Archiv für den Monat: November 2019

Befragung zu Gesundheits-Apps

Berlin – BVOU und DGOU laden mit dem folgenden Anschreiben zur Befragung zur Digitalisierung, Apps und DVG in der O&U  ein und bitten um zahlreiche Teilnahme:

Sehr geehrte Mitglieder,

Das Digitale Versorgung Gesetz (DVG) wurde kürzlich verabschiedet. Es regelt u.a. die Verschreibungsmöglichkeit und die Kostenerstattung von Gesundheits-Apps. 

In einer anonymen Onlinebefragung möchte die AG Digitalisierung der DGOU gemeinsam mit dem BVOU Sie nach Ihrer Einschätzung zur Nutzung von Apps und zum DVG mit seinen Auswirkungen befragen und erfahren, wie wichtig Ihnen bestimmte Qualitätsaspekte bei der Bewertung von Gesundheits-Apps wären. 

Mit Ihrer Teilnahme helfen Sie uns bei der Erarbeitung einer Digitalstrategie für die DGOU und den BVOU hinsichtlich eines Umgangs mit Apps und unterstützen ein Dissertationsvorhaben. 

Zur Befragung gelangen Sie über den folgenden Link:


Die Beantwortung des Fragebogens nimmt ca. 7 Minuten in Anspruch. 

Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen 

Prof. Dr. Bernd Kladny (Generalsekretär DGOU), Dr. Johannes Flechtenmacher (Präsident BVOU) und PD Dr. David A. Back (Vorsitzender AG Digitalisierung DGOU) 

0

Einladung zum DVT-Spezialkurs in Düsseldorf

Aschaffenburg – Die Kooperationspartner BVOU und SCS laden zur kostenfreien Teilnahme an den Präsenzveranstaltungen Teil 1 und Teil 2 des modularen DVT-Spezialkurses am 14. Dezember in Düsseldorf ein. Diese Veranstaltungen ermöglichen den Teilnehmern einen Einblick in die DVT-Untersuchungstechnik sowie in die Indikationen zur DVT-Diagnostik zu bekommen.

Modularer DVT-Spezialkurs am 14. Dezember 2019

09:00 bis 11:00 Uhr – DVT-Spezialkurs, Präsenzveranstaltung Teil 1
11:15 bis 13:45 Uhr – DVT-Spezialkurs, Präsenzveranstaltung Teil 2

Standort
SCS Satellite Office Düsseldorf
Königsallee 27
40212 Düsseldorf

Die Kursinhalte werden Ihnen von Herrn Dr. Markus Preis sowie Herrn Dipl.-Ing. Christian Stegmann vermittelt. Herr Dr. Preis verfügt über jahrelange Erfahrung in der DVT-Diagnostik, Herr Dipl.-Ing. Stegmann besitzt das technologische Know-how aus der DVT-Entwicklung und der ärztlichen Ausbildung zur Erlangung der DVT-Fachkunde.

Zusammensetzung des modularen DVT-Spezialkurses

Der modulare DVT-Spezialkurs setzt sich aus Präsenzveranstaltung Teil 1 und Teil 2 sowie dem E-Learning zusammen. Sie haben am 14. Dezember 2019 die Möglichkeit zur kostenfreien Teilnahme an Präsenzveranstaltung Teil 1 und 2. Sollte daraufhin Ihr Interesse geweckt sein, den DVT-Spezialkurs insgesamt abzuschließen, haben Sie die Möglichkeit an darauffolgenden Präsenzveranstaltungen teilzunehmen und vorab das E-Learning (ab 500 € für BVOU-Mitglieder) zu absolvieren.

Das E-Learning sowie die Teilnahme an den modularen DVT-Spezialkursen setzen eine Anmeldung unter www.myscs.com/dvt-fachkunde voraus. Bitte beachten Sie: Die Veranstaltungen beinhalten nicht den Erwerb der DVT-Sachkunde als Bestandteil der DVT-Fachkunde. Bei Fragen nutzen Sie bitte die folgenden Kontaktdaten von SCS Sophisticated Computertomographic Solutions:

Kontaktperson: Frau Kerstin Hoppe
Telefon: 06021/429430
E-Mail: khoppe@myscs.com

Weitere Informationen zum DVT-Spezialkurs finden Sie unter: www.myscs.com/dvt-fachkunde. Zudem finden Sie hier einen weiteren, auf bvou.net erschienenen, Artikel über die Voraussetzungen zur eigenständigen 3-D-Bildgebung in der O&U.

DVT als Zukunft der radiologischen Bildgebung

Herr Dr. Ansorg, Geschäftsführer des BVOU, erklärt zur 3-D-Schnittbildgebung mit der DVT Folgendes: „Die Zukunft der radiologischen Bildgebung in der O&U liegt zweifellos in der 3-D-Bildgebung mit der digitalen Volumentomographie. Um frühestmöglich sicherzustellen, dass die 3-D-Teilgebietsradiologie unserem Fach erhalten bleibt, fördert der Berufsverband die DVT-Fachkunde und bietet zudem – in Kooperation mit SCS als Unternehmenspartner für die 3-D-Bildgebung – ein attraktives Gesamtpaket an. Das Angebot besteht aus der DVT-Fachkundeausbildung und einem 3-D-Bildgebungssystem für die Extremitätendiagnostik zu exklusiven Sonderkonditionen für BVOU-Mitglieder. Um sich umfassend über die 3-D-Bildgebung zu informieren, empfehlen wir allen interessierten Kollegen, das mit dem Berufsverband abgestimmte Beratungsangebot der SCS in Anspruch zu nehmen.“

BVOU und SCS – Eine starke Kooperation

Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) sowie das Unternehmen SCS Sophisticated Computertomographic Solutions GmbH aus Aschaffenburg haben Ihre Kooperation ausgeweitet.

Auf Basis der bereits erzielten Erfolge ist es das gemeinsame Ziel, die Fachkunde zur digitalen Volumentomographie (DVT; in gültiger Fachkunderichtlinie und wissenschaftlich als Cone Beam CT bezeichnet) weitergehend zu fördern, und zwar aufgrund der einzigartigen Eigenschaften der 3-D-Schnittbildgebung mit der DVT hinsichtlich Bildinformation sowie Strahlenhygiene und der damit verbundenen neuen Diagnostikdimension im Fachgebiet Orthopädie und Unfallchirurgie.

Die Kooperation zwischen BVOU und SCS basiert auf der jahrelangen Erfahrung und Expertise der beiden Partner. SCS trägt mit dem Know-How in der DVT-Technologie und -entwicklung, dem breiten Netzwerk an Hospitationsstandorten zum Erwerb der DVT-Sachkunde sowie mit der bestehenden Anerkennung der SCS Akademie zur qualitätsgesicherten und ärztlichen Ausbildung bei.

