Archiv für den Monat: Juni 2017

Niedrige Schadenquote in Medizin nicht angemessen kommuniziert

Berlin – Dr. Jörg Ansorg, Geschäftsführer des BVOU, ist der Auffassung, dass die sehr niedrige Zahl an Behandlungsfehlern in Deutschland nicht korrekt vermittelt wird. Er bezieht sich damit auf die aktuellen Daten des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS). „Im Jahr 2016 waren es mit 3.564 festgestellten Fehlern rund 500 Schäden weniger als 2015. Das ist ein Rückgang um 12 Prozent, was unter anderem auf die gesteigerten Maßnahmen zur Risikoreduktion und Schadenprävention zurückzuführen ist“, betonte er.

Ansorg wies auf die Relationen insgesamt hin: „Setzt man die festgestellten Schäden durch Behandlungsfehler ins Verhältnis zu den ca. 600 Mio. Gesamtbehandlungen im Jahr 2016, ergibt sich eine Schadenquote von ca. 6 mal 10-6. Das heißt, ein Schaden kommt auf ca. 150.000 Behandlungen.“

„Damit sind wir in der Medizin noch weit von der Luftfahrt entfernt, die als Ziel eine Schadenquote von kleiner 10-8 ausgibt. Aber ganz so schlecht, wie immer suggeriert wird, sind deutsche Ärzte und Pflegekräfte eben auch nicht“, so der BVOU-Geschäftsführer. „Und Behauptungen, wonach jeder 10. Patient im deutschen Gesundheitssystem einen Schaden erleidet oder Opfer von Ärztepfusch wird, sind völlig aus der Luft gegriffen. Ebenso wie die Behauptung, dass jährlich im Krankenhaus 20.000 Patienten durch Fehler getötet würden.“

Trotz aller Statistik und trotz aller Verbesserungen, die Ärzte und Pflegekräfte gemeinsam bei der Patientensicherheit in den letzten Jahren erreicht hätten, sei jeder Patientenschaden einer zu viel. Es gehe immer um das Leid und das Schicksal eines einzelnen Menschen und seiner Angehörigen. „Deshalb bemühen sich Ärzte und Pflegekräfte täglich mit einer Vielzahl von Maßnahmen um die Vermeidung jedes einzelnen Patientenschadens. Und in diesem Kontext sind 500 Schäden weniger als im Vorjahr eine Erfolgsmeldung, die jedem Arzt und jeder Pflegekraft zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Dies gilt im Besonderen für die Orthopädie und Unfallchirurgie“, betont Ansorg.

Vor kurzem hatte auch Dr. Günther Jonitz, Vorsitzender des Ausschusses Qualitätssicherung bei der Bundes­ärzte­kammer und Mitinitiator des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, die Einordnung der jüngsten Daten kritisiert. „Der Medizinische Dienst besetzt das Thema Patientensicherheit negativ – das ist ein Rückschritt“, urteilte er.

DKOU 2017: Frühbucherrabatt für Mitglieder

Berlin Bisher war es möglich, Mitgliedern kostenfrei Zugang zum DKOU zu gewähren. Nichtmitglieder haben einen Kongressbeitrag von 360 Euro für die Dauerkarte entrichtet. Die Gebühren für Mitglieder und Nichtmitglieder sind unter den sich ändernden Rahmenbedingungen ab 2017 zur nachhaltigen Finanzierung des Kongresses erforderlich.

Nun kostet die Dauerkarte für Mitglieder im Frühbuchertarif nur 50 Euro bis zum 15.08.2017, dann bis zum 15.10.2017 100 Euro und vor Ort 150 Euro. Es lohnt sich also besonders, sich frühzeitig für den Kongress zu registrieren!

Die komplette Gebührenstruktur können Sie folgender Tabelle entnehmen.

