Alle Beiträge von Janosch Kuno

Ambulantisierung, Nachwuchs, Digitalisierung: Über das neue Jahr in O&U

Dr. Burkhard Lembeck, Präsident des BVOU, spricht im Änd-Interview über strukturelle und finanzielle Hürden, den drohenden Nachwuchsmangel und die Chancen digitaler Innovationen. Er mahnt: Nur mit mutigen Reformen und praxisnahen Lösungen lässt sich die Versorgung auch in Zukunft sichern.

2025 war geprägt von Diskussionen um Ambulantisierung, Hybrid-DRG und Krankenhausreform. Was hat Ihre Fachgruppe am stärksten betroffen oder bewegt?
Dr. Burkhard Lembeck: Für mich gehören alle drei Aspekte zusammen: Bei der Zentralisieurng und der Ambulantisierung hinkt Deutschland strukturelle hinterher -Krankenhausreform und Hybrid DRG sind die gesetzlichen Initiativen dazu.

Als Berufsverband begleiten wir beides: Beim KHAG mahnen wir Änderungen bei den Vorgaben zur personellen Ausstattung an, bei den Hybrid DRG informieren wir die Kolleginnen und Kollegen über die Änderungen ab 01.01. 2026 in Form von Webinaren usw. und mahnen weiter bei der Selbstverwaltung die bestehenden Defizite bei der Ausgestaltung an. Teilweise führt die aktuelle Ausgestaltung der Hybrid-DRG zu Honorarkürzungen sogar gegenüber der Abrechnung über EBM, das ist nicht hinnehmbar.

Wie wirkt sich die aktuelle Entwicklung der Hybrid-DRG auf die orthopädisch-unfallchirurgische Versorgung in den Praxen aus?
Dr. Lembeck: Wir begleiten das Thema Hybrid-DRG schon seit vier Jahren sehr intensiv – sowohl wissenschaftlich als auch gesundheitsökonomisch. Mit dem „Wiesbadener Modell“ haben wir einen umfangreichen Katalog an ambulantisierbaren Leistungen aus unserem Fachgebiet vorgelegt, der fast eine Million Fälle umfasst. Die Erweiterung des Hybrid-DRG-Katalogs, wie sie im April 2025 beschlossen wurde, begrüßen wir ausdrücklich. Das ist ein wichtiger Schritt, um die Versorgung sowohl stationär als auch ambulant zu verbessern. In den neuen Katalog werden auch die Osteosynthesen mit aufgenommen, absehbar ist aber die Erweiterung auf Arthroskopien, Metallentfernungen der Hüfte usw.

Die Praxen sehe ich dabei gut aufgestellt, bei ihnen ist ambulantes Operieren oder auch tageschirurgische Eingriffe seit Jahren Standard.

Welche strukturellen oder finanziellen Hemmnisse verhindern derzeit, dass mehr Operationen ambulant durchgeführt werden können?
Dr. Lembeck: Strukturell stehen die Kliniken vor den größten Herausforderungen – sie müssen sich entscheiden, ob sie ambulante Eingriffe weiter anbieten wollen, dann müssen sie in den meisten Fällen die Prozesse dringend optimieren. Oder sie konzentrieren sich auf die Fälle, die absehbar eines stationären Aufenthaltes bedürfen. Völlig ungeklärt ist im Moment, wie man sich die Ambulantisierung bei konservativen Fällen vorstellt – das betrifft im Bereich O+U vor allen Dingen den akuten Rückenschmerz, den gestürzten älteren Patienten usw. Hier bedarf es dringend struktureller Reformen.

Finanziell weiter ungeklärt ist die Frage der finanziellen Berücksichtigung der Weiterbildung bei Eingriffen. Viele der im Hybrid-DRG-Katalog ab 2026 enthaltenen Eingriffe sind wichtige Weiterbildungseingriffe für unser Fachgebiet. Damit diese auch weiterhin sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich stattfinden können, brauchen wir eine Neubewertung dieser Eingriffe. Wir schlagen deshalb einen sektorenübergreifenden, fallbezogenen Zuschlag für Weiterbildungseingriffe vor, der den zusätzlichen Personal- und Zeitaufwand abbildet. In Kliniken besteht sonst die Gefahr, dass nur noch erfahrene Fachärzte diese Eingriffe durchführen, um die Kalkulationszeiten einzuhalten. In Praxen wiederum muss die Forderung nach persönlicher Leistungserbringung durch Vertragsärzte bei Weiterbildungseingriffen gelockert werden, damit ambulante Weiterbildung rechtssicher möglich ist.
Ganz zentral ist für uns auch die finanzielle Förderung der ambulanten Weiterbildung ab 2026 – analog zur Förderung in der Allgemeinmedizin. Nur so können wir die Versorgung und die Qualität der Ausbildung auch in Zeiten des Ärztemangels sichern.

Wie beurteilen Sie die Nachwuchssituation in der Orthopädie und Unfallchirurgie – insbesondere im ambulanten Bereich?
Dr. Lembeck: Wir stehen vor einem echten Nachwuchsproblem. Der Altersdurchschnitt in unserem Fach steigt, und der Personalbedarf nimmt zu. Leider nimmt die Attraktivität der Orthopädie und Unfallchirurgie bei Medizinstudierenden ab. Das liegt unter anderem daran, dass die Qualität der chirurgischen Lehre, vor allem das Bedside-Teaching, oft unter Zeitmangel und fehlender didaktischer Ausbildung leidet. Das Praktische Jahr ist eigentlich eine große Chance, aber die Ausbildung in unserem Fach schneidet im Vergleich zu anderen Fächern nicht gut ab. Wir brauchen praxisorientierte Curricula, Mentorenprogramme und eine frühzeitige Einbindung in die Fachgesellschaften, um das zu ändern. Auch die Arbeitsbedingungen müssen familienfreundlicher und moderner werden, damit wir den Beruf wieder attraktiver machen und die Ausbildungsqualität sichern können.