Der BVOU steht mit seiner Akademie der Deutschen Orthopäden (ADO) für seine fundierten Verfahren und Prozesse zur Wissensvermittlung im Fachgebiet, der Entwicklung von Standards in der orthopädisch-unfallchirurgischen Versorgung, der Prägung politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und damit für die Wahrung von beruflichen Interessen seiner Mitglieder aus Klinik und Praxis.

0

Arbeitsschutzgesetz gilt auch für Ärzte!

Wiesbaden – Der Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (BDI) fordert die Gesundheitsministerinnen und -minister der Bundesländer auf, dafür Sorge zu tragen, dass Krankenhäuser ihren im Arbeitsschutzgesetz definierten Pflichten nachkommen.

Auslöser für den Aufruf ist eine Studie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) unter Beteiligung des BDI, die den Gesundheitszustand junger Ärztinnen und Ärzte in deutschen Krankenhäusern untersucht hat. „Der Kernbefund ist alarmierend“, erklärt Dr. Kevin Schulte, Co-Autor der Studie und Spre-cher der Assistenzärzte im BDI. „Mehr als die Hälfte der befragten Kolleginnen und Kollegen zeigen Anzeichen eines Burnouts und über 20 Prozent haben angegeben, aufgrund von arbeitsbedingtem Stress schon einmal Medikamente eingenommen zu haben“, so Dr. Schulte.

Auf die zunehmende psychische Belastung der Arbeitswelt hat der Deutsche Bundestag bereits 2013 reagiert und das Arbeitsschutzgesetz überarbeitet. Seit der Gesetzesnovelle sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, neben den physischen Belastungsfaktoren auch der psychischen Belastung am Arbeitsplatz in der Gefährdungsanalyse Rechnung tragen. Wird eine gesundheitsgefährdende Beanspruchung der Arbeitnehmer festgestellt, so ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu entwickeln, um diesen Zustand zu beseitigen.

„Die Arbeitsverdichtung in den Kliniken hat eindeutig zugenommen“, sagt BDI-Präsident Prof. Dr. Hans-Martin Hoffmeister, selbst Chefarzt für Kardiologie in Solingen. „Im Bereich der Pflege hat der Gesetzgeber mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz und den Unter-grenzen bereits versucht, gegenzusteuern. Die Politik muss aber auch die Situation der ärztlichen Kolleginnen und Kollegen ernst nehmen. Nicht umsonst fordern wir die Ausgliederung der Arztkosten aus den Fallpauschalen (DRG). Als Soforthilfe müssen wir aber auch die Möglichkeiten im Rahmen der bestehenden Gesetzeslage ausschöpfen, um die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen zu schützen“, betont Prof. Hoffmeister. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die gesetzliche Vorgabe von den deutschen Krankenhäusern nicht eingehalten wird – und zwar auf Kosten der psychischen Gesundheit der dort angestellten Ärztinnen und Ärzten. „Wir haben die Studie deshalb zum An-lass genommen, die Landesgesundheitsminister auf den Befund hinzuweisen und appellieren an die zuständigen Behörden, ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen“, so Dr. Schulte.

Quelle: BDI

0

Hüftgelenknahe Femurfraktur: Frühestmögliche Versorgung

Berlin – Am 22.11.2019 wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zur Qualitätssicherung in Krankenhäusern die Pressemitteilung „Neue Richtlinie zur Qualitätssicherung: Frühestmögliche Versorgung einer hüftgelenknahen Femurfraktur“ herausgegeben. Der darin aufgeführte Beschluss wird nach Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit und Veröffentlichung im Bundesanzeiger zum 1. Juli 2020 in Kraft treten. Zu beachten ist dabei, dass darin die Sanktion enthalten ist, dass Krankenhäuser, die die darin enthaltenen Mindestanforderungen nicht erfüllen, keinen Vergütungsanspruch haben. Entscheidend ist dabei neben der Vorgabe, Patienten mit hüftgelenknahen Femurfrakturen innerhalb von 24 Stunden operativ versorgen zu können, die Einhaltung von gewissen Mindestanforderungen an die Prozessqualität sowie das Vorhalten von mindestens sieben Standard Operating Procedures (SOP). SOPs dienen dazu, sich beim Erkennen und Behandeln von Krankheitssymptomen auf das Wesentliche zu konzentrieren und richtige Prioritäten zu setzen. Sie stellen einen hohen organisatorischen und personellen Aufwand dar, insbesondere da diese z.T. interdisziplinär zu erstellen sind“

Wesentliche Inhalte der Richtlinie

  • Mindestanforderungen an die Prozessqualität, Standard Operating Procedures (SOP)

Krankenhäuser, die künftig die Versorgung der hüftgelenknahen Femurfraktur anbieten wollen, sind verpflichtet, unverzüglich nach Aufnahme einer Patientin oder eines Patienten mit einer   entsprechenden Diagnose die weitere Versorgung zu planen. Ziel ist es, dass die operative Versorgung in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme oder Auf-treten eines Inhouse-Sturzes erfolgt, sofern es der Allgemeinzustand der Patientin oder des Patienten zulässt. Krankenhausinterne Standardabläufe sollen dabei helfen, den typischen Hindernissen, die einer operativen Versorgung der Patientin oder des Patienten innerhalb von 24 Stunden erfahrungsgemäß oftmals entgegenstehen, zu begegnen. Die neue Richtlinie sieht deshalb vor, dass von den Krankenhäusern verbindliche, interdisziplinär abgestimmte, schriftliche und jederzeit verfügbare Standardabläufe (Standard Operating Procedures – SOP) ein-zuführen sind. Die SOP müssen dem aktuellen Stand des medizinischen Wissens entsprechen. Krankenhäuser müssen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit einer hüftgelenknahen Femurfraktur mindestens SOP zu folgenden Situationen und Entscheidungsbedarfen vor-halten:

  • SOP „Besondere Situationen der Einwilligungsfähigkeit“
  • SOP „Perioperative Planung: Priorisierung von Eingriffen, Planung von OP-Kapazitäten, Planung von OP-Teams“
  • SOP „Operationsverfahren“
  • SOP „Umgang mit gerinnungshemmender Medikation“
  • SOP „Patientenorientiertes Blutmanagement (PBM)“
  • SOP „Ortho-geriatrische Zusammenarbeit für Patienten mit positivem geriatrischem Screening“
  • SOP „Physiotherapeutische Maßnahmen“
  • Nachweisverfahren, Folgen der Nichteinhaltung der Mindestanforderungen und Dokumentationspflichten

Krankenhäuser müssen standortbezogen nachweisen, ob sie die Mindestanforderungen der Richtlinie – einschließlich der ggf. zum Zeitpunkt des Nachweises vorliegenden Abweichungen – erfüllen. Der Nachweis hat stichtagsbezogen gegenüber den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen zu erfolgen. Kann ein Krankenhaus einzelne Mindestanforderungen länger als 48 Stunden nicht einhalten, muss dies den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatz-kassen unverzüglich angezeigt werden. Wenn die Mindestanforderungen nicht erfüllt werden, darf die Versorgung von Patienten mit einer hüftgelenknahen Femurfraktur in der Einrichtung über die Diagnostik und Erstversorgung hinaus nicht erfolgen. Ein Krankenhaus, das die Mindestanforderungen nicht erfüllt, hat keinen Vergütungsanspruch.

