Archiv für den Monat: Februar 2016

Foto: Peter Pulkowski_bweb

Internationaler Kongress in Mainz diskutiert Potenziale des medizinischen 3-D-Drucks

MAINZ – Individuelle Therapien, die auf den einzelnen Patienten abgestimmt sind, gewinnen in vielen Bereichen der Medizin immer mehr an Bedeutung. Besonders der 3-D Druck eröffnet zahlreiche neue Möglichkeiten, um Behandlungserfolge zu optimieren, die Genesung des Patienten zu beschleunigen und seine Lebensqualität zu steigern. Welche Entwicklungen und Fortschritte es im medizinischen 3-D-Druck gibt, erfahren Interessierte beim 1. Internationalen 3D-Print Kongress für Anwendungen in der Medizin, der am 15. und 16. April in Mainz stattfindet.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Frage, welches Potenzial der medizinische 3-D-Druck hat. Die 3-D-Druck-Technologie biete vollkommen neue Möglichkeiten im Bereich der regenerativen Medizin und für eine personalisierte Patientenversorgung, betonen die Kongressveranstalter. Sie sind sich wie viele andere Experten sicher, dass die Technologie in den kommenden Jahren in den verschiedensten medizinischen Einsatzgebieten verstärkt Anwendung finden wird. So kommt eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney zu dem Ergebnis, dass im medizinischen Bereich bis 2020 mit einer Zuwachsrate von 20 bis 25 Prozent zu rechnen ist.

Bereits heute kommt der 3-D-Druck in nahezu allen medizinischen Disziplinen zur Anwendung, in denen es darum geht, durch Verletzung, Krankheit oder durch degenerative Entwicklungen im Alter verloren gegangenes Gewebe durch Transplantate zu ersetzen. So setzen beispielsweise Orthopäden, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, Gefäßchirurgen, Augenärzte, Urologen, Dermatologen und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte zunehmend auf 3-D-Implantate.

Besonders bei den Gelenkprothesen (Hüft-, Schulter-, Knie- und Kiefergelenk) gewinnt die Herstellung individualisierter Implantate mittels des 3-D-Drucks aufgrund des demographischen Wandels und steigender Zahlen bei orthopädischen Erkrankungen immer mehr an Bedeutung. Im Jahr 2013 lag die Inzidenz von orthopädischen Erkrankungen mit 13,7 Prozent auf Platz 3 der häufigsten Ursachen für Erwerbsunfähigkeit (Bericht der Deutschen Rentenversicherung, Ausgabe 1.2015).

Eine Vielzahl von Vorträgen renommierter internationaler Mediziner, Materialwissenschaftler und Ingenieure informieren unter anderem über den Einfluss des 3-D-Drucks zum Beispiel in den Bereichen der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie der Unfallchirurgie. So wird etwa die Anwendung des 3-D-Drucks im Bereich der Traumatologie gezeigt und wie sich beispielsweise zerstörte Schädelpartien infolge eines Unfalls oder nach Krankheit mittels 3-D-Implantaten rekonstruieren lassen. Darüber hinaus beleuchten die Referenten, welchen Einfluss der 3-D-Druck auf die regenerative Medizin hat. So profitiert die regenerative Medizin zum Beispiel von mittels des 3-D-Druckverfahrens künstlich hergestellten Adern, Knochenersatzmaterialien oder Hornhaut.

Nicht zuletzt wird es um Neuentwicklungen im Bereich der Materialwissenschaften im Hinblick auf den 3-D-Druck und um den sogenannten 3-D-Bioprint gehen. Die 3-D-Bioprint-Technologie, mit der sich organisches Gewebe reproduzieren lässt, ermöglicht die präzise Anordnung lebender, humaner Zellen in dreidimensionale Strukturen. Sie gilt als Schlüsseltechnologie, um in der Zukunft funktionelles Gewebe beziehungsweise ganze Organe herzustellen. Kongressbesucher haben darüber hinaus Gelegenheit zu erfahren, mit welchen neuen, biokompatiblen Biomaterialien sich viele Therapieverfahren optimieren lassen.

Der Kongress will den interdisziplinären Dialog zwischen Experten aus den Bereichen Medizin, Materialwissenschaften und Ingenieurwesen fördern und Synergien der Teilnehmer aus den unterschiedlichen Bereichen bündeln, um so nationale und internationale Kooperationsprojekte zu ermöglichen.

Veranstalter des Kongresses, der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt wird, ist der interdisziplinäre Forschungsschwerpunkt „BiomaTiCS – Biomaterials, Tissues and Cells in Science“ der Universitätsmedizin Mainz. Die Veranstaltung wird vom 15. bis 16. April 2016 im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz stattfinden. Es werden 500 internationale Teilnehmer erwartet.

