Archiv für den Monat: August 2016

Rheumatologen tagen in Frankfurt

Frankfurt am Main – Heute beginnt der 44. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Frankfurt am Main. Bis zum 3. September diskutieren Experten dort über aktuelle Erkenntnisse in der Behandlung rheumatischer Erkrankungen. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie bietet die DGRh Tagungsbesuchern unter dem Motto „Kurze Wege – mehr Zeit für Information und Kommunikation“ ein umfangreiches Programm und die Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch.

Seltene rheumatische Erkrankungen im Fokus

Einen besonderen Fokus legt der diesjährige DGRh-Kongress auf seltene und wenig beforschte Rheumaleiden. Die Erforschung dieser Erkrankungen gelte es nachhaltig zu intensivieren, so die DGRh. „Trotz großer Erfolge in der Medikation ist bei seltenen rheumatischen Krankheiten das Therapiespektrum immer noch eingeschränkt. Und  vorhandene Medikamente lindern das Leiden der Patienten langfristig nicht immer so, wie wir uns das wünschen“, erläutert Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner, DGRh-Tagungspräsident. „Wir sind daher auf neue Forschungsergebnisse angewiesen, die weitere Erkenntnisse über Erkrankungen und idealerweise neue Medikamente auf den Markt bringen“, so der Direktor der Abteilung Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Kerckhoff-Klinik, Bad Nauheim.

Biologika und Biosimilars: Vor- und Nachteile

Einen weiteren Schwerpunkt des Kongresses bilden moderne Rheumamedikamente und deren personalisierter und ökonomischer Einsatz. In diesem Zusammenhang werden unter anderem aktuelle Erkenntnisse zur Biologika-Therapie sowie die Vor- und Nachteile der zunehmend auf den Markt kommenden Biosimilars diskutiert. Gerade bei diesen fehle es noch an aussagekräftigen Langzeitdaten, insbesondere zu den eventuellen Nebenwirkungen der Nachahmerprodukte. Deshalb fordert die DGRh die Erfassung aller Biopharmazeutika in zentralen Registern sowie einen eindeutigen, herstellerunabhängigen, internationalen Freinamen und eine rückverfolgbare Chargennummer für jedes Biologikum.

Behandlung von schwer zerstörten Gelenken

Trotz immer besserer medikamentöser Therapien kann eine späte Diagnose der Rheumaerkrankung die Behandlung erschweren. Ist die Krankheit bereits weit fortgeschritten, können stark zerstörte und deformierte Gelenke die Lebensqualität von Rheumapatienten erheblich einschränken. „Einen weiteren Fokus des Kongresses haben wir daher auf die Behandlung von schwer zerstörten Gelenken gelegt“, so Prof. Dr. Stefan Rehart, Kongresspräsident der DGORh. „Es gilt, für jeden Patienten die für ihn angepasste individuelle Kombination aus medikamentöser und operativer Therapie zu finden“, sagt der Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des AGAPLESION Markus Krankenhauses in Frankfurt.

Weitere Schwerpunkte in der orthopädischen Rheumatologie

Neben der konservativen und operativen Therapie schwer zerstörter Gelenke werden sich die orthopädischen Rheumatologen in weiteren Schwerpunktthemen unter anderem mit neuen Erkenntnissen in den Bereichen der Osteologie, der konservativen orthopädischen Rheumatologie und mit den Spondyloarthritiden befassen. Alle wichtigen Sitzungen für orthopädische Rheumatologen hat die DGORh hier zusammengefasst.

Anne Faulmann/DGRh-Kongress

Weitere Informationen zum Kongress

44. DGRh-Kongress

1+
Arzt und Patientin im Gespräch, BVOU

KBV-Versichertenbefragung: Viel Lob für die Ärzte

Berlin – Auf einen Termin in einer orthopädischen Praxis haben im vergangenen Jahr 24 Prozent der Patienten überhaupt nicht warten müssen. 13 Prozent geduldeten sich nur drei Tage. Bei 62 Prozent waren es mehr als drei Tage. Dies geht aus der jüngsten Versichertenbefragung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hervor. Dafür wurden im Frühjahr rund 6.000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger telefonisch befragt.