Digitalisierung, TI, ePA, eAU – bringt die aktuelle Entwicklung in der Telematikinfrastruktur Ihrer Fachgruppe eher Entlastung oder zusätzliche Belastung?
Dr. Lembeck:
Wir sind bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens zwar einen Schritt weiter, aber so, wie es aktuell läuft, wird das in Deutschland nicht gelingen. Das liegt nicht an den Praxisärzten – wir haben in unseren Praxen viel digitalisiert und modernisiert. Aber während wir ständig unter dem Damoklesschwert von Strafzahlungen stehen, können Technikanbieter sanktionslos versagen oder nicht fristgerecht liefern. Außerdem ist der Krankenhausbereich noch gar nicht an die ePA angebunden, sodass der digitale Bruch zwischen den Sektoren bleibt. Die ePA selbst ist technisch noch weit von dem entfernt, was möglich wäre – wir brauchen strukturierte Daten, die dem Arzt die Patientengeschichte auf einen Blick zeigen.
Mit der geplanten Einführung eines Primärarztsystems hätten wir die Chance, wirklich sektorenübergreifend und digital zu arbeiten – mit digitalem Check-In, KI-basierter Ersteinschätzung und einer echten, strukturierten Patientenakte. Dafür sollten wir uns die nötige Zeit nehmen. Digitalisierung funktioniert nur, wenn sie den Anwendern echten Nutzen bringt – das ist bisher leider nicht der Fall.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten: Was würde sich 2026 ändern?
Dr. Lembeck: Demokratie, Wohlstand, Frieden – das haben wir in Deutschland im Jahr 2025 gehabt. Ich bin da zunächst mal dankbar.

Für 2026 würde ich mir wünschen, dass mehr Menschen in der Welt im Jahr 2026 dies haben.

Interview erschienen im änd

Praxiskultur und Mitarbeiterbindung: E-Learning-Kurs

Wieder mehr Teamgesichter auf den Praxisfluren – das geht!

Der akute Fachkräftemangel macht es für Arztpraxen immer schwieriger, gute Mitarbeitende zu gewinnen und dauerhaft zu halten. Der BVOU startete deshalb das Jahr 2026 mit einer Initiative zur Stärkung von Praxiskultur und Mitarbeiterbindung.

E-Learning-Kurs „Bindung und Motivation von Mitarbeitern“

Mitarbeiterbindung ist ein zentraler Erfolgsfaktor jeder Arztpraxis. Der neue E-Learning-Kurs „Bindung und Motivation von Mitarbeitern“ führt an praxisnahe Strategien zur Erhöhung des Teamgeistes heran. Kompakte,  Einheiten zeigen Führungskräften, wie sie Wertschätzung, Zugehörigkeit und Interesse entwickeln und dadurch die Zufriedenheit von Mitarbeitern fördern. Es geht darum, individuelle Stärken zu erkennen, gemeinsam Ziele zu benennen und eine inspirierende Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Das zehntägige Impulsprogramm vermittelt wöchentlich konkrete Anleitungen für mehr Motivation, Verbindlichkeit und Eigenverantwortung, jeweils in kurzen, sofort umsetzbaren Schritten.

Der Kurs richtet sich an Praxisinhaberinnen und -inhaber, Ärztinnen und Ärzte mit Leitungsverantwortung und das Praxismanagement, die ihre Praxis für neue Fachkräfte attraktiver machen oder bestehende Talente langfristig binden wollen. Alle Inhalte sind ohne Mehraufwand in den Praxisalltag inte­grierbar. Teilnehmende profitieren von praxiserprobten Methoden und erhalten Bonusmaterial wie ein Excel-Tool zur Personaleinsatzplanung und sofort einsetzbare Checklisten. Inhalte der zehntägigen Impulsreihe sind:

  • Was motiviert die Mitarbeitenden wirklich?
  • Wie Problemverhalten ansprechen, ohne zu demotivieren
  • Führen durch Coaching: in die Rolle der Trainerin, des Trainer schlüpfen
  • Wie Stolz als Antrieb im Team nutzen
  • Motivierende Rahmenbedingungen schaffen
  • Motivation durch kluge finanzielle Anreize
  • Selbst-Check: Teamgeist und Arbeitsmoral in der eigenen Praxis
  • Neue Mitarbeitende: So gelingt der Einstieg
  • Teambesprechungen als Führungsinstrument nutzen
  • Ziele, die wirklich motivieren – statt kontrollieren

Praxiskultur und Mitarbeiterbindung: Orthinform-Praxischeck

Wieder mehr Teamgesichter auf den Praxisfluren – das geht!

Der akute Fachkräftemangel macht es für Arztpraxen immer schwieriger, gute Mitarbeitende zu gewinnen und dauerhaft zu halten. Der BVOU startete deshalb das Jahr 2026 mit einer Initiative zur Stärkung von Praxiskultur und Mitarbeiterbindung.

Orthinform-Praxischeck

Kernstück der neuen Initiative des BVOU zur Stärkung der Praxiskultur und Mitarbeiterbindung ist der „Orthinform-Praxischeck“, ein digitales Befragungstool, womit das aktuelle Stimmungsbild einer Praxis abgefragt sowie eine Stärken-Schwächen-Analyse in mehreren Dimensionen erstellt werden kann. Ein KI-gestützter Algorithmus leitet daraus praxiserprobte Tipps und Tricks zur Verbesserung eventueller Problemstellungen für Praxisinhaberinnen und -inhaber ab. Erweitert wird das Angebot durch einen modularen E-Learning-Kurs aus zehn News­modulen. In kurzen Lerneinheiten wird die Entwicklung einzelner Aspekte der Mitarbeitermotivation im Team vermittelt. Ergänzend können interessierte Praxen vertiefende Beratungsangebote wahrnehmen, um ihre Führungskompetenzen auszubauen. Das Gesamt­programm der BVOU-Initiative wurde am 7. Januar 2026 in einem Webinar interessierten Kolleginnen und Kollegen vorgestellt. Es ist als Aufzeichnung auch weiterhin über den BVOU abrufbar und eröffnet den perfekten Einstieg in eine neue Dimension der Mitarbeiterführung.