  • Strukturabfrage, Evaluation, Inkrafttreten der Richtlinie

Der G-BA wird sich mit Hilfe einer jährlichen Strukturabfrage einen Über-blick über die Erfüllung der Mindestanforderungen in den einzelnen Krankenhausstandorten verschaffen. Der G-BA beauftragt das IQTIG, die Auswirkungen dieser Richtlinie so-wie die Erreichung der Ziele qualitativ und quantitativ jährlich über einen Zeitraum von 5 Jahren zu evaluieren. Gegenstand der Evaluation sind darüber hinaus die Anwendung der SOP in den Krankenhäusern sowie die Untersuchung der Fragestellung ob, wie viele und warum Leistungen in Krankenhäusern erbracht worden sind, obwohl die Mindestanforderungen nicht erfüllt wurden. Der Beschluss tritt nach Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit und Veröffentlichung im Bundesanzeiger zum 1. Juli 2020 in Kraft. 

PD Dr. med. habil. Axel Sckell,
Mitglied im geschäftsführenden Vorstand
Universitätsmedizin Rostock -Abteilung für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Chirurgische Klinik und Poliklinik

2+

Ein Beispiel für eine fachlich fundierte Diskussion

Berlin – Genauso wichtig wie fachliche Information ist der Dialog mit der Leserschaft unserer Kommunikationskanäle wie Facebook. Ein respektvolles Miteinander ist wie überall die Grundlage für einen konstruktiven Dialog. Im Oktober publizierte der BVOU auf Facebook einen auf Orthinform veröffentlichten Beitrag mit dem Titel Rückenschmerzen: Den Ursachen auf der Spur. Der Beitrag wurde von Dr. Karl-Heinz Conrad aus Bayern verfasst.

Unter dem Post mit dem verlinkten Beitrag zu Orthinform entwickelte sich rasch eine Diskussion. Wir luden daraufhin Kommentator und Physiotherapeut Matthias Straub ein, selbst einen Beitrag zum Thema Rückenschmerz zu verfassen. Das Angebot nahm Herr Matthias Straub an und schickte dem BVOU einen Text zu.

Dr. Burkhard Lembeck (BVOU-Landesvorsitzender Württemberg und DKOU-Kongresspräsident 2020) kommentierte freundlicherweise den Beitrag woraufhin ein Schriftverkehr zwischen ihm und Matthias Straub entstand. Auszüge zu einigen verfassten Thesen geben wir hier wieder:

Artikel von Matthias Straub:

Was sind Rückenschmerzen? – Eine aktuelle Betrachtung

Inhaltsverzeichnis

  1. Allgemeines: Häufigkeit, Kosten und Verlauf
  2. Ursachen von Rückenschmerz
  3. Unterteilung der Rückenschmerzen
  4. Therapie der Rückenschmerzen
  5. Literaturverzeichnis

1 Allgemeines
Rückenschmerz ist die grösste Ursache für Beeinträchtigungen und Beschwerden weltweit (1). In einem Zeitraum von einem Jahr leiden 37% der Erwachsenen darunter. Es sind mehr Personen in der Lebensmitte und mehr Frauen als Männer davon betroffen (2). Unter Rückenschmerzen, die länger als 3-6 Monate dauern, leiden 19.6% der 20- bis 59-Jährigen und 25.4% der über 60-Jährigen (3). Der Trend um die Jahrtausendwende tendiert hin zu einer ansteigender Zahl an Patienten mit chronischen Rückenschmerzen (4). Die zunehmenden Kosten belasten nicht nur das Gesundheits-, sondern auch die Sozialsysteme (5). Hier geht es zum ganzen Artikel

Kommentar von Dr. Lembeck (klicken Sie auf den Pfeil, um den ganzen Kommentar zu lesen)

Sehr geehrter Herr Straub,
zunächst einmal besten Dank für Ihren konstruktiven Beitrag zum Thema Rückenschmerz – ein Thema, das Physiotherapeuten und Orthopäden gleichermaßen in hohem Maße beschäftigt. In orthopädischen Praxen in Deutschland ist Rückenschmerz sogar das dominante Thema, denn über 50 Prozent der Vorstellungen erfolgen deswegen. (…)

In ihrer Betrachtung ” Was sind Rückenschmerzen? Eine aktuelle Betrachtung” fassen Sie viele Kernbotschaften zu Ätiologie, Unterteilung und Therapie usw. zusammen. Ihre Betrachtung entspricht weitgehend den beiden in Deutschland maßgeblichen nationalen Versorgungsleitlinien zum Thema nichtspezifischer und spezifischer Rückenschmerz. Zu beiden Leitlinien informieren wir auch in unserem Patientenlexikon – insofern besteht hier überhaupt kein Dissens.

Ihre Betrachtung möchte ich aber gerne um ein paar kleine Bemerkungen ergänzen. Ich erlaube mir das, da ich schon langjährig im Bereich Versorgung von Rückenschmerz unterwegs bin, die Erstellung von Leitlinien mitverfolgt habe, viele Verträge zum Thema ausgearbeitet habe und in den entsprechenden Gremien auf Bundesebene vertreten bin. Verstehen Sie diese Bemerkungen bitte eher als Anregung zum Nachdenken denn als destruierende Kritik – als die Ergänzungen aus meiner Erfahrung, die Ihnen ( der Sie als Student der Physiotherapie vermutlich am Anfang Ihrer wisschenschafltichen Karriere stehen) evtl. nützlich sein können.

Im Folgenden möchte ich daher ein paar Thesen zum Thema Rückenschmerz aufgreifen, die in Ihrer Betrachtung, in der allgemeinen Versorgungsdebatte, immer wieder auftauchen und wiederholt werden, wobei es lohnen würde, sie auf ihren Wahrheitsgehalt kritisch zu hinterfragen:

1. Allgemeines
These: “Rückenschmerzen sind von überragender wirtschaftlicher Bedeutung. Rückenschmerzen sind eine Epidemie, deren Kosten die Gesundheitssysteme an den Rand ihrer Belastbarkeit bringen” Antithese: Rückenschmerzen sind zwar häufig, aber weitgehend harmlos – ihre direkten Kosten sind mit denen anderer Erkrankungen absolut vergleichbar. ” Begründung: Niemand würde auf die Idee kommen zu behaupten, grippale Infekte brächten das Gesundheitswesen zum Erliegen. Rückenschmerzen verlaufen aber in den meisten Fällen nicht anders als grippale Infekte.