Bei der Kalkulation der neuen Gebührenstruktur wurde darauf geachtet, eine nachhaltige Finanzierung des Kongresses zu gewährleisten. So kann auch in Zukunft die hohe Qualität und finanzielle Unabhängigkeit des Kongresses erhalten werden. Wir sind sicher, dass Sie dies genau wie wir schätzen und unterstützen. Der DKOU findet dieses Jahr vom 24. bis 27. Oktober in Berlin statt.

Zahl der Unfalltoten in Deutschland leicht gestiegen

Dortmund – Fast 25.000 Unfalltote und rund 10 Millionen Unfallverletzte gab es 2015 in Deutschland. Diese Hochrechnung veröffentlichte kürzlich die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) mit dem Faktenblatt „Unfallstatistik 2015“. Der Großteil der Unfälle ereignete sich in der Freizeit sowie im häuslichen Bereich.

Während die Zahl der Unfallverletzten in 2015 mit insgesamt 9,73 Millionen leicht zurückging (- 40.000), stieg die Zahl der tödlich Verunglückten um knapp 2.000 auf insgesamt fast 25.000 an. Dabei gab es in den Bereichen Verkehr (3.633), Arbeit (480) und Schule (21) nur geringfügige Änderungen. Hingegen stiegen die tödlichen Unfälle in der Freizeit (10.628) sowie im häuslichen Bereich (9.816) mit einem Zuwachs von rund 10 Prozent deutlich an. Insgesamt erlitten 2015 rund 12 Prozent der Bevölkerung Deutschlands oder rund jeder Achte eine Unfallverletzung, etwa 0,03 Prozent verstarben aufgrund eines Unfalls.

Fast 40 Prozent aller Unfälle ereigneten sich laut der Statistik in der Freizeit (3,89 Millionen). Zu den Unfällen in diesem Bereich zählt die BAuA auch sogenannte Alleinunfälle auf öffentlichen Verkehrswegen. Dazu gehören beispielsweise ein Sturz mit dem Fahrrad oder der Stolperunfall an der Bordsteinkante, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer verwickelt sind. Der häusliche Bereich folgt mit 3,15 Millionen Unfallverletzten auf Platz zwei. Im schulischen Bereich ereigneten sich insgesamt 1,3 Millionen Unfälle. Einen Arbeitsunfall hatten etwa 1 Million Beschäftigte. Die wenigsten Unfälle wurden im Bereich Verkehr verzeichnet. Hier erlitten insgesamt 0,39 Millionen Menschen einen Unfall.

Da in Deutschland Unfälle nicht einheitlich erfasst werden, greift die BAuA auf veröffentlichte Unfallzahlen aus unterschiedlichen Statistiken zurück oder rechnet die Zahlen anhand dieser Datensätze hoch. In die Statistik flossen unter anderem Daten aus der Todesursachenstatistik, der Straßenverkehrsunfallstatistik, den Statistiken der gesetzlichen Unfallversicherungsträger sowie aus Datensätzen des Robert Koch-Institutes zum Unfallgeschehen in Heim und Freizeit ein.

Quelle: BAuA

Faktencheck Rücken: Wackelige Datenbasis, wackelige Ergebnisse

Stellungnahme von DGOU und BVOU

Berlin – Zu der heute von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten Publikation „Faktencheck Rücken – Rückenschmerzbedingte Krankenhausaufenthalte und operative Eingriffe“ nehmen die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) wie folgt Stellung:

Die Datenlage der aktuellen Publikation ist unzureichend – wie auch schon in der vorherigen Publikation der Serie Faktencheck Gesundheit zum Thema „Rückenschmerzen“ (DGOU-/BVOU-Stellungnahme). Die Studie entspricht einer niedrigen Evidenz und basiert damit auf einem niedrigen wissenschaftlichen Niveau. Sie ist somit wenig hilfreich in der Diskussion um regionale Unterschiede bei der Behandlung von Rückenbeschwerden.

