Berlin, 28. Mai 2026 – Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) äußert sich besorgt über die geplante Apothekenreform. Diese sieht vor, präventive, diagnostische und therapeutische Aufgaben, die bislang in ärztlicher Hand lagen, verstärkt in Apotheken zu verlagern.
Der BVOU stellt klar: Dies ist ein Schritt in die falsche Richtung. Die Reform gefährdet die Patientensicherheit, erhöht das Risiko für Fehlbehandlungen und schwächt die bereits stark belasteten ärztlichen Praxen.
„Die geplanten Maßnahmen sind ein klarer Systembruch. Sie gefährden nicht nur die Qualität der Versorgung, sondern schaffen ineffiziente Strukturen, die am Ende weder den Patientinnen und Patienten noch den Ärztinnen und Ärzten helfen“, mahnt Dr. Helmut Weinhart, Vizepräsident des BVOU und Vorstandssprecher.
Ärztliche Verantwortung darf nicht verwässert werden
Die zentrale Rolle der ärztlichen Verantwortung in Diagnostik und Therapie ist unersetzlich. Die geplante Lockerung der Vorschriften – etwa bei der Durchführung von Impfungen, Blutentnahmen oder der Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne ärztliche Verordnung – stellt eine klare Gefährdung der Patientensicherheit dar.
Die medizinische Versorgung erfordert eine umfassende Anamnese, eine differenzierte Diagnostik und die Erfahrung, mögliche Risiken zu beurteilen. Diese komplexen Aufgaben können nicht einfach an Apothekenpersonal delegiert werden.
„Orthopädisch-unfallchirurgische Diagnosen und Therapien erfordern Fachwissen und Erfahrung. Die Vorstellung, dass solche Aufgaben ohne ärztliche Beteiligung ausgeführt werden können, ist schlicht unverantwortlich“, sagt Dr. Anna-Katharina Doepfer, Vizepräsidentin des BVOU.
Patientensicherheit in Gefahr: Fehlbehandlungen vorprogrammiert
Die Reform wirft zahlreiche Fragen hinsichtlich der Patientensicherheit auf. Besonders in der Orthopädie und Unfallchirurgie können scheinbar harmlose Symptome auf schwerwiegende Erkrankungen hinweisen. Ohne die fachärztliche Kompetenz drohen Fehldiagnosen und Behandlungsfehler.
„Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten hat oberste Priorität. Diese Reform setzt genau diese Sicherheit aufs Spiel, und das können wir nicht akzeptieren“, stellt Dr. Weinhart klar.
Praxen stärken statt Parallelstrukturen schaffen
Anstatt den bestehenden ambulanten Sektor zu stützen, schafft die Reform ineffiziente Parallelstrukturen. Die geplante Verlagerung ärztlicher Aufgaben auf Apotheken führt nicht nur zu erhöhtem Abstimmungsbedarf zwischen Apotheken und Praxen, sondern auch zu zusätzlicher Belastung der Ärzteschaft.
„Die vermeintliche Entlastung durch die Reform ist eine Illusion. Unklare Befunde und Rückfragen landen am Ende doch wieder bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten – auf Kosten der Patientenversorgung“, ergänzt Dr. Doepfer.
Reform stoppen und Praxen stärken
Orthopädisch-unfallchirurgische Praxen sind ein zentraler Bestandteil der medizinischen Versorgung in Deutschland. Ihre Schwächung durch die Auslagerung ärztlicher Aufgaben gefährdet die flächendeckende Versorgung und geht zulasten der Patientinnen und Patienten.
Der BVOU fordert die Bundesregierung und die Koalitionsfraktionen auf, die geplanten Regelungen zur Apothekenreform zu überdenken und zurückzunehmen. „Wir brauchen klare Verantwortlichkeiten und eine Stärkung der ärztlichen Versorgung – keine Verschiebung von Aufgaben in unklare Strukturen“, fasst Dr. Weinhart zusammen. Statt ärztliche Aufgaben auf nicht-ärztliches Personal zu übertragen, sollten gezielte Maßnahmen ergriffen werden, die die ambulante Versorgung stärken. Dazu gehören:
- Abbau von Bürokratie
- Faire Vergütung der ärztlichen Leistungen
- Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Praxen
Über den BVOU:
Der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) ist die berufspolitische Vertretung für mehr als 7.500 in Praxis und Klinik tätige Kolleginnen und Kollegen. Der BVOU setzt die beruflichen Interessen seiner Mitglieder durch, indem er zum Vorteil der Patienten und des Gemeinwohls gemeinsam mit den wissenschaftlichen Gesellschaften den Standard orthopädisch-unfallchirurgischer Versorgung entwickelt, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prägt und dadurch die öffentliche Wahrnehmung seiner Mitglieder als Experten für orthopädisch-unfallchirurgische Versorgung gestaltet.
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