Epidemiologisch betrachtet ( z.B RKI Telefonsurvey), geben zwar 80% der Befragten an, dass sie schon mal RS gehabt haben, aber wer hätte nicht auch schon grippale Infekte gehabt? Versorgungstechnisch werden Rückenschmerzen zu 98% ambulant behandelt, auch diese Kosten sind absolut beherrschbar. Analysiert man die Ausgaben der GKV für diese ambulante Versorgung näher, dann zeigt sich, dass im Bereich Orthopädie und Unfallchirugie 4,4 Mrd. für Physiotherapie, 3,4 Mrd. für hausärztliches und 1,5 Mrd. für orthopädisches Honorar ausgegeben werden. ( Quelle: KBV Honorarbericht, destatis).

Die Kosten für den stationären Bereich entsprechen im Übrigen dem ambulanten Bereich, obwohl 95 % der Patienten ambulant behandelt werden. Für das gesamte Gesundheitssystem der Bundesrepublik gilt, dass die Kosten in den letzten Jahren bei ziemlich genau 11% des BIP liegen, von einer Kostenexplosion kann momentan keine Rede sein. Die Herausforderung für das Gesundheitssystem besteht beim RS wie beim grippalen Infekt darin, die gefährlichen Verläufe zu erkennen. Das sind beim grippalen Infekt Pneumonien usw. ( mit hoher Letalität) beim RS die Chronifizierungen.

2. These zur Unterteilung “Rückenschmerzen kann man in spezifisch und nichtspezifisch unterscheiden, zu 90% (Prozent=weg) sind RS nichtspezifisch ” Antithese: “Diese Unterteilung widerspricht dem biopsychosozialen Krankheitsmodell – ein nichtspezifischer Rückenschmerz ist ein Widerspruch in sich selbst”

Das biopsychosoziale Krankheitsmodell besagt, dass biologische, psychologische und soziale Faktoren bei der Krankheitsentstehung (aller) Erkrankungen (immer) eine Rolle spielen. Es ist daher völlig unverständlich, warum man Rückenschmerzen in nichtspezifische ( bei denen biologische Faktoren keine Rolle spielen sollen) und spezifische ( bei denen sie die alleinige ) Rolle spielen sollen, klassifizieren kann. Bei der Ätiologie des Rückenschmerzes wird eine Dichotomie zwischen Psyche und Soma postuliert, die insbesondere allen neueren Erkenntnissen der Psychosomatik diametral widerspricht. Selbstverständlich spielen auch biologische Ursachen beim sogenannten nichtspezifischen Rückenschmerz eine überragende Rolle und auf der anderen Seite spielen natürlich auch psychosoziale Faktoren beim Krankheitsverlauf eines Patienten mit radikulärer Wurzelkompression eine Rolle. Sie erkennen das sehr leicht darin, dass in den Studien zum chronischen nichtspezifischen Rückenschmerz multimodale Behandlungskonzepte und nicht rein verhaltenskognitive oder usual care der sogenannte “goldene Standard” sind.

Wenn die Einteilung aber schon theoretisch nicht haltbar ist, ist sie hinfällig. Wussten Sie übrigens, wie es zu der Aussage gekommen ist, 90% der RS seien nichtspezifisch? Man hat die ICD Diagnosen beim Rückenschmerz unterteilt in nichtspezifisch ( z.B M54.9 Lumbago, aber auch die ICD M42.9für Osteochondrose ) und spezifisch ( z.B. Bandscheibenvorfall M51.1) sortiert und dann geschaut, wie sie sich verteilen. Wenn Sie wissen, wie die Verschlüsselung in den Arztpraxen gehandhabt wird, dann verlieren Sie spätestens jetzt den Glauben an Studien mit Sekundärdaten…

3. These “Es gibt Klassifikationsmodelle, die eine resourcengerechte Allokation beim Rückenschmerz erlauben und damit ein besseres Outcome” Antithese: ” Bis heute gibt es sowas nicht” Im Laufe der Jahre tauchen immer wieder Klassifikationen auf, die Strategien suchen, um Über- und Unterversorgung zu meiden. Meistens handelt es sich um Fragebögen, z.B. chronic pain grade ( von Korff), Heidleberger HeidelbergerKurzfragebogen, Örebroö, START Tool . Bei Ihnen ist es das Modell nach O Sullivan. Auf die Gefahr hin, einen jungen motivierten Studenten der Physiotherapie hin zu frustrieren, kann ich nur sagen, dass bisher alle Ansätze ausserhalb von Modellen krachend gescheitert sind.

Ganz d’accord bin ich, eine individuelle Strategie zu wählen – wir Ärzte und Therapeuten müssen (und das ist die Kunst) schauen, welcher der drei Faktoren bei diesem Patienten die gewichtige Rolle spielt, welche funktionellen Auswirkungen das hat ( Einsatz der Resourcen, Vermeidung von Überversorgung) und wie wir dann vorgehen. Wir Orthopäden und Sie als Physiotherapeut, haben (wir) da den unschätzbaren Vorteil, dass wir als “Biomediziner” eine hohe Akzeptanz bei den Patienten besitzen – uns fällt der Zugang viel leichter als z.B. Psychotherapeuten, deren Hinzuziehung oft schwer fällt, weil sie häufig Abwehrhaltungen provozieren.

Und selbstverständlich bleibt es unsere primäre Aufgabe, nach den möglichen biologisch-strukturellen Ursachen zu schauen, so wie es der Kollege Conrad in seinem Artikel getan hat. Er führt ja gerade aus, dass neben Bewegungsmangel, psychischen Belastungen usw. auch eine Beinlängendifferenz die Ursache von Rückenschmerzen sein kann, die Betonung liegt auf kann, aber nicht muss. Das entspricht der Beobachtung, dass eine radiologisch festgestellte Gonarthrose die Ursache von Kniegelenksbeschwerden sein kann, aber nicht sein muss – eine orthopädische Binse sozusagen. Wir behandeln keine Röntgenbilder sondern Menschen.

Aber selbstverständlich kann es absolut sinnvoll sein, eine Beinlängendifferenz von zwei Zentimentern mittels Sohlenausgleich zu beheben – und auch das ist kein Mythos, vielen Patienten ist dadurch rasch geholfen. Auch lenkt Kollege Conrad den Blick auf internistische Erkrankungen, die Ursache von Rückenschmerzen sein können, auch dies im Sinne einer holistischen Betrachtung sicher sinnvoll.