Im Zentrum der Studie steht die unterschiedlich hohe Anzahl von Operationen in den verschiedenen Kreisen Deutschlands. Die Autoren der Bertelsmann-Publikation behaupten u.a., dass der Wohnort bestimme, „ob Patienten ins Krankenhaus kommen, konservativ behandelt oder operiert werden“. Bei den Klinikaufenthalten und Operationen am Rücken unterschieden sich die Fallzahlen der Kreise bis zum 13-Fachen. Dabei habe sich die Zahl der operativen Eingriffe an der Wirbelsäule seit 2007 um 71 Prozent erhöht.

Eine große Schwachstelle der Studie ist nach Ansicht der DGOU- und BVOU-Experten, dass die Autoren übersehen haben, dass bei einer Wirbelsäulen-Operation mehrere OP-Schlüssel vergeben werden können, so dass die Zahl der OP-Schlüssel nicht gleich der Zahl der Operationen ist. So könnte eine Ursache für die regionalen Unterschiede ein unterschiedliches Verschlüsselungsverhalten der Ärzte in unterschiedlichen Regionen sein.

DGOU- und BVOU-Experten geben zu bedenken, dass Operateure bei einem Eingriff an der Wirbelsäule entweder die einzelne Diagnose codieren können oder die einzelnen Schritte einer Operation – dabei können mehr als 10 Maßnahmen innerhalb einer Operation erfasst werden. Beides ist in der Praxis möglich. Jedoch dürfen Operationen mit unterschiedlichen Codierungsmethoden bei wissenschaftlichen Analysen nicht miteinander verglichen werden. Andernfalls entstehen falsche Rückschlüsse, die nicht der realen Versorgungssituation entsprechen. Dies ist bereits im Versorgungsatlas der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC) in Zusammenarbeit mit dem AOK-Bundesverband festgestellt worden.

Die DGOU beschäftigt sich sehr intensiv mit den regionalen Unterschieden bei Wirbelsäulen-Operationen und hat dazu mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine groß angelegte Studie mit einem aufwändigen Studiendesign angestoßen: „DEWI – Determinanten bei der Versorgung von Patienten mit Wirbelsäulenoperation“. Das Vorhaben wird vom Innovationsfonds gefördert. Dabei wollen die Experten der Frage auf den Grund gehen, wie Versorgungsunterschiede zustande kommen und wo die Ursachen dafür liegen könnten.

Statement von Professor Dr. Bernd Kladny, Stellvertretender Generalsekretär der DGOU:

„Es gibt derzeit keine verlässliche Datengrundlage, die den regionalen Unterschied bei der Behandlung von Rückenbeschwerden erklären kann. Deswegen haben wir eine Studie angestoßen, die erforscht, welche Faktoren die Häufigkeit von Wirbelsäulenoperationen bedingen. Dies geschieht auf hohem wissenschaftlichen Niveau und nicht auf Grundlage einer nicht belastbaren Datenbasis.“

Statement von Dr. Johannes Flechtenmacher, Präsident des BVOU:

„Die Angaben der Bertelsmann-Autoren sind inkonsistent. Nur ein Beispiel: Im Jahr 2015 finden die Autoren 772.000 Wirbelsäulen-Operationen bei nur 611.000 Aufnahmen mit der Diagnose Rückenschmerz in Kliniken. Von diesen aufgenommenen Patienten blieben anderen Angaben in der Studie zufolge viele nur zwei oder drei Tage im Krankenhaus und wurden gar nicht operiert. Die Problematik der unterschiedlichen OP-Verschlüsselung wurde ganz offensichtlich nicht erfasst. Vermeintliche regionale Versorgungsunterschiede könnten deshalb in Wirklichkeit regionale Unterschiede in den Verschlüsselungen sein. Wenn allerdings schon die Datenbasis wackelig ist, dann sind es sicher auch die Schlussfolgerungen. Wer zielführende Erkenntnisse erhalten will, muss zudem Ärztinnen und Ärzte in Studienanalysen einbinden, die täglich Patientinnen und Patienten versorgen.“

Statement von Dr. Burkhard Lembeck, Landesvorsitzender Württemberg des BVOU:

„Der Ansatz der Bertelsmann Stiftung wird leider der Komplexität des Themas nicht gerecht. Der BVOU hat in Kooperation mit der AOK Baden-Württemberg eigene Analysen der stationären Rückenschmerzversorgung durchgeführt. Es zeigen sich tatsächlich regionale Unterschiede, und zwar auf Basis von DRG-Daten und nicht auf Basis von Operationszahlen (ICPM-Daten). ICPM steht für Internationale Klassifikation der Prozeduren in der Medizin. Eine angebotsinduzierte Nachfrage spielte der Analyse in Baden-Württemberg nach nur zum Teil eine Rolle. Auffällig war die große Nachfrage nach stationärer Versorgung im ländlichen Raum und überall da, wo eine ambulante orthopädische Versorgung in ausreichendem Maß fehlt.“

 Mehr Informationen:

1) www.bertelsmann-stiftung.de/studie-faktencheck-ruecken

2) www.bertelsmann-stiftung.de/spotlight-faktencheck-ruecken

Kontakt für Rückfragen:

Sabine Rieser
Leitung Kommunikation und Pressearbeit
Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU e.V.)
Straße des 17. Juni 106 – 108, 10623 Berlin
Telefon: +49 (0)30 797 444 51
Fax +49 (0)30 797 444 45
E-Mail: sabine.rieser@bvou.net
URL: www.bvou.net

Susanne Herda, Swetlana Meier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU)
Straße des 17. Juni 106-108
10623 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 – 340 60 36 -06 oder -00
Fax: +49 (0) 30 – 340 60 36 21
E-Mail: presse@dgou.de
URL: www.dgou.de

Methoden zur Nutzenbewertung von Medizinprodukten

Berlin – „Es geht an der Nutzenbewertung von Medizinprodukten kein Weg vorbei. Allerdings ist die Methodik noch nicht vollständig entwickelt. Insbesondere vermisst man die durchgängige Transparenz, was den Nutzenwert und die Vergütung betrifft. Auch scheinen die Integration des Patienten mit seinen Präferenzen und der Wert für den Anwender unvollständig“, erklärte Prof. Schachtrupp, Geschäftsführer der B. Braun-Stiftung auf dem 3. Plenum der Veranstaltungsreihe zum Wert von Medizinprodukten: „Transparent, patientennah, zeitkritisch – Die Nutzenbewertung von Medizinprodukten“ am 10. Mai.

Auf Einladung der B. Braun-Stiftung und der Hochschule Neubrandenburg diskutierten Entscheider bei der Veranstaltung im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin über den Paragraphen 137 h SGB V.

Zweifel an Evidenzkriterien

Kritik an der Nutzenbewertung von Untersuchungs- und Behandlungsmethoden mit Medizinprodukten hoher Klassifikation kam vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Dr. Ulrich Orlowski, Leiter Gesundheitsversorgung, Krankenversicherung beim BMG, zweifelt mit Blick auf die ersten Verfahren an den Evidenzkriterien. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G- BA) habe gerade die ersten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden von Medizinprodukten nach 137 h bewertet und nur zweien das Potenzial einer „Behandlungsalternative“ zugesprochen. Orlowski machte deutlich, dass der Gesetzgeber Patienten nicht von Innovationen ausschließen wolle. Mit dem neuen NUB-Verfahren habe er aber nur noch Zugang zu stationären Methoden mit nachgewiesenem Nutzen bzw. Potenzial. „Wird durch die Risikoabwägung nicht dem Patienten die Teilhabe an Innovation verwehrt?“, fragte er provokant.