Wartezeiten aus KBV Versichertenbefragung 2016
Wartezeiten aus KBV-Versichertenbefragung 2016

Auf den Wunscharzt muss man warten

Der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen sagte: „Die Wartezeiten auf so manche Facharzttermine sind möglicherweise zu kritisieren. Wir sollten aber bei diesem Phänomen nicht übersehen, dass solche Wartezeiten auch daher rühren, dass Patienten häufig zu einem ganz bestimmten Facharzt möchten. Dass dieser nicht immer alle sofort behandeln kann, liegt in der Natur der Sache.“

Der Versichertenbefragung zufolge waren im vergangenen Jahr 85 Prozent der Bürger mindestens einmal beim Arzt. Wartezeiten sehen sie grundsätzlich eher entspannt, so das Urteil der Forschungsgruppe Wahlen: „Wirklich als störend empfinden die Bürgerinnen und Bürger Wartezeiten erst dann, wenn Arzttermine erst nach mehreren Wochen zu bekommen sind.“ In einer separaten qualitativen, nicht-repräsentativen Analyse diskutierte eine Fokusgruppe von 25 Teilnehmern das Thema kontrovers. Dort hieß es: Besonders unangenehm sei es zu warten, wenn man Schmerzen habe, komplexere Diagnostik benötige oder die Diagnose noch nicht feststehe.

Schlechte Noten für die Situation am Empfang

Insgesamt zeigt die KBV-Versichertenbefragung ein sehr freundliches Bild in Bezug auf den letzten Arztbesuch, an den sich die Bürger erinnern. Ob Freundlichkeit des Arztes, Fachkompetenz, Verständlichkeit seiner Erläuterungen oder Vertrauensverhältnis – mehr als 90 Prozent der Befragten gaben hierfür durchweg die Noten „gut“ oder „sehr gut“. Lediglich die Vertraulichkeit am Empfang in der Praxis wurde mit 48 Prozent relativ schlecht beurteilt.

Bei der möglichen Mitentscheidung urteilten durchschnittlich 79 Prozent der Befragten, hier sei die Situation gut oder sehr gut gewesen. Die Forschungsgruppe Wahlen erläutert, es gebe aber Unterschiede nach Fachgruppen: „Was die Einbindung der Patienten in die Entscheidungsfindung betrifft, werden die entsprechenden Möglichkeiten bei Hausärzten ähnlich positiv bewertet wie bei deren spezialisierten Kollegen, wobei beim Facharztvergleich Chirurgen oder Frauenärzte ihren Patientinnen und Patienten nach deren Einschätzung deutlich häufiger entsprechend „sehr gute“ Mitbestimmung ermöglichen als Orthopäden oder Augenärzte.“                             Sabine Rieser

KBV-Versichertenbefragung

 

 

2+

Bereitschaftsdienst: zu wenige kennen die 116 117

Berlin – Die Ergebnisse aus der jüngsten Versichertenbefragung im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigen nach Ansicht des KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Gassen, dass der ärztliche Bereitschaftsdienst zu unbekannt ist. „Der Bereitschaftsdienst ist jeden Tag in der Woche nach Schließung der Praxen für unsere Patienten erreichbar, solange es sich nicht um echte Notfälle handelt, die natürlich im Krankenhaus versorgt werden müssen“, sagte Gassen. Die Ergebnisse aus den Fokusgruppen zeigten, dass dies einigen Patienten gar nicht bewusst sei.

Ergänzend zur repräsentativen Befragung durch die Forschungsgruppe Wahlen hatte die KBV das Unternehmen Patientenprojekte GmbH damit beauftragt, eine qualitative Studie zu verschiedenen Aspekten der Befragung vorzulegen. Dafür diskutierten Teilnehmer in so genannten Fokusgruppen offen über ihre Einstellungen zu bestimmten Themen. Eines davon war die Nutzung von Notfallambulanzen in Krankenhäusern. Dorthin würden sie gehen in lebensbedrohlichen Situationen, bei schweren Verletzungen, hohem Fieber und starken Schmerzen, lauteten einige Antworten. Nach Einschätzung der Patientenprojekte GmbH seien jedoch auch Nutzungsmuster beschrieben worden, die man als „Fehlnutzung“ der Ambulanzen beschreiben könne: Das gezielte Aufsuchen in der Hoffnung auf komplexe diagnostische Maßnahmen zum Beispiel.