Lieber Herr Straub, die Behandlung chronischer Rückenschmerzen kann frustrierend sein – lassen Sie sich nicht entmutigen- bewahren Sie sich einen ganzheitlichen Blick, vertrauen Sie auf Ihre Erfahrung, lassen Sie die neuesten Studien mit einfließen, aber bleiben Sie dem allen gegenüber im Sinne der Dialektik kritisch, dann wird ihr Berufsalltag erfüllend sein, denn sowohl Ärzte als auch Physiotherapeuten haben gegenüber vielen anderen Berufen einen Vorteil – wir haben es oft mit dem Dank unserer Patienten zu tun.

Wir bedanken uns sowohl bei Herrn Straub, als auch bei Herrn Lembeck, dass sie aus einer launigen Kommentar-Struktur eine Diskussion mit gegenseitigem Respekt auf Augenhöhe entstehen ließen. im weiteren Schriftwechsel tauschten beide Beteiligten noch weitere Argumente über die Thesen aus. Für uns ist allerdings an dieser Stelle die Grenze unserer Medien erreicht und rufen dazu auf, gerne im Rahmen eines Kongresses oder Podiumdiskussion die Ansichten von Physiotherapeuten und Orthopäden zu diskutieren.

0

Verschleppte Probleme führten zur aktuellen Krise vieler Krankenhäuser

Düsseldorf – Es wäre beschönigend, die Stimmung vieler Teilnehmer aus dem Krankenhausmanagement bei der heutigen Eröffnung der Medica und des 42. Deutschen Krankenhaustags in Düsseldorf als verärgert zu bezeichnen. Es herrscht Empörung – Empörung über die jüngsten Entscheidungen der Regierungskoalition zum Krankenhausbereich. Das MDK-Reformgesetzt – im Entwurf noch eine wirksame Reaktion auf die Geldschneiderei der Krankenkassen – war kurz vor der Abstimmung im Bundestag in sein Gegenteil verkehrt worden. Das hat das Fass des Erträglichen bei vielen zum Überlaufen gebracht. „Es reicht!“ heißt es auf einem großen Plakat des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD).

Das brachte auch VKD-Präsident Dr. Josef Düllings in der Eröffnungsveranstaltung sowie in der Pressekonferenz der Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag zum Ausdruck. Warum, so fragte er, müssten aktuell so viele Krankenhäuser Insolvenz anmelden? Warum gebe es inzwischen einen geradezu extremen Pflegekräftemangel, den der Gesetzgeber doch eigentlich abstellen wollte? Warum gehe es mit der Digitalisierung nicht voran, obwohl sie doch seit vielen Jahren immer wieder von der Politik als ein wesentlicher Zukunftsbaustein thematisiert werde? Und warum würden viele der von der Politik erwarteten positiven Folgen von Gesetzen und Regelungen der letzten Jahre nicht eintreten?“
„Die wesentlichen Probleme wurden nie gelöst, sondern über die Jahre immer weiter mitgeschleppt und damit verschärft“, so seine Antwort.

Bei den Ländern sei die gesetzliche Förderpflicht zur Förderflucht geworden. Die Förderquote der Krankenhäuser, Anfang der neunziger Jahre noch bei neun Prozent, sei bis heute auf unter drei Prozent reduziert worden. „Die meisten unserer Anlagegüter sind abgeschrieben, ohne jede Zukunftsperspektive“, so Dr. Düllings. Krankenkassen hätten sich zu Sparkassen entwickelt. Ihre Rücklagen seien – auch, weil sie den Krankenhäusern permanent erhebliche Mittel entzögen – weit über die gesetzlich vorgeschriebene Mindestreserve angestiegen. Dieses Geld gehöre in die Patientenversorgung. So verstehe der VKD den Sinn einer solidarischen Versicherung. Kassenärzte und Kassenärztliche Vereinigungen würden sich auf Kosten der Krankenhäuser entlasten. „In der ambulanten Notfallversorgung verzeichnen wir seit Jahren einen millionenfachen Anstieg der Fallzahlen mit einer bundesweiten Unterfinanzierung von einer Milliarde Euro.“

Hinzu komme, so der VKD-Präsident, dass in den letzten Jahren das Finanzierungssystem der Kliniken über Fallpauschalen an eine Grenze gekommen sei. Fehlende Leistungsgerechtigkeit und Überkomplexität des Systems schadeten vielen Krankenhäusern. „So, wie es heute gilt, ist es inzwischen zu einer Gefahr für die Krankenhausversorgung geworden.“

Aus vielen kleinen und größeren ungelösten Krisen sei über die Jahre nun eine Krise des Gesamtsystems geworden, so sein Fazit. Davon seien die Krankenhäuser als Anker dieses Systems ganz besonders betroffen, weil sie zahlreiche Funktionen und Aufgaben am Patienten orientiert mitübernehmen müssten, die andere Versorger nicht leisten könnten. Dr. Düllings: „Unser Gesundheitssystem ist an einem kritischen Punkt angelangt, an dem die sichere und gewohnt gute Versorgung für die Bevölkerung auf der Kippe steht.“

Der VKD fordere angesichts dessen erneut, dass die Länder endlich ihre gesetzlichePflicht zur Investitionsförderung erfüllen und – unterstützt vom Bund – damit den notwendigen Strukturwandel ermöglichen. Hier gehe es um eine wichtige Infrastruktur für die Bevölkerung, die nicht durch Insolvenzen, sondern geplant und sinnvoll erfolgen müsse. Unabdingbar sei in diesem Zusammenhang auch ein staatliches Sonderprogramm Digitalisierung.

Die Krankenhausplanung der Länder müsse zu einer Versorgungsplanung werden, die alle Versorgungssektoren einbeziehe und auch flexible Reaktionen auf Bedingungen und Veränderungen in den jeweiligen Regionen ermögliche. Die aktuelle Bundesgesetzgebung trage dazu bei, dass Versorgungskapazitäten reduziert würden – zu Lasten aller Sektoren. Als aktuelles Beispiel nannte Dr. Düllings die zu Beginn dieses Jahres in Kraft getretenen Pflegepersonal-Untergrenzen in vier sensitiven Bereichen, die zur Schließung von Betten und ganzen Stationen geführt haben. Dennoch würden sie im nächsten Jahr auf weitere Bereiche erweitert.

Der VKD sieht die Notwendigkeit sinnvoller, proaktiver Strukturveränderungen, stellt aber klar, dass diese nicht zum Nulltarif erfolgen können, sondern dass dafür hinreichende Fördermittel notwendig sind. Die Krankenkassen müssten sich darauf besinnen, dass sie Partner und nicht Gegner der Krankenhäuser sein sollen. Die Vergütung von Leistungen zu verweigern, die im Sinne der Patienten erbracht würden und damit auch vielfach Lücken in der ambulanten Versorgung kompensierten, entspreche nicht dem gemeinsamen Auftrag.