Alternative „adaptive Nutzenbewertung“

Generell besteht Uneinigkeit hinsichtlich der Evidenzgewinnung. So halten das Institut für Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und der G-BA an randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) für die Nutzenbewertung fest, obwohl internationale Vergleiche Alternativen aufzeigen. Eine davon stellt die „adaptive Nutzenbewertung“ dar, die Prof. Axel Mühlbacher von der Hochschule Neubrandenburg in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der B. Braun-Stiftung entwickelt hat. Hierbei baut sich in einem dynamischen Prozess Evidenz auf, initiale Zulassungen ermöglichen den schnellen Zugang für kleine Patientengruppen, mit weiterer Evidenzgenerierung kann schließlich eine Vollzulassung erreicht werden. Mühlbacher argumentiert, dass die alleinige Berücksichtigung traditioneller klinischer Studiendesigns mit dem Referenzstandard der randomisierten kontrollierten Studien nicht ausreichen, um die Komplexität heutiger Versorgungsentscheidungen mit mehreren klinischen Endpunkten abzubilden.

Auch Prof. Dirk Stengel vom Unfallkrankenhaus Berlin beobachtet in der internationalen Biostatistik ein allmähliches Abrücken vom „Mantra“ der RCTs. Er sieht ein Defizit in Deutschland bzw. Europa im methodischen Beratungsangebot seitens der zuständigen Institutionen. Für Hersteller sei es oft unklar, welche klinischen Daten mittels welcher Designs erhoben werden sollten oder müssten, um die Leistungsfähigkeit, die Effektivität und in der Endstrecke den Nutzen eines Medizinproduktes zu definieren, erklärte Stengel.

Dazu ergänzte Dr. Edith Pfenning, im G-BA für Methodenbewertung und veranlasste Leistungen zuständig: „Nur bei seltenen Erkrankungen oder Versorgungslücken kann der G-BA vom Standard der höchsten Evidenz abweichen.“

Bei positiver Bewertung durch den G-BA haben Krankenhäuser Anspruch auf Abschluss einer Vergütungsvereinbarung in drei Monaten, rückwirkend zum Zeitpunkt der Antragstellung. Ist das Ergebnis negativ, besteht aber „das Potenzial einer erforderlichen Behandlungsalternative“, folgt eine Erprobung der Methode durch das Krankenhaus.

Forschungsprojekt abgeschlossen

Die dritte Plenumsveranstaltung mit über 130 Teilnehmern beendet das zweijährige Forschungsprojekt zum Wert von Medizinprodukten, das die Hochschule Neubrandenburg gemeinsam mit der B. Braun-Stiftung durchgeführt hat. Die Forschungsergebnisse werden jetzt ausgewertet. „Es ist gelungen, die wesentlichen Akteure zusammenzubringen und das Verbesserungspotenzial aufzuzeigen.“ sagte Prof. Alexander Schachtrupp, Geschäftsführer der B. Braun-Stiftung.

Für das nächste Jahr sind über das Forschungsprojekt hinaus weitere Veranstaltungen geplant.

Autor: B. Braun-Stiftung

Endoprothetik: DGOU und DGOOC für Mindestmengen

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) haben zu der aktuellen Diskussion um die Versorgungsqualität im Bereich der Endoprothetik Stellung genommen. Neben personenbezogenen Mindestmengen für Operateure empfehlen die Fachgesellschaften unter anderem festgelegte Behandlungspfade für Krankenhäuser, um die Versorgung weiter zu verbessern.

Die Qualifikation der Operateure und der Krankenhäuser sowie die Qualität der verwendeten Implantate seien von zentraler Bedeutung für eine sichere und hochwertige Durchführung der hochkomplexen endoprothetischen Eingriffe. Dabei müsse der ständig wachsende Anspruch an die Funktion eines Kunstgelenkes durch immer weiter verfeinerte Operationstechniken realisiert werden, so die Stellungnahme. Kunstgerecht ausgeführt, resultiere nahezu immer eine hohe Zufriedenheit der Patienten.