Von den 25 Teilnehmern der Fokusgruppe hatten nur 12 schon einmal etwas vom ärztlichen Bereitschaftsdienst gehört. Nur zwei kannten dessen bundeseinheitliche Rufnummer 116 117. Auch wenn diese Daten nicht repräsentativ sind, wies KBV-Vorstand Gassen darauf hin, die KBV habe wieder eine größere Informationskampagne gestartet und stelle Arztpraxen Flyer und Plakate zur Verfügung. Diese seien zum Teil auch in mehreren Sprachen erhältlich. „Obwohl wir im vergangenen Jahr fast sechs Millionen Anrufe verzeichnet haben, müssen wir uns eingestehen, dass die 116 117 in der breiten Bevölkerung noch längst nicht bekannt genug ist“, sagte Gassen.          Sabine Rieser

KBV-Infomaterial zur 116 117

0

Kabinett beschließt Entwurf zur Heil- und Hilfsmittelversorgung

Berlin – „Angesichts der steigenden Zahl älterer, chronisch und mehrfach erkrankter Patientinnen und Patienten müssen wir stärker auf Prävention und Rehabilitation setzen. Deshalb sorgen wir für eine gute und zeitgemäße Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln.“ Mit diesen Worten hat heute Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den im  Bundeskabinett beschlossenen Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) kommentiert.

Aufwertung von Physiotherapeuten 

„Der heute beschlossene Gesetzentwurf verbindet Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Qualität und Transparenz der Hilfsmittelversorgung mit einer Aufwertung der Stellung der Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen im Gesundheitswesen“, sagte Gröhe. „Dabei gehen wir mit Augenmaß vor und werden die zusätzlichen Spielräume bei der Vergütung für Heilmittelerbringer nach drei Jahren überprüfen sowie die Einführung der ‚Blankoverordnung‘ in Modellvorhaben testen.“

Diese Modellvorhaben soll es in allen Bundesländern geben. Danach werde entschieden, ob der Ansatz für die Regelversorgung geeignet sei, so das Bundesgesundheitsministerium (BMG). Bei der sogenannten Blankoverordnung verordnet ein Arzt weiterhin das Heilmittel. Auswahl und Dauer der Therapie sowie die Frequenz der Behandlungseinheiten liegen aber in der Verantwortung des Heilmittelerbringers.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte zum bisher kursierenden Referentenentwurf bereits Stellung genommen. Zur Blankoverordnung hatte KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldman erklärt: „Es ist richtig, dass dabei die Diagnose- und Indikationsstellung ausschließlich beim Vertragsarzt liegen, Wegen dieser wichtigen Koordinierungsrolle muss die Ärzteschaft auch an den Modellvorhaben selber beteiligt werden.“ Solange die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen die preisbezogene Wirtschaftlichkeitsverantwortung trügen, müssten sie auch die Verordnungsmenge festlegen. „Alternativ kann auch eine entsprechende Bereinigung des vertragsärztlichen Ausgabenvolumens erfolgen“, so Feldmann.

KBV verlangt kollegiales Zusammenwirken

Die KBV verlangt, gerade bei Modellvorhaben müsse das kollegiale Zusammenwirken von Vertragsärzten und Heilmittelerbringern gefördert werden. „Beispielsweise nach einem operativen Eingriff muss der Arzt die Möglichkeit haben, innerhalb der zur Verfügung stehenden Heilmittel einzelne als kontraindiziert auszuschließen.“ Auch müsse er eine Heilmitteltherapie beenden können, wenn er dies als sinnvoll erachte. Außerdem fehle im Gesetzentwurf noch die Regelung, dass Heilmittelerbringer Abweichungen von der ärztlichen Verordnung oder Details zur ausgewählten Therapie rückmelden müssten.