Die Anforderungen an orthopädische Praxen steigen stetig: hoher Patientendurchlauf, komplexere Fälle, zunehmende Erwartungen an den Service und das Team sowie Digitalsierung. Das geht mit gesteigerten Erwartungen der Mitarbeitenden an eine gelingende Teamführung einher. Wird die Führungsrolle von Praxisinhaberinnen und -inhabern nicht ausgefüllt oder gar ignoriert, kommt es früher oder später zur Abwanderung des Personals. Der Orthinform-Praxischeck ist ein fünfteiliges, strukturiertes Instrument zur Standortbestimmung aus Sicht des gesamten Teams. Ziel ist es, Entscheidungen auf einer belastbaren Grundlage zu treffen, die sowohl die Patientenversorgung als auch die Zusammenarbeit und Organisation verbessert.

1. Praxiskultur: „Wie Sie arbeiten, bestimmt, wie gut Sie arbeiten“

Eine starke Praxiskultur ist weit mehr als ein angenehmes Arbeitsklima: Sie ist ein produktiver Faktor, beeinflusst Motivation, Stabilität im Team, Arbeitszufriedenheit und letztlich auch die Patien­tenerfahrung. Die Umfrage erfasst, wie ausgeprägt Vertrauen, Offenheit und Gemeinschaft im Praxisteam empfunden werden. Sie zeigt, ob Wertschätzung oder möglicherweise Spannungen oder verdeckte Störungen vorhanden sind.

Ergebnis: Es wird klarer, welche Werte tatsächlich gelebt und an welchen Stellen nachjustiert werden sollte, um ein belastbares Wir-Gefühl zu begünstigen.

2. Strategie und Systeme: „Wie zukunftsfähig Ihre Praxis aufgestellt ist“

Eine moderne orthopädische Praxis braucht eine klare strategische Ausrichtung und Systeme, die effizient unterstützen. Dieser Abschnitt der Umfrage analysiert, wie verständlich Praxisziele formuliert sind, wie tragfähig Behandlungskonzepte wahrgenommen werden und inwiefern vorhandene Systeme den Alltag erleichtern oder erschweren. Auch Personalentwicklung, Entlohnung und Anreize werden beleuchtet. Ziel ist es, zu verstehen, ob die eigene Praxis Menschen befähigt, wachsen lässt und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvoll steuert.

Ergebnis: Hinweise darauf, wie gut die Praxis für kommende Herausforderungen gerüstet ist und welche Stellschrauben noch zu drehen sind.

3. Praxisorganisation: „Was Prozesse über den Zustand Ihrer Praxis verraten“

Auch eine funktionierende Organisation ist das Rückgrat einer erfolgreichen Praxis. Die Umfrage untersucht, wie klar Verantwortlichkeiten geregelt sind, wie gut Schnittstellen und wie effektiv Strukturen sowie Abläufe gestaltet sind. Themen wie Entscheidungsbefugnisse, Dokumentation, Abrechnung und interdisziplinäre Zusammenarbeit geben ein detailliertes Bild darüber, ob die Praxis effizient arbeitet oder ob Prozesse im Alltag eher belasten.

Ergebnis: Es wird ersichtlich, wo organisatorische Friktion entsteht und wie Abläufe entschlackt werden können, um das Praxisteam zu entlasten.

4. Praxisführung: „Wie Führung das Arbeitsumfeld beeinflusst“

Die Umfrage spiegelt, wie Mitarbeitende Feedback, Kommunikation, Entscheidungswege und Talentförderung erleben. Sie macht sichtbar, ob Führung in der Praxis für Stabilität sorgt oder Unsicherheiten, fehlende Rückkopplung und unklare Erwartungen den Alltag erschweren.

Ergebnis: Eine neutrale Einschätzung, wie gut die Praxisführung wirkt und wo Veränderungen direkt spürbare Verbesserungen ermöglichen.

5. Mitarbeitende: „Was Ihr Team stark macht – und was es braucht“

Mitarbeitende prägen maßgeblich den Aufritt und die Leistungsfähigkeit der Praxis. Die Umfrage beleuchtet Engagement, Motivation, Kompetenz und Belastungssituationen. Dabei geht es nicht nur um Zufriedenheit, es geht um konkreten Entwicklungsbedarf, Weiterbildung und die Frage, wie das Praxisteam mit steigender Arbeitsdichte umgeht.

Ergebnis: Ein realistisches Bild dessen, welches Potenzial im Praxisteam liegt und welche Maßnahmen die Praxis als attraktiven Arbeitsplatz positionieren.

Der Praxischeck schafft Transparenz. Die Auswertung liefert Prioritäten und Handlungsfelder, damit gezielt Veränderungen möglich werden. Praxisinhaberinnen und -inhaber bekommen eine teamorientierte Analyse, anstelle theo­retischer Modelle. Ermittelt wird eine ehrliche, professionelle Standortbestimmung, die Zusammenhänge sichtbar macht und Ansatzpunkte für Verbesserungen generiert. Die Umfrage ist ein wirkungsvolles Werkzeug, um Praxisentwicklung aktiv zu steuern, statt nur zu reagieren.

Praxiskultur und Mitarbeiterbindung: Webinar

Wieder mehr Teamgesichter auf den Praxisfluren – das geht!