Einen Neustart benötigt das sehr komplexe Finanzierungssystem der Krankenhäuser. Hier ist aus Sicht des Krankenhausmanagement mittelfristig ein Systemwechsel notwendig, der aber zügig vorbereitet werden müsse. Dr. Düllings: „Die Krankenhäuser sind Symptomträger eines kranken Systems. In dieser Situation brauchen wir keine gesetzgeberischen Nachbesserungen. Was wir brauchen, ist ein Ende der Unterlassungspolitik und ist der Mut, sich von inzwischen untauglich gewordenen Gesetzen, Regelungen und Instrumenten zu trennen. Aus Sicht unseres Verbandes fehlt bisher ein gemeinsamer Wille, ein gemeinsames Ziel der maßgeblich Beteiligten – ein Masterplan – dafür, wie die Gesundheitsversorgung künftig gestaltet werden und was sie für die Bevölkerung leisten soll. Wir sind an einem Punkt, an dem wir einen Weg zurück zu unseren eigentlichen Aufgaben und zu einer Verminderung der Komplexität unseres Gesundheitssystems finden müssen. Das kann nur gelingen, wenn wir tatsächlich immer die Patienten in den Mittelpunkt stellen. Ein Weiter so wie bisher geht jetzt nicht mehr“, bekräftigte er.

Der 42. Deutsche Krankenhaustag findet zeitgleich im Rahmen der weltgrößten Medizinmesse Medica vom 18. bis zum 21. November in Düsseldorf statt. Rund 1600 Teilnehmer werden sich in Vorträgen, Diskussionsrunden, und Workshops des Krankenhaustags sowie in vielen individuellen Gesprächen mit allen Facetten des Hauptthemas beschäftigen: „Krankenhäuser im Reform-Marathon“.

Quelle: VKD

0

“Als Landesvorsitzende möchte ich mit gutem Beispiel vorangehen.”

Berlin/Potsdam – „Zeigt her Eure Füße!“: 100 Orthopäden und Unfallchirurgen aus Deutschland unterstützen anlässlich der zehnten Aktionswoche Orthofit dieses Motto und besuchten vom 10. bis 15. November Kitas, Grundschulen und Sportvereine in ganz Deutschland. Sie erklärten ca. 7000 Schülerinnen und Schüler ihre kleinen Wunderwerke aus je 26 Knochen und zeigten, was man für die eigene Fußgesundheit tun kann. An der Berliner Conrad-Grundschule sprangen und tanzten die Kinder mit Entertainer Christian Bahrmann. Er unterstützt die Aktion seit vielen Jahren. Dr. Ulrike Evemarie Fischer, seit 2017 Landesvorsitzende des BVOU-Brandenburgs und Fachärztin für Orthopädie, engagierte sich in diesem Jahr erstmalig bei der Aktion Orthofit. Warum, erläutert sie im Gespräch.

Frau Dr. Fischer, wo und wie haben Sie die Aktion Orthofit durchgeführt?

Ich habe die Grundschule am Pappelhain in Potsdam mit Unterstützung zusammen mit meiner Arzthelferin und Herrn Kuno aus der BVOU-Geschäftsstelle besucht. Insgesamt haben wir 65 Kinder der ersten Klassen spielerisch über Fußgesundheit aufgeklärt. Durch Springen, Hüpfen, Tasten, Fühlen in einem Barfußpfad und über einen Balance-Parcours haben die Schülerinnen und Schüler kindgerecht und mit viel Freude ihre Füße spüren können. Kalte und glatte Kieselsteine, weiche Wolle, piekendes Holz, krümeliger Sand und rundes Tongranulat waren für die Kinder ein interessantes Erlebnis. Und für mich war es eine neue Erfahrung, die mit großem Spaß und Kinderlachen verbunden war.

Apropos neue Erfahrung: Sie haben sich erstmalig an der Aktion beteiligt. Was hat Sie zur Teilnahme motiviert?

Meine Motivation zur Teilnahme an der diesjährigen Aktion Orthofit “Zeigt her Eure Füße” wurde durch die Kinder bestärkt. Kinder sind unsere Zukunft. Unsere Fachbezeichnung setzt sich aus den Wörtern “ortho” und “pädie” zusammen, was so viel bedeutet wie “aufrecht” und “erziehen”. Hier müssen wir also ansetzen und uns frühzeitig mit den Fehlbildungen und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates befassen. Die Prophylaxe von Krankheiten und das Erkennen von behandelbaren Störungen ist unser Anliegen in Orthopädie und Unfallchirurgie. Aufklärung gehört zur täglichen Arbeit in meiner orthopädisch-konservativen Praxis. Ich möchte als BVOU-Landesvorsitzende mit gutem Beispiel vorangehen und hoffe, dass sich so noch mehr BVOU-Mitglieder aus unserem Landesverband und darüber hinaus für die Kampagne einsetzen.

Was empfanden Sie als besonders positiv bei dem Aktionstag?

Positiv finde ich, dass wir Ärzte in O und U durch die Aktion “Orthofit – zeigt her Eure Füße” eine große Anzahl von Menschen erreichen. Die Kinder erleben die Kampagne spielerisch in der Schule, durch Info-Materialien sowie Urkunden über die Teilnahme, berichten sie zu Hause ihren Eltern über diese tollen Erfahrungen und tragen die Inhalte so weiter. Das verbessert die Aufklärung in der Bevölkerung zu orthopädischen Themen. Denn die Aufklärung von Kindern und Erwachsenen über Fußgesundheit ist heutzutage wichtiger denn je. Im Zeitalter von Digitalisierung und Technisierung ist Bewegung im Alltag nicht mehr selbstverständlich. Deshalb sehe ich eine große Bedeutung in unserer Kampagne. Für mich steht fest, ich engagiere mich nächstes Jahr wieder.

Frau Dr. Fischer, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Janosch Kuno , Presse- und Öffentlichkeitsarbeit BVOU.

0
Telematikinfrastruktur

Gematik: So schließen Sie sich sicher an die TI an

Berlin – Der Konnektor verbindet die IT-Systeme medizinischer Einrichtungen sicher mit der Telematikinfrastruktur. Richtig installiert, werden Patientendaten in der Praxis sogar effektiver als bisher geschützt. Denn der Konnektor besitzt – neben notwendigen Funktionen eines Routers – vor allem Sicherheitsfunktionen wie beispielsweise eine Firewall. Diese blockiert jede eingehende Verbindung aus der Telematikinfrastruktur in die Arztpraxis und kann auch die Verbindung ins Internet sichern.