Die Regelungen des neuen Gesetzes sollen mehrheitlich im März 2017 in Kraft treten. Es bedarf nach Ansicht des BMG nicht der Zustimmung des Bundesrates.                  EB, Rie

Pressemitteilung zum Kabinettsentwurf

Gesetzentwurf

BVOU-Meldung mit KBV-Stellungnahme

0
Schockraum: Hier erfolgt die Erstversorgung

TraumaNetzwerk Ulm erneut rezertifiziert

Ulm – Im TraumaNetzwerk Ulm kümmern sich insgesamt 12 Krankenhäuser gemeinsam um die optimale Versorgung Schwerverletzter in Ulm und Umgebung. Das von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zertifizierte Netzwerk wurde nun erneut durch unabhängige Experten geprüft und in seiner Versorgungsqualität bestätigt. Um die Behandlung schwerverletzter Patienten noch weiter zu verbessern, kommt in den Kliniken des Traumanetzwerks außerdem seit kurzem die Online-Plattform TKmed zum Einsatz.

Unter Federführung des Universitätsklinikums Ulm und des Bundeswehrkrankenhauses (BWK) Ulm schlossen sich 2008 vier lokale, sechs regionale und zwei überregionale Traumazentren im TraumaNetzwerk Ulm zusammen. Das gemeinsame Ziel: Verletzte in Ulm und Umgebung schneller und effizienter zu versorgen – egal wann und wo der Unfall passiert. Das Traumanetzwerk stellt bestimmte Standards in der Patientenversorgung und in den Abläufen sicher und regelt darüber hinaus, wo welche Patienten behandelt werden. So werden Unfallopfer ohne Umwege in die passende Klinik gebracht, was wertvolle Zeit spart.

Bestätigung der Versorgungsqualität durch die DGU

Die für die Zertifizierung notwendigen Qualitäts- und Versorgungsstandards hat die DGU im „Weißbuch Schwerverletztenversorgung“ festgehalten und überprüft deren Einhaltung in regelmäßigen Audits. Diese beinhalten einen digitalen Fragebogen und eine Begehung der Kliniken durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle der DGU. „Die Rezertifizierung des Traumanetzwerks Ulm beweist erneut, dass in der Region die Verletztenversorgung auf höchstem Niveau gewährleistet ist“, sagt Prof. Dr. Florian Gebhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Ulm und Sprecher des Traumanetzwerks.

Digitale Vernetzung mit TKmed

Um die Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerks und die Behandlung schwerverletzter Patienten weiter zu verbessern, nutzen die Kliniken seit kurzem das teleradiologische System TKmed der DGU. Die Online-Plattform ermöglicht den digitalen Austausch von Röntgenaufnahmen, CT- und MRT-Bildern sowie Patientenbefunden und Arztbriefen via Internet. So kann sich eine behandelnde Klinik noch vor Eintreffen des Patienten mit dem bereits vorhandenen Bildmaterial und Befund auseinandersetzen und weitere Behandlungsschritte planen. Auch Zweitmeinungen oder Konsile von Spezialisten aus anderen Kliniken oder Praxen können mit TKmed eingeholt werden. „Durch das TraumaNetzwerk Ulm und den Einsatz von TKmed lässt sich bei der Behandlung von Unfallopfern wertvolle Zeit sparen – das kann im Ernstfall über Leben und Tod eines Patienten entscheiden“, so Gebhard.

Die Initiative TraumaNetzwerk DGU

Das TraumaNetzwerk Ulm ist eines von insgesamt 52 von der DGU zertifizierten Traumanetzwerken. Innerhalb dieser Netzwerke sind gegenwärtig 615 Kliniken aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Belgien und der Niederlande organisiert. Die im Jahr 2008 ins Leben gerufene Initiative verfolgt das Ziel, eine einheitlich hohe Behandlungsqualität zu sichern und durch die regionale Vernetzung für eine noch schnellere und effizientere Versorgung von schwerverletzten Patienten zu sorgen. Das Zertifikat der DGU ist jeweils für drei Jahre gültig.