Der akute Fachkräftemangel macht es für Arztpraxen immer schwieriger, gute Mitarbeitende zu gewinnen und dauerhaft zu halten. Der BVOU startete deshalb das Jahr 2026 mit einer Initiative zur Stärkung von Praxiskultur und Mitarbeiterbindung.

Webinar

Das Webinar bietet praxisnahe Einblicke und informiert über moderne Methoden der Personalbindung, inklusive konkreter Beispiele, digitaler Tools und Best Practices. Teilnehmende lernen, wie sie mit gezieltem Employer Branding ihre Arbeitgeberattraktivität steigern und emotionale Bindung im Team fördern.

  • Erhebungstool Orthinform-Praxis­check: Wie lassen sich Stimmung und Zufriedenheit im Team systematisch erfassen und wie kann eine KI-gestützte Analyse helfen, frühzeitig Risiken und Chancen zu erkennen.
  • Welche Führungsansätze fördern Vertrauen, Motivation und Stabilität im Team? Gezeigt wird, wie moderne Führung in kleinen Organisationen wirkt und wo klassische Hierarchien an ihre Grenzen stoßen.
  • Ein Blick in erfolgreiche Praxen soll verdeutlichen, welche Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung tatsächlich funktionieren und welche unter Umständen reine Theorie bleiben.
  • Praxen können gezielt an ihrer Arbeitgebermarke arbeiten, von der Positionierung über die Kommunikation bis hin zur digitalen Sichtbarkeit. Professionelles Employer Branding hilft dabei, qualifizierte Fachkräfte nicht nur zu gewinnen, sondern auch emotional zu binden.
  • Nicht jede Strategie passt in jede Praxis. Es wird dargelegt, was sich auf O & U übertragen lässt und wo individuelle Lösungen gefragt sind.

Das Webinar richtet sich an Praxisinhaberinnen und -inhaber, leitende medizinische Fachangestellte und das Praxismanagement, die Personalführung strategisch fortführen und Mitarbeitende langfristig binden wollen. Es soll einen Überblick über erprobte Instrumente, neue Impulse aus der KI-gestützten Analyse und konkrete Handlungsempfehlungen für den Praxisalltag geben. Die Ansicht des Webinars ist kostenfrei.

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Weitere Informationen

Unsere erfahrenen Berater stehen Ihnen als kompetente Partner für die externe Beratung und Begleitung Ihrer Praxisprozesse sowie zur Entwicklung einer starken Praxiskultur zur Seite. Von Kommunikationsberatung über Prozessoptimierung bis hin zu Employer Branding – profitieren Sie von maßgeschneiderten Lösungen, um Ihre Praxis erfolgreich weiterzuentwickeln. Unsere Experten unterstützen Sie mit fundiertem Know-how, kreativen Ideen und individueller Betreuung, damit Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können: Ihre Patienten. Bei Fragen oder Beratungsbedarf können Sie sich jederzeit gerne an unsere Expertinnen und Experten wenden – gemeinsam gestalten wir die Zukunft Ihrer Praxis!

Hier stellen wir Ihnen unsere Partner vor:

Jan Slanina, André Melzer
COMES MEDICORUM
Ludwigstraße 20, 09113 Chemnitz
Telefon: +49 173 988 27 93
E-Mail: jan.slanina@comes-medicorum.de

Rudolf Loibl
Unternehmensberatung für Ärzte
Rudolf Loibl – Betriebswirt (VWA)
Gabelsbergerstr. 53g
94315 Straubing
Telefon: 09421-10113
Telefax: 09421-88501
E-Mail: loibl@loibl-online.de

Britta Korpas, Markus Kocherscheidt
SHORT CUTS GmbH design + kommunikation
Kreuzbergstr. 30
10965 Berlin
kocherscheidt@short-cuts.de  korpas@short-cuts.de

Stipendium FORTE Summer School 2026: Jetzt bewerben!

Die europäische Vereinigung der Assistenzärzte in O und U (FORTE) veranstaltet in diesem Jahr wieder die European Orthopaedic Summer School. Die Veranstaltung findet vom 08. bis 12. Juni 2026 in Cantanzaro mit einem spannenden Programm statt. Sie dient der Vorbereitung auf das europäische Facharztexamen EBOT und ist für international orientierte Assistenzärzte in O und U eine ebenso interessante Vorbereitung auf die nationale Facharztprüfung. Neu in diesem Jahr: Teilnehmer können je nach Kenntnisstand zwischen allgemeinen Kurskomponenten und der gezielten EBOT-Vorbereitung wählen.  Darüber hinaus stellt die FORTE Summer School auch in diesem Jahr eine hochkarätige Fortbildung mit international anerkannten Referenten und Tutoren dar.  Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) fördert den Austausch der jungen Kolleginnen und Kollegen auf europäischer Ebene und in diesem Rahmen auch das Projekt. Junge Assistenz- und Fachärzte aus O und U können sich um vier Reisestipendien bewerben. Der BVOU übernimmt die Teilnahmegebühren und die Kosten für die Unterkunft. Bewerbungsfrist: 28. Februar 2026.

Jetzt bewerben und nach Italien fliegen! Interessierte Kolleginnen und Kollegen können sich auch unabhängig vom Stipendium des BVOU direkt beim Veranstalter für die Teilnahme anmelden.

Voraussetzungen für eine Bewerbung sind neben der BVOU-/und DGOU-Mitgliedschaft gute Englischkenntnisse sowie ein Alter von unter 40 Jahren. Die Bewerbung ist an die Akademie Deutscher Orthopäden (ADO) zu richten. Nach Abschluss der FORTE Summer School ist ein kurzer Nachbericht wünschenswert. Die Forte Summer School ist für Teilnehmer mit unterschiedlichem Vorwissen geeignet. Die Summer School bietet verschiedene Lernformate, von Vorlesungen über Roundtable-Sessions bis zu Fallbesprechungen. Neben den täglichen Kurseinheiten bietet die FORTE Summer School ein vielfältiges Rahmenprogramm und lädt zum internationalen Austausch ein.