Zur Sicherstellung einer weiter gesteigerten Versorgungsqualität und Patientensicherheit empfehlen die Unterzeichner Mindestmengen und definierte Behandlungspfade für die Krankenhäuser einerseits und personenbezogene Mindestmengen und Ausbildungsanforderungen für die Operateure andererseits. Die innerhalb des von der DGOOC initiierten Zertifizierungssystems EndoCert festgelegten Anforderungen an die Struktur- und Prozessqualität sollten hierfür als Maßstab dienen. Des Weiteren fordern die Fachgesellschaften eine verpflichtende Teilnahme am Endoprothesenregister Deutschland.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von DGOU und DGOOC

Umweltfreundliche Implantate und Prothesen aus dem 3D-Drucker

Dübendorf – Schweizer Forschern ist es gelungen, eine umweltfreundliche Tinte aus Cellulose-Nanokristallen (CNC) für den 3D-Druck zu entwickeln. Dadurch lassen sich Mikrostrukturen mit neuartigen mechanischen Eigenschaften herstellen, die für Implantate und andere biomedizinische Anwendungen äußerst vielversprechend sind.

Cellulose ist eine der Hauptkomponenten von Holz. Das Biopolymer besteht aus langen, in faserigen Strukturen organisierten Glukoseketten. An einigen Stellen weisen die Cellulosefibrillen eine geordnetere Struktur auf. „Die Stellen mit höherer Ordnung erscheinen in kristalliner Form. Und genau diese Abschnitte benötigen wir für unsere Forschung“, erklärt Gilberto Siqueira aus der Abteilung für Angewandte Holzforschung der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf in der Schweiz.

„Die größte Herausforderung bestand darin, eine visko-elastische Konsistenz zu erreichen, die auch durch die Düsen des 3D-Druckers gepresst werden kann“, sagt Siqueira. Die Tinte muss also zäh genug sein, damit das gedruckte Material auch vor dem Trocknen oder Härten in Form bleibt und nicht sofort wieder zerfließt. Die Lösung der Forscher dafür ist eine CNC-Mixtur auf Polymer- anstelle von Wasserbasis. Diese habe einen entscheidenden Vorteil: Nach dem Drucken und dem Aushärten mittels UV-Bestrahlung hatten sich die CNC mit den Polymerbausteinen quervernetzt, wodurch das Verbundmaterial eine deutlich höhere mechanische Festigkeit aufwies.

Nach den ersten Druckversuchen und der Röntgenanalyse der Mikrostrukturen ist den Forschern aufgefallen, dass sich die CNC im gedruckten Objekt nahezu perfekt in Druckrichtung ausgerichtet hatten. Daraus schlossen sie, dass die mechanische Kraft, mit der die Tinte durch die Druckerdüse gedrückt wird, ausreicht, um diese derart zu ordnen. „Dass man die Ausrichtung der Nanokristalle steuern kann, ist sehr interessant, zum Beispiel, wenn man etwas drucken möchte, das eine spezifische Festigkeit in einer bestimmten Richtung haben soll“, sagt Siqueira.

Hinzu komme, dass die neuartige Tinte aus einem erneuerbaren Material besteht. „Cellulose ist das am häufigsten vorkommende natürliche Polymer der Erde“, erläutert der Forscher. „Es kommt nicht nur in Bäumen, sondern auch in anderen Pflanzen und sogar in Bakterien vor.“

Mögliche Anwendungsgebiete sehen die Schweizer Wissenschaftler zum Beispiel in der Automobilindustrie oder für Verpackungen jeglicher Art. „Das für mich wichtigste Anwendungsgebiet liegt allerdings in der Biomedizin“, so Siqueira, „zum Beispiel für Implantate oder Prothesen.“ Diese Möglichkeiten werden an dem Schweizer Forschungsinstitut derzeit weiter erforscht: „Die Forschung auf diesem Gebiet beginnt gerade erst.“

Quelle: Empa

Private Krankenversicherung PKV

Finanzielle Bedeutung der PKV für deutsches Gesundheitswesen

Köln – Laut dem Wissenschaftlichen Institut der PKV (WIP) ist die finanzielle Bedeutung der Privaten Krankenversicherung (PKV) für das deutsche Gesundheitswesen erneut gewachsen. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Instituts hervor. Demnach lag der Mehrumsatz der Privatversicherten im Jahr 2015 bei 12,63 Mrd. Euro. Dies entspreche einem Plus von 180 Mio. Euro bzw. 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2006 habe der Mehrumsatz damit um fast 30 Prozent zugenommen.