Quelle: Universitätsklinikum Ulm/TraumaNetzwerk DGU

Weitere Informationen:

Initiative TraumaNetzwerk DGU

DKOU 2015: TKmed erhält Innovationspreis

1+

Baden-Württemberg: erneut Fehler bei KV-Wahl

Stuttgart – Zum dritten Mal müssen in Baden-Württemberg die Unterlagen für die Wahlen zur Vertreterversammlung (VV) der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) versandt werden. Grund ist ein Fehler bei der Zusammenheftung der Listen, wie die KV mitteilte. Dafür komme der Dienstleister auf, der diesen verursacht habe, heißt es in einer Schnellinformation des amtierenden KV-Vorstands: „Ihren Mehraufwand und den Imageschaden der KV wird er nicht ausgleichen können.“ Durch den Fehler wird sich die Wahlfrist aller Voraussicht nach vom 15. auf den 23. September 2016 verschieben.

Kandidaten aus O + U haben in den letzten Wochen in Interviews sowie durch Wahlaufrufe und Informationen auf die Bedeutung der KV-Wahlen für die Interessensvertretung des eigenen Fachs aufmerksam gemacht. BVOU-Präsident Dr. Johannes Flechtenmacher hatte zuletzt im BVOU-Infobrief dafür geworben, wählen zu gehen: „Wählen Sie die Kollegen aus O + U in die Bezirksausschüsse und die Vertreterversammlungen! Wir brauchen deren Sachverstand dringend, wenn es um Honorarfragen geht, um Bedarfsplanung, Selektivverträge, aber auch um Niederlassungsfragen oder Diskussionen über die Weiterbildung im ambulanten Bereich.“                                 Rie

KV Wahlen: Informationen zu allen Bundesländern

KV-Wahl Baden-Württemberg: alle Informationen

 

0

Härter als Titan: Aussichtsreiches Implantatmaterial entdeckt

Houston – Als besonders hartes, verschleißfestes und gut verträgliches Leichtmetall zählt Titan zu den am häufigsten eingesetzten Implantatmaterialien in der Knie- und Hüftendoprothetik. Im Rahmen seiner Forschungen entdeckte ein Team von Physikern aus den USA nun eine Titan-Gold-Legierung, die viermal härter ist als Rein-Titan und zudem weitere Eigenschaften aufweist, die die Verbindung zu einem vielversprechenden neuen Implantatmaterial machen könnten.

Die Legierung besteht aus einer 3:1 Mischung von Titan und Gold und weist eine spezielle atomare Struktur auf, welche die Verbindung außerordentlich robust macht. Dieser besondere atomare Aufbau der Legierung – die Atome sind eng in einer kubischen, kristallinen Struktur angeordnet – ist bereits seit Längerem bekannt. Die beiden Wissenschaftlerinnen Prof. Emilia Morosan und Dr. Eteri Svanidze von der Rice University in Houston, Texas, sind nicht einmal sicher, ob sie die ersten waren, die eine reine Probe der besonders harten Beta-Form der Legierung hergestellt haben. Aufgrund einer zufälligen Entdeckung konnten sie und ihr Forscherteam allerdings erstmals die besonderen Eigenschaften des Materials analysieren und beschreiben.

Viermal härter als reines Titan

Der Ausgangspunkt dieser Entdeckung war die Erforschung einer 1:1 Verbindung von Titan und Gold, einem magnetischen Material, das aus zwei nicht magnetischen Stoffen besteht. Als die Physikerinnen das Material zur Untersuchung seiner strukturellen Eigenschaften im Labor zerkleinern wollten, stellten sie fest, dass es ihnen nicht möglich war. Die Verbindung war ungewöhnlich hart.

Daraufhin beschlossen Morosan und ihre Kollegin, weitere Tests durchzuführen. Sie untersuchten diese und weitere Verbindungen von Titan und Gold auf ihre Festigkeit – unter ihnen eine 3:1 Mischung, die bei sehr hoher Temperatur gefertigt worden war. Wie die Physikerinnen herausfanden, ist diese Art der Fertigung ausschlaggebend für die spezifische kristalline Struktur und die besondere Festigkeit der Verbindung. Die bei niedrigeren Temperaturen hergestellte und bereits von anderen Forschern untersuchte Alpha-Form der Legierung (α-Ti3Au) weist eine andere kristalline Struktur auf und ist in etwa so hart wie Rein-Titan. Die von Morosan und Svanidze entdeckte Beta-Form (β-Ti3Au) ist viermal härter.