Termin:
08.-12. Juni 2026

Stipendium:
Der BVOU übernimmt die Teilnahmegebühr und die Kosten für die Unterkunft

Ihr Beitrag:
Übernahme der Reisekosten, Einsatz einer Woche Urlaub bzw. Freizeit sowie kurzer Nachbericht an den BVOU

Bewerbung:
Motivationsschreiben und akademischen Lebenslauf in der Anmeldung hochladen
Bewerbungsfrist: 28. Februar 2026

Voraussetzung:
BVOU und DGOU-Mitgliedschaft
Alter unter 40 Jahre

Feuerwerksverletzungen an Silvester: BVOU warnt vor schweren Folgen

Berlin, 29. Dezember 2025 – Die Silvesternacht ist für viele ein Anlass zum Feiern, birgt jedoch auch erhebliche Risiken: Jedes Jahr werden zahlreiche Menschen durch unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerkskörpern schwer verletzt. Besonders häufig betroffen sind Hände, Augen und Ohren – mit teils gravierenden Folgen wie Verbrennungen, Amputationen, Sehverlust oder bleibenden Hörschäden. Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) warnt gemeinsam mit weiteren medizinischen Fachverbänden vor den Gefahren des unachtsamen Umgangs mit privatem Feuerwerk und ruft zu einem bewussten, verantwortungsvollen Einsatz auf. Damit das neue Jahr gesund wird.

„Jedes Jahr zu Silvester erleben wir zahlreiche schwere Handverletzungen, die oft gravierende und dauerhafte Einschränkungen nach sich ziehen. Explodierende Feuerwerkskörper können Knochen, Sehnen und Weichteile massiv schädigen – selbst mit modernsten Operationsverfahren lassen sich die Folgen nicht immer vollständig beheben“, betont Dr. Adrian Scale, Leiter des Referats Handchirurgie im BVOU. Besonders tragisch: Viele dieser Verletzungen sind durch umsichtiges Verhalten vermeidbar. Neben jungen Erwachsenen, die sich selbst durch unvorsichtiges Verhalten verletzen, sind auch unbeteiligte Kinder und Zuschauer von solchen Verletzungen und teils bleibenden Schäden betroffen.

Gemeinsame Präventionskampagne „Du entscheidest“

Um insbesondere junge Menschen für die Risiken zu sensibilisieren, hat der BVOU die bundesweite Präventionskampagne „Du entscheidest“ mit ins Leben gerufen. Die Initiative, getragen von sieben medizinischen Berufs- und Fachverbänden, setzt auf eine moderne, mobile-first-Ansprache über Social-Media-Plattformen wie Instagram und TikTok. Mit eindrücklichen Kurzclips wird gezeigt, wie ein unachtsamer Moment das Leben dauerhaft verändern kann. Die zentrale Botschaft: „Du entscheidest, wie dein Jahr anfängt.“ Ziel ist es, Eigenverantwortung zu stärken und zu einem bewussten, rücksichtsvollen Umgang mit Feuerwerk zu motivieren.

Tipps für ein sicheres Silvester

  • Feuerwerkskörper nie in der Hand zünden oder auf andere Personen richten
  • Keine selbstgebastelten oder manipulierten Feuerwerkskörper verwenden
  • Kinder und Jugendliche besonders schützen und beaufsichtigen
  • Abstand halten und Anweisungen auf den Verpackungen beachten

„Mit dieser Kampagne wollen die beteiligten Verbände erstmals direkt die Verursachergruppe sensibilisieren und in ihren eigenen Kommunikationskanälen ansprechen“, betont Dr. Jörg Ansorg, Geschäftsführer des BVOU. „Damit verfolgen wir das Ziel einer direkten Konfrontation mit den Folgen unverantwortlichen Handelns, sowohl für die eigene Gesundheit als auch für die von Menschen in der unmittelbaren Umgebung.“

Neben der Videokampagne auf verschiedenen Social-Media-Kanälen wurden deutschlandweit Postkarten an über 1.600 Schulen verteilt. Ergänzend wurde ein spezieller Podcast zum Thema auf OrthoCast, dem BVOU-eigenen Podcastkanal für orthopädisch-unfallchirurgische Publikumsthemen mit Dr. Scale veröffentlicht.

Die Kampagne möchte Verantwortungsbewusstsein stärken, statt auf Verbote zu setzenoder auf deren Umsetzung zu warten. Weitere Informationen zur Kampagne und zu sicheren Verhaltensregeln finden Sie unter:

Reel:                  https://youtube.com/shorts/x_FKd6uNH-8?feature=share
Webseite:        www.duentscheidest.info
Instagram:      @duentscheidest2026
TikTok:             @duentscheidest2026
OrthoCast:      https://orthinform.de/orthocast
Orthinform:    https://orthinform.de/patienteninformationen/sicherheit-an-silvester-tipps-fuer-eltern-und-kinder

Über den BVOU:

Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) ist die berufspolitische Vertretung für mehr als 7.500 in Praxis und Klinik tätige Kolleginnen und Kollegen. Der BVOU setzt die beruflichen Interessen seiner Mitglieder durch, indem er zum Vorteil der Patienten und des Gemeinwohls gemeinsam mit den wissenschaftlichen Gesellschaften den Standard orthopädisch-unfallchirurgischer Versorgung entwickelt, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prägt und dadurch die öffentliche Wahrnehmung seiner Mitglieder als Experten für orthopädisch-unfallchirurgische Versorgung gestaltet.