Diese zusätzlichen Finanzmittel im deutschen Gesundheitssystem entstünden deshalb, weil für Privatpatienten die Kosten nach anderen Bedingungen erstattet werden als für gesetzlich Versicherte, so das WIP. Grund dafür ist eine Vielzahl von Begrenzungs- und Steuerungsinstrumenten, die bei der Versorgung von GKV-Versicherten angesetzt werden, während die PKV derartige Mechanismen formal nicht kennt.

„Der Mehrumsatz ermöglicht den Ärzten, Krankenhäusern oder Physiotherapeuten, in medizinisches Fachpersonal, fortschrittliche Behandlungsmethoden und eine moderne Praxisinfrastruktur zu investieren“, so das Institut in einer Pressemitteilung. Die Studie unterstreiche damit die weiter zunehmende Bedeutung der Privatversicherten für die medizinische Infrastruktur.

Den größten Mehrumsatz verzeichnete die ambulante ärztliche Versorgung mit 6,1 Mrd. Euro. Laut WIP bedeutet dies für jede ambulante Arztpraxis durchschnittlich 50.200 Euro Mehreinahmen im Jahr. Die etwa 11 Prozent Privatversicherten in Deutschland sicherten demnach 23,5 Prozent der Praxiseinnahmen aller niedergelassenen Ärzte sowie 21,5 Prozent der Umsätze bei der Heilmittelversorgung.

Die Studie zeige außerdem, dass das Ausgabenwachstum in der PKV niedriger sei als in der GKV. Die Leistungsausgaben der PKV stiegen demnach im Jahr 2015 um 3,3 Prozent, in der GKV um 3,9 Prozent.

Quelle: Wissenschaftliches Institut der PKV

BVOU und AOK Nordost richten „Bewegungstage” aus

Berlin – Die AOK Nordost und der BVOU laden im Juli gleich dreimal zu stadtweiten Großereignissen für Grundschüler ein: In Sportstadien in Frankfurt/Oder, Cottbus und Neubrandenburg wird es einen ganzen Vormittag lang um Bewegung und gesunde Entwicklung gehen. Der BVOU ist als Kooperationspartner mit seiner Aktion Orthofit „Zeigt her Eure Füße“ dabei.

Am 10. Juli 2017 ab 9.00 Uhr gehört das Stadion der Freundschaft ganz den Schulen und Kitas: Kinder von fünf bis zehn Jahren dürfen sich in Begleitung ihrer Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher nach bewegungstherapeutischem Konzept an verschiedenen Stationen auf dem „heiligen Rasen“ einmal richtig austoben. Am 12. Juli ist es dann in Cottbus soweit, am 19. Juli in Neubrandenburg.

Im Vordergrund der Bewegungstage in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wollen die Initiatoren neben der Bewegung die Vermittlung von Grundwerten wie Respekt und Fairness stellen. „Bewegung ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und prägt grundsätzlich deren gesamtes Gesundheits- und Sozialverhalten“, heißt es in der Einladung für die Lehrer, Erzieher und Eltern. „Kinder brauchen Bewegung, um Erfahrungen mit ihrem Körper zu sammeln. Bewegung fördert die Auseinandersetzung mit der Umwelt und stärkt die sozialen Fähigkeiten eines Kindes.“

Vor Ort werden die Veranstaltungen von den gastgebenden Städten und dem Deutschen Sportbund unterstützt. Durch das Programm, das jeweils den ganzen Vormittag dauert, führt der bekannte Fernsehmoderator Christian Bahrmann. Er ist seit Jahren aktiv in die Aktion Orthofit „Zeigt her Eure Füße“ des BVOU eingebunden und hat unter anderem den Titelsong der Kampagne geschrieben sowie einen Tanz zum Song choreografiert.