Die überwiegende Mehrheit der Arztpraxen hatte bereits vor der Konnektor-Installation einen Zugang zum Internet. Ein zusätzlich parallel installierter Konnektor ändert nichts am Schutzniveau des bestehenden Internetzugangs. Aber auch ein „in Reihe“ installierter Konnektor ersetzt keine der üblichen Maßnahmen, die jeder Internetnutzer selbst ergreifen muss, um sich sicher im Internet zu bewegen.

Jeder Arzt ist im normalen Praxisalltag für die Sicherheit seiner Praxis-IT selbst verantwortlich – unabhängig von einer Reihen- oder Parallelinstallation. Das größte Einfallstor für dortige Sicherheitsrisiken ist eine unsichere Internetnutzung kombiniert mit Rechnern, deren Software nicht auf dem aktuellen Stand ist. Kommt der Arzt dieser Verantwortung nicht oder nur unzureichend nach, verstößt er gegen geltendes Recht, z.B. die Datenschutzgrundverordnung.

Fakt ist: Gelangt Schadsoftware wie Viren und Trojaner in das IT-System einer Arztpraxis, wird das nicht durch einen parallel installierten Konnektor verursacht, sondern durch mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen der Praxis-IT kombiniert mit einer möglicherweise unbedachten Internetnutzung.

Sichere Anschlussvarianten an die TI

Gematik und KBV haben Merkblätter veröffentlicht, die die empfohlenen Anschlussvarianten an die TI erklären und darstellen, wie die TI zur Erhöhung der Sicherheit der Praxis-IT führt. Diese finden Sie hier.

Quelle: gematik

0

Nur die Kammern können Jamedas Hase-und-Igel-Spiel beenden

Berlin – Zum zweiten Mal nach dem BGH-Urteil vom Februar 2018 retuschiert Jameda seine Web-Page durch kosmetische Veränderungen, um dem Urteil eines Gerichtes auszuweichen. Aktuell wurde beim Kölner OLG zwei Zahnärzten rechtgegeben, die sich aus dem Portal löschen lassen wollten, weil es nicht neutral ist. Um es kurz zu machen:

  1. Jamedas „Bewertungs“-Portal hat zahlende Kunden und nicht zahlende Zwangsteilnehmer.
  2. Nichts ist einfacher als Bewertungsdurchschnitte – nur auf die kommt es an – zu Gunsten zahlender Kunden zu manipulieren. Jameda trifft die Entscheidung selbst, welche Negativbewertung unzulässig ist, z.B. weil es sich um eine Tatsachenbehauptung oder um eine Schmähkritik handelt. Jameda entscheidet selbst wessen Positivbewertung einer kritischen Prüfung unterzogen und gegebenenfalls gelöscht wird.
  3. Parteilichkeit zu Gunsten zahlender Kunden ist im Geschäftsinteresse des Portals, das von diesen Kunden lebt.
  4. Eine 6500-Fall-Statistik der ZEIT von Februar 2018 hat klar und deutlich gezeigt, dass zahlende Kunden besser abschneiden, als Zwangsteilnehmer.

Individuellen Klagen von Kollegen wegen mangelnder Neutralität kann Jameda ausweichen, indem es bereits im Vorfeld geringfügige Änderungen vornimmt und dann erklärt, das jeweilige Urteil bezöge sich auf eine veraltete Version des Web-Auftrittes. Ein unwürdiges Hase-und-Igel-Spiel beginnt, bei dem das Portal nur gewinnen kann nach dem Motto: „Ick bün all hier“. Seit Wolfgang Büschers Artikel „Soziale Medien, Bewertungsplattformen & Co“ von 2017 ist der rechtliche Aspekt hinlänglich geklärt. Büscher war nicht nur BGH-Vorsitzender bis Ende vorletzten Jahres, er ist auch ausgewiesener Experte des Lauterkeitsrechts. In seinem wegweisenden Artikel macht er klar, dass die Kombination von Werbung, Bewertung und Zwangslistung mit dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb unvereinbar ist, dass eine solche Kombination rechtswidrig ist. Auch mit der DSGVO ist eine solche Kombination unvereinbar, die letztlich auf eine „Schutzgelderpressung“ unserer Kollegen sensu Anja Wilkat hinausläuft nach dem Motto: „Wer zahlt gewinnt“. Das Lauterkeitsrecht kann aber von einzelnen Klägern – also auch Ärzten/Zahnärzten – nicht in Anspruch genommen werden, denn es erfordert eine „Verbandsklage“, wie sie von den Kammern geführt werden könnte. Es stellt sich also zwingend die Frage, weshalb sich die Kammern in dieser Sache zurücknehmen, obwohl es doch um so etwas Grundlegendes wie die Korrumpierung der gesamten Ärzte- und Zahnärzteschaft der Bundesrepublik geht. In dem Clearingverfahren von 2011 haben BÄK und KBV sogar Werbung für Jameda gemacht und die Note „gut“ erteilt, obwohl doch klar sein musste, worauf ein solches Geschäftsmodell hinausläuft. Möglicherweise liegt diesem hochgradig erklärungsbedürftigen Verhalten ein Interessenkonflikt im Aufsichtsrat der apoBank zu Grunde. Dort sitzen zahlreiche Spitzenvertreter des Gesundheitswesens im Aufsichtsrat. Die apoBank erhält seit Jahren Top-Rankings der Burda-Tochter Focus Money, was der Bank sicher erhebliche finanzielle Vorteile verschafft. Auch Jameda ist eine Burda-Tochter, so dass sich die Frage aufdrängt, ob es eine Absprache gibt nach der Devise: „Eine Hand wäscht die andere. Die eine Firmentochter erteilt euch Top-Rankings, ihr haltet die Kritik an der anderen Firmentochter klein, indem ihr auf eine Verbandsklage wegen Verletzung des Lauterkeitsrechts verzichtet und die Ärzte mit Jameda Hase-und-Igel spielen lasst.“ Eine solche Klage wäre die einzige Möglichkeit, dem Spuk ein Ende zu bereiten.  Die Kammervorsitzenden mögen sich doch selbst zu der Angelegenheit äußern.

Dr. Peter Gorenflos, MKG

1+

Jameda: Ausgestaltung des Bewertungsportals in Teilen unzulässig

Köln – Zwei Ärzte haben erfolgreich das Online-Bewertungsportal Jameda auf Löschung des ohne ihr Einverständnis angelegten Profils verklagt. Der 15. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Köln hat entschieden, dass mehrere frühere bzw. aktuelle Ausgestaltungen der Plattform unzulässig sind.