Weitere Informationen zum Kongress und zur Anmeldung finden Sie unter:
www.3dprint-congress.com

Bild:
Dreidimensionales Modell und Abbildung der virtuellen Planung einer Kieferrekonstruktion. (Quelle: Peter Pulkowski/Universitätsmedizin Mainz)

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Berufsverbände fordern umgehend Transparenz bei GOÄ-Verhandlung

 Berlin, 27.02.2016 – Im Zuge der Diskussion um die Novellierung der ärztlichen Gebührenordnung (GOÄ) fordern der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI), der NAV-Virchow-Bund und der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) in einer gemeinsamen Erklärung volle Transparenz über den aktuellen Stand der Verhandlungen.

„Die Fachgesellschaften und Berufsverbände müssen umgehend und umfassend über die Legenden und Bewertungen informiert werden. Dies ist deshalb so wichtig, weil viele Fachgruppen zuletzt 2011, vielfach basierend auf Daten von 2008, in die Entwicklung der GOÄ eingebunden waren. Nur unter dieser Voraussetzung ist eine Zusammenkunft, wie vom Präsidenten der Bundesärztekammer, Prof. Frank Ulrich Montgomery für den 8. März 2016 vorgeschlagen, sinnvoll. Noch auf dem außerordentlichen Deutschen Ärztetag Ende Januar gestand BÄK-Präsident Montgomery ein, man hätte ‚besser informieren müssen‘ und versprach mehr Transparenz. Wir warten bis heute auf die Einlösung dieses Versprechens.

Zur Begründung seines Verhaltens führte Herr Montgomery auf dem Sonderärztetag an, von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zur Verschwiegenheit verpflichtet worden zu sein. Vor dem Hintergrund des mittlerweile bekannt gewordenen Kenntnisstandes einzelner PKV-Unternehmen über Details der neuen GOÄ fällt es schwer, an eine Verschwiegenheitspflicht zu glauben. Der Informationsstand jedes einzelnen PKV-Unternehmen widerlegt diese Behauptung“, konstatieren BDI, NAV-Virchow-Bund und SpiFa.

Hinsichtlich des von der Bundesärztekammer anberaumten Gesprächs stellen die Verbände fest: „Eine Teilnahme ist nur unter der Voraussetzung sinnvoll, dass die tatsächlich geplanten GOÄ-Ziffern aus dem jeweiligen Kapitel einschließlich der Leistungslegenden und -bewertungen vorab zur Verfügung gestellt werden.“

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KBV-Positionspapier: Hohe Qualität in der ambulanten Versorgung

25.02.2016 – In einem Positionspapier haben die Kassenärztlichen Vereinigungen und die KBV ihre gemeinsamen Standpunkte zur Qualitätssicherung zusammengefasst. Die „Positionen zur ambulanten Versorgungsqualität“ sind am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Mit diesen Positionen werde deutlich, dass die Versorgungsqualität im ambulanten Bereich auf „einem hohen Niveau“ sei, betonte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen auf der Pressekonferenz. Vertragsärzte und Psychotherapeuten hätten hohe Qualitätsansprüche an sich selbst.

 

KBV Praxisnachrichten

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FAQ: Die Grundfunktionen des neuen BVOU-Netzwerkes kurz erklärt

Seit einigen Tagen ist das neue soziale Netzwerk „meinBVOU“ nun online und sicher haben auch Sie bereits einen ersten Blick darauf geworfen und die verschiedenen Funktionen erkundet. Um Ihnen den Einstieg zu erleichtern und Ihnen weitere nützliche Informationen zur Funktionsweise der einzelnen Bereiche des neuen BVOU-Netzwerkes zu vermitteln, haben wir die häufigsten Fragen für Sie kompakt zusammengefasst.

Wie kann ich mit Kolleginnen und Kollegen Kontakt aufnehmen?

Um sich mit Ihren Kolleginnen und Kollegen persönlich zu verbinden, müssen Sie folgende Schritte durchlaufen:

  1. Kollegin oder Kollegen im Hauptmenü unter „Mitglieder“ suchen
  2. Button „Freund hinzufügen“ anklicken
  3. Auf Bestätigung durch Ihre Kollegin bzw. Ihren Kollegen warten.

 

02_BVOU-Netzwerk_Abb_4_Kontakt_aufnehmen

Abb. 1: Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen aufnehmen

Wie nehme ich eine Freundschaftsanfrage an?

Sie erhalten wahrscheinlich von Ihren Kollegen und Bekannten in den kommenden Tagen Freundschaftsanfragen, um sich mit ihnen zu verbinden. Nur so haben Sie künftig Zugriff auf Informationen und Dokumente Ihres engeren Kollegenkreises.

Über diese Anfragen werden Sie standardmäßig vom BVOU-Netzwerk per E-Mail informiert. In dieser Mail befindet sich ein Link, auf den Sie nur klicken müssen, um die Kontaktanfrage sofort zu bestätigen.