Vielversprechende Eigenschaften für medizinische Implantate

Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Legierung reinem Titan auch im Bereich der Biokompatibilität und der Verschleißbeständigkeit überlegen ist. Dies könnte β-Ti3Au zu einem vielversprechenden neuen Implantatmaterial machen, so Morosan und Svanidze. Die Wissenschaftlerinnen planen, die Beta-Legierung weiter zu erforschen und ihren Härtegrad wenn möglich noch zu steigern.

Die Studie „High hardness in the biocompatible intermetallic compound β-Ti3Au” wurde am 20. Juli online in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.

Anne Faulmann/Rice University

0
Sportler mit Prothese auf Fahrradergometer

Forscher optimieren Prothesen für den Radsport

Stuttgart – Im September 2016 treten körperlich beeinträchtigte Radsportler bei den Paralympics in Rio de Janeiro an. Um Bestleistungen zu erzielen, müssen die Prothesen der Radfahrer optimal ausgelegt sein. Bisher ist es schwierig, diese bestmöglich an den Bewegungsablauf beim Radfahren anzupassen. In einem neuen Bewegungslabor des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart lassen sich die künstlichen Glieder mit Hilfe einer Testprothese schnell und präzise optimieren.

Radfahren mit einer Prothese ist eine besondere Herausforderung: Zwar gibt es professionelle Modelle, die für den Radsport ausgelegt sind, allerdings ist die Suche nach den optimalen künstlichen Gliedmaßen für Sportler schwierig. Da die Einschränkungen der Radler individuell verschieden sind, müssen sich die Athleten eine Vielzahl von teuren Prothesen anfertigen lassen und ausprobieren, welche am besten passt.

Prothesen für den Radsport – erstmals wissenschaftlich angepasst

Forscher des Fraunhofer IPA in Stuttgart haben gemeinsam mit der Uniklinik Freiburg und der Radsport-Abteilung des Deutschen Behindertensportverbands DBS einen mobilen biomechanischen Messplatz aufgebaut und eine geeignete Testprothese entwickelt. „Die Testprothese ermöglicht es uns, die individuell optimale Anpassung zu finden“, erläutert Florian Blab, Wissenschaftler am IPA. „Somit heben wir die subjektive Wahrnehmung des Sportlers erstmals auf eine wissenschaftliche Ebene.“ Denn bislang ist das Anpassen der individuellen Prothesen reines Handwerk, vom Orthopädietechniker durchgeführt.

Ziel der Forscher ist es, objektive Parameter zu etablieren, über die sie sowohl die Passform der Prothese überprüfen können als auch die Bewegungsabläufe des Sportlers. Über diese Parameter passen sie die Prothese präzise an die individuellen körperlichen Voraussetzungen, den aktuellen Trainingszustand und das Körpergewicht des Sportlers an.

Dafür sitzen die Sportler im Bewegungslabor auf einem feststehenden Fahrrad, einem Rad-Ergometer. Sie sind dabei mit Markern bestückt. Während sie in die Pedale treten, bestimmen acht bis zwölf Infrarotkameras die Position der Marker auf einen halben Millimeter genau. Sensoren in den Pedalen messen die Kräfte, die der Sportler auf die Pedale ausübt in allen drei Raumrichtungen.

„Aus diesen Daten können wir auf die Gelenkkräfte schließen, ebenso auf die Leistung der Muskeln“, sagt Blab. Kommen beispielsweise 300 Watt am Ergometer an, überprüfen die Wissenschaftler, ob der Sportler auch mit einer Leistung von 300 Watt tritt oder ob er mehr Kraft aufbringen muss, da ein Teil der Leistung in der Prothese oder falschen Bewegungsabläufen verloren geht.