Eingebunden bei den Vorbereitungen sind neben Prof. Karsten E. Dreinhöfer aus dem BVOU-Vorstand die BVOU-Landesvorsitzenden Dr. Ulf Schneider und Dr. Henning Leunert. In die Bühnenshow von Christian Bahrmann werden Orthopäden beider Landesverbände miteinbezogen und erklären den Kindern, was sie selbst für die gesunde Entwicklung ihrer Füße tun können.

Der BVOU wird mit einer großen Eventfläche präsent sein. Dort werden wir einen Barfußpfad aufbauen sowie einzelne Übungen und Aktivitäten für die Kinder anbieten. Jedes Kind erhält eine Teilnahmeurkunde der Aktion Orthofit mit Fußstempel und empfohlener Schuhgröße. Für jedes Kind gibt es außerdem einen „Hacky Sack“, ein kleiner Ball, mit dem man jonglieren üben kann.

Die Aktion Orthofit „Zeigt her Eure Füße“ ist seit acht Jahren ein Erfolg und steht unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe. Die jährliche Aktionswoche ist fest etabliert und wird von Christian Bahrmann und weiteren Prominenten unterstützt. Sie findet in der letzten Novemberwoche an deutschen Grundschulen, Sportschulen, Kitas etc. statt.

Malwettbewerb zum Thema Bewegung in der Schule

Grundschüler der ersten bis dritten Klasse können sich im Rahmen der Aktion Orthofit „Zeigt her Eure Füße“ zudem bis Ende Juni an einem Malwettbewerb beteiligen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen:
Zum Thema Bewegung in der Schule bringen sie ihre Ideen als Klassen-Gemeinschaftsbild auf Papier. Die fertigen Kunstwerke werden auf der Facebook-Seite „Aktion Orthofit“ und auf Instagram „aktionorthofit“ hochgeladen. Dort können unsere Besucher selbst entscheiden, welches Bild den Malwettbewerb gewinnen wird. Abgestimmt werden kann noch bis 10. Juli. Für die Gewinnerklasse mit den meisten „Likes“ winkt ein Schulbesuch von Christian Bahrmann im Rahmen der Aktionswoche „Zeigt her Eure Füße“.

Digitale Zukunft als Chance für die Medizin

Berlin – Obwohl Ärztinnen und Ärzte beim Einsatz digitaler Anwendungen momentan noch zögerlich sind, sehen viele die Digitalisierung als große Chance für die Gesundheitsversorgung. Das ergab eine Umfrage, die der Digitalverband Bitkom zusammen mit dem Ärzteverband Hartmannbund durchgeführt hat. Demnach ist die Mehrheit der Ärzte der Meinung, dass Arztpraxen und Krankenhäuser ihre Kosten mithilfe digitaler Technologien senken und die Prävention verbessern können.

„Es gibt in der Ärzteschaft eine große Offenheit gegenüber digitalen Technologien, man spürt eine regelrechte Aufbruchstimmung. Die Skepsis der vergangenen Jahre ist einer neuen Offenheit gegenüber digitalen Technologien gewichen. Nun braucht es aber noch mehr Mut und Entschlossenheit, digitale Angebote auch im Praxisalltag zu nutzen“, erläutert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Derzeit liegt Deutschland in Sachen digitale Gesundheit immer noch im grauen Mittelfeld. Die Patientenversorgung wird künftig nur mit digitaler Unterstützung funktionieren.“

Wenn es um die weitere Digitalisierung der Medizin geht, sehen Ärzte auch Wirtschaft und Politik in der Pflicht. So werden laut Umfrage fehlende Mittel für die Umsetzung beklagt, die starke Regulierung des Gesundheitssektors ist oftmals eine Hürde, so die Ergebnisse der Befragung. „Die Digitalisierung und der damit einhergehende Fortschritt lassen sich nicht aufhalten. Im Gegenteil: Unsere Chance ist es nun, die Digitalisierung aktiv zu gestalten und die Chancen für unseren Beruf und die Patienten beherzt und entschlossen zu ergreifen“, sagte Dr. Klaus Reinhardt, Bundesvorsitzender des Hartmannbundes.

Quelle: Hartmannbund