Pressekontakt BVOU:
Janosch Kuno
Straße des 17. Juni 106-108
10623 Berlin
presse@bvou.net

 

duentscheidest.info: Kampagnenstart zur Aufklärung über Silvesterfeuerwerk-Risiken

Mehrere medizinische Berufsverbände, darunter der BVOU, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie Fachverbände der Handchirurgie, Augenheilkunde und HNO-Heilkunde, haben eine neue Präventionskampagne zur Aufklärung über die Verletzungsrisiken durch Silvesterfeuerwerk angekündigt.

Ziel der Kampagne ist es, mit einer emotional ansprechenden und Social-Media-gestützten Ansprache insbesondere Jugendliche und junge Männer für die Gefahren von Feuerwerkskörpern zu sensibilisieren.

Die Initiatoren reagieren damit auf die jährlich steigende Zahl schwerer Verletzungen rund um den Jahreswechsel.

Weitere Informationen, Hintergründe und Hilfestellungen zur sicheren Silvesterfeier finden Interessierte ab sofort auf der offiziellen Kampagnen-Website unter duentscheidest.info:

Die Verbände appellieren an alle Feiernden, verantwortungsvoll mit Feuerwerkskörpern umzugehen und insbesondere gefährdete Altersgruppen aktiv zu schützen.

Weitere Informationen

Webseite:        www.duentscheidest.info
Instagram:      @duentscheidest2026
TikTok:            @duentscheidest2026
OrthoCast:      https://orthinform.de/orthocast
Orthinform:    https://orthinform.de/patienteninformationen/sicherheit-an-silvester-tipps-fuer-eltern-und-kinder

Infobrief 4 25: O&U meets Neurologie

Der medizinische Fokus unseres letzten Infobriefs in diesem Jahr liegt auf dem spannenden Thema „O&U meets Neurologie“. In dieser Ausgabe frischen wir unser Wissen unter anderem zur Elektrophysiologie sowie zur Behandlung von Spastiken mit Botulinumtoxin und unterstützenden Hilfsmitteln auf. Ergänzt wird das Heft durch Beiträge aus der Sportmedizin – beispielsweise zu Podagra und zur Bedeutung der Aufklärung von Sportlerinnen und Sportlern. Besonders hervorzuheben ist der abschließende Beitrag, der von unserem BVOU-Mitglied Dr. Steffen Brand stammt, den viele noch als Olympiateilnehmer im 3000-Meter-Hindernislauf kennen dürften.

Darüber hinaus war es dem Presserat ein großes Anliegen, die vielfältigen Aktivitäten im gesamten Bundesgebiet sichtbar zu machen: Von Landeskongressen bis zu Qualitätszirkeln – all diese Veranstaltungen finden von Flensburg bis Garmisch im Namen und mit Unterstützung des BVOU statt und verdienen Aufmerksamkeit, Sichtbarkeit und unseren Dank.

Weihnachtsgrüße des BVOU-Präsidenten

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

an dieser Stelle gilt mein besonderer Dank Euch allen – für das große Vertrauen in mich und das gesamte Team des geschäftsführenden Vorstands anlässlich unserer Wahl während der Mitgliederversammlung beim DKOU im Oktober in Berlin.

Eure Rückmeldungen und die hervorragenden Wahlergebnisse sind für uns Ansporn und Verpflichtung zugleich.

Personell wird der Vorstand künftig durch Matthias Träger, Landesvorsitzender aus Mecklenburg-Vorpommern, verstärkt. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte wird die Notfallversorgung sein. Der Referentenentwurf zum neuen Gesetz liegt inzwischen vor, und unser Team prüft ihn kritisch: Trotz vieler positiver Ansätze wird aus unserer Sicht die Patientensteuerung nicht konsequent genug umgesetzt. Eine nahtlose Datenübergabe sowie ein Patiententicket sind unserer Ansicht nach unverzichtbar, wenn die Notaufnahmen wirklich entlastet werden sollen.

Um die vielfältigen Themenfelder bestmöglich abzudecken, erweitern wir das Vorstandsteam durch kooptierte Mitglieder: Dazu gehören unsere DKOU-Kongresspräsidenten Dr. Stefan Middeldorf und Dr. Wolfgang Böker sowie Dr. Gerd Rauch, Prof. Andreas Seekamp und Dr. Alexander Rucker.

Dr. Rucker wird bereits im Januar ein Webinar zu den Hybrid-DRGs anbieten, damit Ihr topaktuell über Änderungen und Ergänzungen informiert seid.

Der medizinische Schwerpunkt dieses letzten Infobriefs des Jahres liegt auf „O&U meets Neurologie“. Das Heft frischt unser Wissen u. a. zur Elektrophysiologie, zur Behandlung von Spastiken mit Botulinumtoxin und mithilfe von Hilfsmitteln auf. Ergänzend finden sich Beiträge aus der Sportmedizin – etwa zu Podagra und zur Bedeutung der Edukation von Sportlerinnen und Sportlern. Der letzte dieser Beiträge stammt aus besonders berufenem Munde: Unser BVOU-Mitglied Dr. Steffen Brand, einigen sicher noch als 3000-Meter-Hindernisläufer bei Olympia bekannt.

Dem Presserat war es darüber hinaus ein wichtiges Anliegen, die vielfältigen Aktivitäten im gesamten Bundesgebiet abzubilden: Landeskongresse, Qualitätszirkel – all dies findet von Flensburg bis Garmisch im Namen und mit Unterstützung des BVOU statt und verdient Beachtung, Sichtbarkeit und Dank.

Diesen Dank verleihen wir auch in Form von Ehrungen und Preisen: Mit neuen BVOU-Preisen für humanitäres Engagement sowie für digitale Innovationen würdigen wir herausragende Projekte – die ausgezeichneten Initiativen werden in diesem Heft vorgestellt.

Allen Autorinnen und Autoren, dem Presserat des BVOU sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle – insbesondere Janosch Kuno und Jörg Ansorg – gilt mein herzlicher Dank für ihre Beiträge und ihr engagiertes Mitwirken über das gesamte Jahr hinweg.