Optimale Einstellung via Simulation und Testradeln

Um die Prothese perfekt einzustellen, übertragen die Forscher die erfassten Daten zunächst in eine Software. Das Programm simuliert die möglichen Einstellungen und ermittelt die besten drei oder vier davon. Diese testen die Wissenschaftler wiederum im realen Versuch mit dem Sportler. Mit der Testprothese können sie die Einstellungen schnell und einfach ändern, ohne die künstlichen Gliedmaße wechseln zu müssen. Solche Einstellungen sind zum Beispiel die Länge der Prothese oder auch der Vorderfußhebel, die Position, an der die Fußplatte an den Pedalen befestigt wird.

Die Forscher nutzen die Trainingslager vor den Paralympics, um die Eingangsdaten der Sportler zu erheben. Das Ziel ist eine langfristige Kooperation der beteiligten Forschungspartner mit der Para-Cycling-Nationalmannschaft auch über die Paralympics 2016 hinaus sowie eine Versorgungsoptimierung von Nachwuchsathleten.

Quelle: Fraunhofer IPA

0
Dr. Uwe Schwokowski und Prof. Dr. Wolfgang Rüther, Referat Rheumatologie des BVOU

Orthopädische Rheumatologie: Kurse, Webinare, Termine

Ratzeburg – Wer sich für die orthopädische Rheumatologie interessiert, für den gibt es kein Sommerloch: Dieser Bereich ist weiterhin in Bewegung. Es gilt, neue Erkenntnisse und Empfehlungen vom Rheuma UpDate 2016 in Wiesbaden zu verarbeiten, vom EULAR in London und demnächst auch vom Deutschen Rheumatologen Kongress in Frankfurt – und sie weiter zu verbreiten.

Das Team der Akademie Deutscher Orthopäden (ADO) in Berlin wird deshalb weiterhin sehr aktiv sein, um Kolleginnen und Kollegen unter anderem über Neuheiten der Rheumatologie zu informieren.

Neue RhefO-Seminarangebote

Webinare in Planung 

61 Fortbildungskurse zur Erlangung der Bezeichnung „Rheumatologisch Fortgebildeter Orthopäde (RhefO)“ haben wir bislang angeboten. Über 650 Teilnehmer im Kurs I, über 560 Teilnehmer im Kurs II und 330 Teilnehmer im Kurs III sind ein deutliches Zeichen, dass die Rheumatologie ein Teil der Orthopädie und Unfallchirurgie ist und entsprechendes Interesse an diesem Fach besteht. In den Thesen der Deutschen Rheuma-Liga zur Verbesserung der Versorgung von Rheumapatienten in Deutschland wird die aktive Mitarbeit von Orthopädinnen und Orthopäden mit entsprechender rheumatologischer Vorbildung geradezu eingefordert.

Ein kleiner Wermutstropfen: Bisher haben lediglich knapp 100 Fachärzte für O + U auch die komplette Fortbildung zum RhefO absolviert. Da die zusätzlichen 22 Fortbildungsstunden in der Rheumatologie für den aktiven Praxisinhaber vermutlich schwierig zu organisieren sind, plant das Akademie-Team gerade mit dem BVOU Webinare, also Online-Seminare, so dass die gezielte Fortbildung auch von zu Hause aus erfolgen kann.

Rheumatologie für Orthopäden

Die Intensivkurse „Rheumatologie für Orthopäden“, die von der Firma AbbVie regelmäßig zweimal im Jahr in Budenheim beziehungsweise Seeheim durchgeführt wurden, sind auf eine jährliche Veranstaltung reduziert worden (nächster Kurs: Spätherbst 2017 in Budenheim).

Diese Informationslücke schließen wir mit einem Rheuma Super Refresher in Berlin (Referenten: Prof. Christian Kneitz aus Rostock und Dr. Uwe Schwokowski) am 17./18.09.2016.  Für den NOUV im Juni 2017 in Dortmund ist eine ähnliche Veranstaltung mit erweiterten Inhalten der Orthopädischen Rheumatologie vorgesehen.