Mit ihnen verlasse Jameda die zulässige Rolle des „neutralen Informationsmittlers“ und gewähre den an die Plattform zahlenden Ärzten auf unzulässige Weise „verdeckte Vorteile“. Andere von den Ärzten gerügte Funktionen seien dagegen zulässig. Der Senat beanstandete insbesondere, dass auf dem ohne Einwilligung eingerichteten Profil des Klägers bzw. der Klägerin (sog. „Basiskunden“) auf eine Liste mit weiteren Ärzten verwiesen wurde, während auf den Profilen der Ärzte, die Beiträge an die Plattform bezahlen (sog. „Premium-“ oder „Platinkunden“), ein solcher Hinweis unterblieben ist. Unzulässig sei ebenfalls, dass die zahlenden Ärzte in Auflistungen mit Bild dargestellt wurden, während bei den anderen Ärzten nur ein grauer Schattenriss zu sehen ist. Dasselbe gelte für den Verweis auf Fachartikel von zahlenden Ärzten, während auf den Profilen von sog. Platinkunden ein solcher Verweis unterbleibt. Schließlich sei auch der Hinweis auf eine Liste mit Ärzten für spezielle Behandlungsgebiete unzulässig, der ebenfalls auf den Profilen zahlender Ärzte nicht zu sehen ist.

Anders als das Landgericht, das in erster Instanz die gesamte Ausgestaltung der Plattform für unzulässig gehalten hatte, hat der Senat die verschiedenen Funktionen einer Einzelfallbetrachtung unterzogen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes sei entscheidend, ob die Plattform ihre grundsätzlich geschützte Position als „neutrale Informationsmittlerin“ dadurch verlassen habe, dass sie den zahlenden Kunden „verdeckte Vorteile“ zukommen lasse. Das sei der Fall, wenn die ohne ihre Einwilligung aufgenommenen Basiskunden auf dem Portal als „Werbeplattform“ für Premiumkunden benutzt würden und letzteren durch die Darstellung ein Vorteil gewährt werde, der für die Nutzer nicht erkennbar sei. Dann diene das Portal nicht mehr allein dem Informationsaustausch zwischen (potentiellen) Patienten. In diesem Fall müssten Ärzte nicht hinnehmen, ohne ihre Einwilligung als Basiskunden aufgeführt zu werden.

Mit den vorbeschriebenen Funktionen verlasse das Portal die Funktion als „neutraler Informationsmittler“. Im Einzelnen:

Der mittlerweile abgeschaffte Button, mit dem auf dem Profil der Basiskunden, „weitere“ Ärzte in der näheren Umgebung angezeigt worden seien, bei Premiumkunden dagegen nicht, habe den unzutreffenden Eindruck erweckt, die Premiumkunden hätten keine örtliche Konkurrenz. Der bei Basiskunden eingeblendete Button sei als „Absprungplattform“ auf die Profile anderer Ärzte anzusehen. Für die Nutzer sei nicht deutlich gewesen, aus welchem Grund bei einem Basisprofil ein Verweis auf örtliche Konkurrenz eingeblendet worden sei, nicht jedoch bei einem Premiumprofil.

Auch wenn die Plattform den Button zwischenzeitlich abgeschafft habe, könne sie zur Unterlassung verurteilt werden, da Wiederholungsgefahr bestehe.

Auch die unterschiedliche bildliche Darstellung zwischen Basis- und Premiumkunden in Auflistungen stelle – anders als bei der bildlichen Darstellung auf den einzelnen Profilen – einen verdeckten Vorteil dar. Dadurch werde ein erhebliches „optisches Gefälle“ zwischen Basiskunden und Premiumkunden erzeugt, womit die Plattform im Vorfeld der endgültigen Arztwahl lenkend in den Wettbewerb zwischen den örtlichen Konkurrenten eingreife. Ebenfalls sei ein unzulässiger verdeckter Vorteil, dass die Nutzer auf dem Profil von Basiskunden auf Fachbeiträge von anderen Ärzten hingewiesen würden, was bei Platin-Kunden unterbleibe. Dies erwecke bei den Nutzern den unzutreffenden Eindruck, Basiskunden wollten oder könnten keine entsprechenden Fachartikel veröffentlichen. Tatsächlich könne diese Funktion aber nur bei Buchung eines Premiumpakets durch den Arzt genutzt werden. Jedenfalls wenn die eingeblendeten Artikel von zahlenden Ärzten stammten, die in einer Entfernung von bis zu 100 km zu nicht zahlenden Ärzten praktizierten, ergebe sich eine mögliche Konkurrenzsituation.

Schließlich sei auch der Hinweis auf dem Profil der Basiskunden auf Ärzte mit speziellen Behandlungsgebieten auf demselben Fachgebiet ein unzulässiger verdeckter Vorteil. Durch den Hyperlink könne beim Nutzer der Eindruck entstehen, dass der Arzt möglicherweise nicht ausreichend qualifiziert sei, weil auf seinem Profil auf weitere Kollegen für das „spezielle“ medizinische Fachgebiet verwiesen werde, wohingegen bei Premiumkunden kein Verweis die Patienten dazu animieren könnte, die Suche nach einem möglichst qualifizierten Arzt fortzusetzen.

Rechtlich hat der Senat den Anspruch der Kläger auf Löschung des ohne Einwilligung eingerichteten Profils bzw. auf Unterlassung der konkreten Verletzungsformen jeweils auf §§ 823 Abs. 2, 1004 BGB analog in Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 f) DSGVO gestützt. Er hat in diesem Zusammenhang entschieden, dass die Bewertungsplattform sich nicht auf das sog. Medienprivileg der Datenschutzgrundverordnung (Art. 85 Abs. 2 DSGVO) stützen kann. Das Geschäftsmodell der Plattform könne nicht als eigene meinungsbildende Tätigkeit aufgefasst werden, sondern allenfalls als ein Hilfsdienst zur besseren Verbreitung von (Dritt-)Informationen. Andere Funktionen des Portals, wie etwa die Möglichkeit von Premiumkunden, auf dem Profil in größerem Umfang die angebotenen ärztlichen Leistungen anzugeben als bei Basiskunden, hat der Senat dagegen nicht beanstandet. Insoweit hat der Senat auf die erfolgreiche Berufung der Bewertungsplattform die Klagen der beiden Kläger abgewiesen. Der Senat hat die Revision für beide Seiten in beiden Verfahren zugelassen, da die Frage, in welchen Fällen eine Bewertungsplattform die Rolle als „neutrale Informationsmittlerin“ verlässt, in der höchstrichterlichen Rechtsprechung bisher nicht vollständig geklärt sei und für eine Vielzahl künftiger Verfahren Bedeutung haben werde. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 20.02.2019 (VI ZR 301/17) habe sich lediglich auf einen Einzelfall der Gestaltung der Bewertungsplattform bezogen.

Quelle: Oberlandesgerichts Köln, Pressestelle

0