In diesem Infobrief gibt es viel zu entdecken. Die bevorstehenden Feiertage schenken uns Muße und Gelegenheit dazu. Ich wünsche Euch eine wunderbare Zeit im Kreis der Familie und der Menschen, die Euch am Herzen liegen.

Für das kommende Jahr 2026 blicke ich mit großer Zuversicht auf unseren Verband:
Der BVOU wächst, die wirtschaftliche Basis ist sehr solide, und immer wieder stoßen neue Mitglieder hinzu, die sich in Projekten, Referaten und Sachthemen engagiert einbringen wollen.

So können wir das Jahr 2026 mit Optimismus beginnen: Gemeinsam. Engagiert. – das wird auch im kommenden Jahr unser Leitmotiv im BVOU bleiben.

Herzlichst

Euer / Ihr
Burkhard Lembeck
Präsident BVOU

 

 

Hyaluronsäure-Injektionen bei Gonarthrose: Empfehlenswert oder nicht?

Unter den orthopädischen Fach-Kollegen und -Kolleginnen hat die Veröffentlichung des IGeL-Monitors vom 01.10.2025 zu Hyaluronsäure-Injektionen bei Kniegelenkarthrose hohe Wellen geschlagen (https://www.igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/hyaluronsaeure-injektionen-bei-kniegelenksarthrose.html). Der Medizinische Dienst Bund als Herausgeber hat auf 59 Seiten seiner ausführlichen Veröffentlichung eine Bewertung zum Nutzen dieser invasiven Therapiemaßnahme abgegeben (Link „Evidenz ausführlich“ auf der igel-monitor Homepage). Dazu wurden insgesamt 228 Publikationen bzw. Studienergebnisse der letzten Jahre ausgewertet, die üblicherweise Hyaluronsäure-Injektionen mit Placebo- bzw. Kochsalzlösung-Injektionen verglichen haben. Für die aktuelle Monitor-Bewertung relevant verblieben nach einem Selektionsprozess nur zwei systematische Übersichtsarbeiten:

Miller LE, Bhattacharyya S, Parrish WR et al. Safety of Intra-Articular Hyaluronic Acid for Knee Osteoarthritis: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Trials Involving More than 8,000 Patients. Cartilage 2021; 13(1_suppl): 351s-363s. https://dx.doi.org/10.1177/1947603519888783 und

Pereira TV, Jüni P, Saadat P et al. Viscosupplementation for knee osteoarthritis: systematic review and meta-analysis. Bmj 2022; 378: e069722. https://dx.doi.org/10.1136/bmj-2022-069722.

Die Auswertung basiert auf 35 Studien von Miller und 169 Studien von Pereira, allerdings mit unterschiedlichen Endpunkten. Nur Pereira et al. untersuchten drei Monate nach der letzten Injektion „Schmerz“ als primären und „Funktion des Knies“ sowie „schwerwiegende unerwünschte Ereignisse“ als sekundäre Endpunkte, während Miller et al. ausschließlich „unerwünschte Ereignisse“ zugrunde legte. Obwohl die Ergebnisse bezüglich Schmerz und Funktion einen positiven Effekt und statistisch signifikanten Vorteil belegten, ergaben sich keine klinisch relevanten Gruppenunterschiede. Der IGeL-Monitor sieht darin weder einen Vorteil noch einen Nachteil der Intervention im Vergleich zur Kontrollgruppe. Aufgrund des Auftretens unerwünschter Ereignisse in statistisch signifikanter Anzahl werden Hyaluronsäure-Injektionen als Nachteil bewertet. Im Ergebnis gibt der IGeL-Monitor eine negative Empfehlung ab und schreibt: „Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektionen bei Kniegelenksarthrose bei erhöhtem Schadensrisiko keinen Nutzen zeigen.“

Diese Aussage basiert auf einer stark verzerrten Datenlage, wurden doch von Pereira et al. eine Vielzahl kleinerer Studien ausgeschlossen, die weniger als 100 Studienteilnehmer aufwiesen. Damit sind die Endpunkte Schmerz und Funktion mit signifikant positiven Ergebnissen gegenüber unerwünschten Ereignissen deutlich unterrepräsentiert. Außerdem wurde ein wesentlicher Aspekt in den Studien vernachlässigt:

Der Begriff „Hyaluronsäure“ ist lediglich als Oberbegriff anzusehen. Tatsächlich fällt darunter eine Vielzahl von Produkten unterschiedlicher Hersteller, die in Herstellungsverfahren, Vernetzung und Molekulargewicht so verschieden sind, dass ihre strukturellen, physikalischen, physikalisch-chemischen und biologisch abbaubaren Eigenschaften differenziert betrachtet werden müssen. Ihre therapeutischen Wirkungen im menschlichen Kniegelenk sind deshalb nicht gleich. Weder die Autoren des IGeL-Monitors noch die ihrer Bewertung zugrunde liegenden Studien berücksichtigen die Art der Hyaluronsäure.

