sich der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), die AOK Baden-Württemberg, die Techniker Krankenkasse (TK), das Landesgesundheitsamt sowie diverse Sportverbände.
Innerhalb von rund zwei Jahren haben knapp 12.000 Kinder und Jugendliche an OrthoKids teilgenommen, die von rund 300 Orthopädinnen und Orthopäden in Baden-Württemberg untersucht und behandelt wurden. Sowohl in den teilnehmenden Orthopädiepraxen wie auch in Schulen und in Sportvereinen wurden Screenings angeboten. Die jungen Projektteilnehmenden konnten eine spezielle OrthoKids-App nutzen, in der es viele Übungsvideos und Informationen zu Sport und Bewegung gab. Die ganzheitliche IT-Lösung für das Teilnehmer- und Datenmanagement stellte Dr. Michael John, Projektleiter Telehealth Technologies am Fraunhofer FOKUS, vor. Ein Jahr nach dem Screening gab es eine Kontrolluntersuchung, um Veränderungen zu dokumentieren.

Die Ergebnisse zur Effektivität des Screenings sind nach Ansicht von Prof. Dr. Stephanie Stock (Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Uniklinik Köln) eindeutig. „Bei drei der vier im Rahmen des Screenings untersuchten Fehlstellungen (Skoliose, Beinachsenabweichungen und Knick-Senk-Fuß) wurden im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung deutlich höhere Prävalenzen gefunden als in der historischen Kontrollgruppe: Bei der Skoliose beispielsweise wiesen rund sechs Prozent der Kinder mit OrthoKids-Vorsorgeuntersuchung eine Skoliose auf – fast sechs-mal so viele wie in der historischen Kontrollgruppe aus Kassendaten (1,1 %). Die Vorsorgeuntersuchung wurde sowohl von Orthopäden als auch von den teilnehmenden Eltern und Kindern gut angenommen“, freute sich Stock.

Sie führte aus, dass OrthoKids eines der wenigen Innovationsfondsprojekte ist, in deren Rahmen Fallzahlen in fünfstelliger Höhe erreicht werden konnten.

Auch wurden in der Befragung der Orthopäden und Eltern keine K.-o.-Kriterien für die Ausrollung in die Regelversorgung deutlich. Da das Kosten-Nutzen-Verhältnis zudem in einem international akzeptablen Bereich liegt, sind die Voraussetzungen für eine Implementierung in die Regelversorgung durchaus vielversprechend. „Um dazu eine definitive Aussage machen zu können, fehlen uns aber Daten zur Langzeitbeobachtung“, führte Stock weiter aus. Daher sollten zukünftige Projekte zu neuen, präventiven Versorgungsformen im Kindes- und Jugendalter eine Nachverfolgung mindestens bis zum Abschluss der Wachstumsphase vorsehen.

Auch Prof. Thomas Wirth, ehemaliger Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Klinik am Olgahospital im Klinikum Stuttgart, stellte den präventiven Wert der Untersuchung heraus. „Je früher eine Skoliose diagnostiziert wird, desto größer ist die Chance auf eine erfolgreiche konservative Therapie und auf die Vermeidung langfristiger Folgen oder Operationen.“ Dass in OrthoKids ein Vielfaches an Wirbelsäulen- und Beinachsenfehlstellungen aufgedeckt wurde, die in der Regelversorgung schlicht übersehen werden, zeige, wie notwendig eine Vorstellung beim Orthopäden als dem Spezialisten für den Bewegungsapparat ist.

Die abschließende Expertenrunde diskutierte die Chancen einer Aufnahme der ortho-pädischen Vorsorgeuntersuchung in den Regelkatalog. BVOU-Präsident Dr. Burkhard Lembeck bekräftigte, dass eine so zentrale Gesundheitsvorsorge wie das Screening am muskuloskelettalen System von Kindern durch einen Fachspezialisten in den Leistungskatalog aufgenommen werden müsse.

Auch Dr. Katja Plückelmann vom Bundesverband Skoliose betonte, wie bedeutsam eine frühzeitige Vorsorgeuntersuchung ist. „Zwischen dem zehnten und 14. Lebensjahr finden besonders viele körperliche Veränderungen statt. Wir beklagen schon seit langem, dass Skoliosen häufig zu spät festgestellt und diagnostiziert werden. Die Ergebnisse von OrthoKids bestätigen unsere Einschätzung und die Notwendigkeit einer Vorsorgeuntersuchung im dem sehr langen Zeitraum zwischen der U10 und der J1.“

Karin Maag vom G-BA unterstrich den Wert von Innovationsfondsprojekten wie OrthoKids: „Solche Projekte können mögliche Verbesserungsbedarfe und -potenziale in der Regelversorgung aufzeigen und liefern wissenschaftlich fundierte Ergebnisse für deren Weiterentwicklung.“

Auch Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg, schätzt die Initiative der KVBW: „Es ist wichtig, dass solche Studien stattfinden, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Deshalb war die TK gerne als Partner mit dabei.“ Noch sei unklar, ob bzw. unter welchen Bedingungen das Screening auch langfristig zu den gewünschten Projekterfolgen führe. Deshalb müssten vor einem großflächigen Einsatz weitere Modalitäten geklärt werden.

Für KVBW-Vorstand Dr. Karsten Braun steht der Sinn und Nutzen einer orthopädischen Vorsorgeuntersuchung außer Frage: „Gesundheitspolitisch ist es kaum vertretbar, hier nicht aktiv zu werden. OrthoKids beweist, dass die Untersuchung praktikabel, akzeptiert und wirksam ist. Viele Kinder und Jugendliche haben teilgenommen – trotz des Aufwands, trotz bestehender Vorsorgeuntersuchungen. Das zeigt den Bedarf und die Akzeptanz.“
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Quelle: KVBW