Der Super Refresher bietet die Möglichkeit, ein vorhandenes RhefO-Zertifikat zu verlängern oder Fortbildungspunkte zur Erlangung des RhefO zu sammeln. In diesen Kursen wollen wir Kolleginnen und Kollegen im Sinne eines Updates auf den neuesten Stand der Rheumatologie bringen. Es gibt noch freie Plätze (Anmeldung).

Der RhefO-Kurs III während des DKOU in Berlin ist bereits ausgebucht, die Kurse I und II haben noch freie Kapazitäten. Weitere Kurse sind 2017 für den VSOU-Kongress und den DKOU geplant, ebenso weitere in Frankfurt/Main.

Einführungskurs orthopädische Rheumatologie

BVOU-Geschäftsführer Dr. Jörg Ansorg hat vorgeschlagen, einen Einführungskurs in die Rheumatologie zu gestalten, um insbesondere auch die Kollegen in der Weiterbildung O&U frühzeitig für die Rheumatologie zu sensibilisieren.

Bessere Versorgung für Rheuma-Patienten

In zwei Bundesländern finden derzeit Verhandlungen mit dem Ziel einer besseren Versorgung von Rheumapatienten zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen (Kven) und Krankenkassen statt. RhefO-Kollegen sind eingebunden.

Es wäre gut, wenn es auch in anderen Bundesländern ähnliche Verhandlungen gäbe – die Unterversorgung in der Rheumatologie ist überall zu spüren. TZermine bei Rheumatologen sind nach wie vor die am häufigsten gefragten bei den Terminservicestellen der KVen. Und die positiven Rückmeldungen zum „Orthopäden-Vertrag“ in Baden-Württemberg sind bei jeder KV bekannt.

Weitere Termine für Rheumatologen 

Deutscher Rheumatologen Kongress

Der Deutsche Rheumatologen Kongress findet in diesem Jahr vom 31.8. bis zum 3.9. in Frankfurt/Main statt. Für alle, deren Zeit knapp bemessen ist, gilt: Freitagnachmittag beziehungsweise am Samstag ist noch genügend Aktuelles aus der Rheumatologie zu erfahren, was in der täglichen Praxis anzuwenden ist und gegebenenfalls als weitere Fortbildungsstunden für den RhefO zählt.

Arthro-Sonographie in der Orthopädischen Rheumatologie

Erneut findet der Jahres-Workshop „Arthro-Sonographie in der Orthopädischen Rheumatologie“ mit den Professorinnen M. Backhaus (Berlin) und A. Gause (Bad Bramstedt) statt, und zwar am 7.9. ab 17 Uhr in Hamburg (im Hotel Radisson blu). Information und Anmeldung über das ADO-Team in Berlin (info@institut-ado.de, Tel. 030/797 444 59).

Prof. Wolfgang Rüther, Dr. Uwe Schwokowski

1+

Rechtsberatung für Mitglieder beim DKOU

Berlin – Eine kostenlose Rechtsberatung für Mitglieder bietet der BVOU in diesem Jahr während des DKOU-Kongresses Ende Oktober in Berlin.  Verbandsjustiziar Dr. jur. Jörg Heberer steht an zwei Kongresstagen am BVOU-Stand in Halle 2.2. auf dem DKOU-Gelände für rechtliche Fragen und für Informationsgespräche von BVOU-Mitgliedern zur Verfügung.

Es besteht die Möglichkeit, sich schon heute einen Termin zu sichern: entweder für Donnerstag, den 27.10.2016, in der Zeit von 13:00 – 16:00 Uhr, oder für Freitag, den 28.10.2016, in der Zeit von 14:30 – 16:00 Uhr. Für ein Gespräch ist jeweils eine halbe Stunde vorgesehen.

Interessenten melden sich bitte im Sekretariat bei der BVOU-Geschäftsstelle unter Telefon 030/797 444 44 oder per E-Mail unter bvou@bvou.net. Bitte geben Sie bei Ihrer Anmeldung freundlicherweise auch Ihre Mobilnummer an, damit wir Sie erreichen können, falls es Rückfragen gibt oder es zu einer kurzfristigen Terminverschiebung kommt.

1+