Differenzierung von Hyaluronsäure-Produkten

Unterschieden werden müssen niedrig-molekulare Präparate unter 1.500 kDa (Kilo-Dalton) Molekulargewicht, mittelhoch-molekulare mit 1.500 bis 3.000 kDa und hoch-molekulare mit einem Molekulargewicht über 3.000 kDa. Nach einer Injektion ins Kniegelenk unterliegen sie biologischen Abbauprozessen. Diese verlaufen umso langsamer, je höher das Molekulargewicht ist und bei Quervernetzung. Jevsevar et al. stellten fest, dass quervernetzte Produkte in Bezug auf Schmerz und Funktion zu einem höheren Behandlungsergebnis führen (David Jevsevar, Patrick Donnelly, Gregory A Brown, and Deborah S Cummins. Viscosupplementation for osteoarthritis of the knee: a systematic review of the evidence. JBJS, 97(24):2047-2060, 2015). Allerdings treten Nebenwirkungen wie Schwellung und Rötung als Lokalreaktionen mit zunehmendem Molekulargewicht häufiger auf und sind bei fermentativer (mikrobiell oder enzymatisch) Herstellung signifikant geringer als bei avianischer (Herstellung mit Vogeleiern). Insgesamt ist die Inzidenz unerwünschter Wirkungen aber als gering anzusehen, vorausgesetzt, die Gelenkinjektionen werden unter strikten aseptischen Bedingungen durchgeführt. Lokalreaktionen werden von Patienten im Allgemeinen gut toleriert.

Wieber und Catalá-Lehnen haben im Januar 2021 einen Beitrag zu Hyaluronsäure-Injektionen bei Gonarthrose in der Sportärztezeitung veröffentlicht (https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/5851/hyaluronsaeureinjektion-bei-gonarthrose/). Darin findet sich die Übersichtstabelle „Hyaluronsäure-Produkte und deren Eigenschaften“

In den letzten vier Jahren sind in Deutschland weitere Produkte hinzugekommen, deren Molekulargewicht meist unter 3.000 kDa liegt. Laut einer Veröffentlichung von Snetkov et al. (Polymers Basel, 2020 Aug 11;12(8):1800. doi: 10.3390/polym12081800) beträgt das Molekulargewicht der Hyaluronsäure in der Synovia nicht vorgeschädigter Gelenke 6.000 – 7.000 kDa, in rheumatisch veränderten Gelenken lediglich 3.000 – 5.000 kDa. Mit fortschreitender Arthrose sinken sowohl Konzentration als auch Molekulargewicht der Hyaluronsäure. Es liegt auf der Hand, dass ein visköseres Präparat, das eher der natürlichen Synovia-Zusammensetzung entspricht, einen besseren Effekt auf die nutritive Versorgung des Gelenkknorpels und auf die Stoßdämpfereigenschaften hat als ein niedrig-molekulares.

Bedeutung für die orthopädische Praxis

Orthopäden als Anwender sollten die Eigenschaften der Hyaluronsäure kennen, die sie ihren Patienten anbieten. Ein Vergleich mit Produkten anderer Hersteller hilft bei der Einordnung und bei der Aufklärung der Patienten. Allerdings konnte mir auf Nachfrage bisher kein Patient bestätigen, dass er über Vor- und Nachteile des erhaltenen Präparates von seinem Orthopäden informiert wurde. Es wurde nur von Hyaluronsäure gesprochen, so dass bei Patienten der Eindruck entstehen muss, es gäbe nur ein Produkt. Fehlende Transparenz und unzureichende Differenzierung decken sich mit den Studien, auf deren Basis die Bewertung des IGeL-Monitors erfolgte. Es werden dringend mehr Studien benötigt, die die Wirksamkeit der Präparate unterschiedlicher Molekulardichte, Vernetzung und Herstellungsverfahren bezüglich Schmerz und Funktion herausarbeiten. Eine Pauschalaussage über alle Hyaluronsäure-Produkte ist nicht zielführend und verunsichert unnötig Ärzte und Patienten.

Vorschlag einer Sterne-Klassifizierung

Denkbar wäre eine Differenzierung ähnlich den Sternen beim Crashtest von Autos. Die Richtlinien sind einheitlich und gelten europaweit. Fahrzeuge mit nur einem Stern haben eine sehr niedrige Sicherheit und bieten nur sehr begrenzten Schutz beim Aufprall. Auch Fahrzeuge mit zwei Sternen weisen eine unterdurchschnittliche Sicherheitsleistung auf. Erst Autos mit drei Sternen erreichen einen durchschnittlichen Sicherheitsstandard. Fahrzeuge mit vier und fünf Sternen gelten als sehr sicher und unterscheiden sich oft nur durch zusätzliche Sicherheitsassistenzen. Es leuchtet jedem sofort ein, dass die Aufprallsicherheit in einem leichten Kleinwagen geringer ist als in einem tonnenschweren SUV. Legt man die Vorgehensweise des IGeL-Monitors zugrunde, würde die Insassensicherheit von Daten aller Autos bewertet, und die Autoren würden zum Ergebnis kommen, dass der durchschnittliche Schutz im Fahrzeug unzureichend ist und deshalb vom Autofahren abgeraten werden muss. Das aber ist realitätsfremd. Jeder Käufer eines Autos kann sich über die Fahrzeugeigenschaften und Kosten informieren, bevor er einen Kauf abschließt.

Übertragen auf Hyaluronsäure-Produkte würde es bedeuten, dass Ärzte sich und ihre Patienten über unterschiedliche Präparate informieren. Erst damit geben sie den Patienten die Möglichkeit, differenziert zu entscheiden. Orientierungshilfe könnte eine Einteilung mit einem bis drei Sterne sein. Nach aktueller Studienlage würden die Kriterien Molekulargewicht, Vernetzung und Herstellungsverfahren in abnehmender Gewichtung angewendet werden müssen. Bei gesicherter Indikation zur Hyaluronsäure-Injektion würden Produkte mit hohem Molekulargewicht über 3.000 kDa, quervernetzt und fermentativ oder avianisch hergestellt in die Drei-Sterne-Kategorie fallen. Nach heutigem Kenntnisstand kann für diese Produkte eine positive Empfehlung bei Vorliegen einer Gonarthrose ausgesprochen werden. Es sollten weitere Studien mit entsprechender Differenzierung durchgeführt werden, um pauschale Aussagen zu vermeiden und die inhaltliche Diskussion auf eine gesicherte wissenschaftliche Basis zurückzuführen.

Dr. med. Jürgen Kosel