Der zweite Weg führt über das Dashboard von „Mein BVOU“. Sowohl unter „Benachrichtigungen“, als auch unter „Kontakte“ werden Ihnen die offenen Freundschaftsanfragen angezeigt. Dort klicken Sie auf den Button „Freundschaft bestätigen“ und sind ab sofort mit Ihrer Kollegin oder Ihrem Kollegen verbunden.

Kann ich selbst Gruppen einrichten?

Prinzipiell ist dies möglich. Um die Anzahl verfügbarer Gruppen überschaubar zu halten, haben wir diese Option zunächst nicht freigeschaltet. An dieser Stelle lernen und wachsen wir selbst mit dem System.

Eine vollständige Liste aller bisher vorhandenen Gruppen finden Sie unter dem Menüpunkt „Gruppen“. Bitte informieren Sie sich zunächst dort, ob bereits eine entsprechende für Ihr gewünschtes Thema existiert.

Bitte wenden Sie sich mit Ihren Wünschen zu neuen Gruppen an unsere Geschäftsstelle. Wir richten dann gern und prompt eine neue Gruppe für Sie ein. Wir freuen uns über alle Kolleginnen und Kollegen, die in unserem Netzwerk aktiv werden wollen.

Wie schreibe ich eine Rundmail an eine Nutzergruppe? Kann ich Anhänge beifügen?

Hier ist das Vorgehen im sozialen Netzwerk etwas anders als in den bisherigen Landesfenstern. Statt Rundmails wird in sozialen Netzwerken ein Beitrag in einer passenden Interessengruppe veröffentlicht.

Das Vorgehen ist anders und dennoch so einfach wie zuvor. Einzige Voraussetzung ist, dass Sie Mitglied der entsprechenden Interessengruppe sind.

  1. Wählen Sie die gewünschte Interessengruppe (z.B. „Landesverband Berlin“ oder „Aktion Orthofit“) in der Gruppenliste Ihres Dashboards aus.
  2. Verfassen Sie Ihre Nachricht im automatisch geöffneten Fenster „Was gibt’s Neues in…?“
  3. Fügen Sie Anhänge, Bilder, Videos etc. bei.
  4. Klicken Sie auf „Update veröffentlichen“

 

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Abb. 2: Gruppennachricht verfassen und Anhänge beifügen

Nachricht an Einzelpersonen verfassen

Private Nachrichten an einzelne Kolleginnen und Kollegen können Sie im sozialen Netzwerk ebenfalls verfassen. Dieser Kommunikationsweg ist aber die Ausnahme. Hier sollten Sie im Bedarfsfall auf ihr klassisches E-Mail-Programm zurückgreifen, das diese Aufgabe besser erledigt.

Nachrichten können Sie im sozialen Netzwerk ausschließlich an Ihre Kontakte senden. So wird verhindert, dass Nutzer das System als SPAM-Plattform missbrauchen. Der Versand von Anhängen über Einzelnachrichten ist nicht vorgesehen.

Der Nachrichtenversand an einzelne Mitglieder ist mit folgenden Schritten möglich:

  1. Menüpunkt „Nachrichten“ auswählen
  2. Reiter „Verfassen“ anklicken
  3. Adressaten aus Ihren Kontakten auswählen
  4. Nachricht verfassen und absenden

 

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Abb. 3: Nachricht an einzelne Mitglieder versenden

Die nächsten Schritte und Ihre Ansprechpartner


Sanfter Übergang – Der Zugang zum alten BVOU-Intranet bleibt offen

Ihr bisheriger Zugang zum Intranet des BVOU bleibt für eine Übergangszeit bestehen, um Ihnen einen fließenden Übergang zu ermöglichen.

Über den Reiter „zum alten BVOU.NET“ können Sie unmittelbar von Ihrem neuen zu Ihrem alten Mitgliedsbereich gelangen und nach wie vor auf die dort vorhandenen Inhalte und Funktionen zugreifen.

Probieren geht über studieren

Probieren Sie das soziale Netzwerk des BVOU einfach einmal aus. Das System lebt von ihren Beiträgen. Soziale Netzwerke sind das sogenannte „Mitmach-Web“. Sie leben von der Beteiligung jedes Einzelnen.

Smartphones und Tablets willkommen

Soziale Netzwerke und Netzwerker sind gut für spontane Kommunikation. Ihr Smartphone und Tablet sind ohne weitere Apps oder Zusatzprogramme sofort im sozialen Netzwerk des BVOU nutzbar.

Wählen Sie einfach die BVOU-Webseite unter www.bvou.net an und loggen Sie sich unter „mein BVOU“ ein. Sie erhalten eine auf Ihr mobiles Endgerät angepasste Ansicht des BVOU-Netzwerkes, können Beiträge verfassen, spontane Fotos von Ihrem Handy hinzufügen und das Ganze sofort veröffentlichen.

Bleiben Sie in Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen! Jederzeit. An jedem Ort.

Kontinuierlicher Ausbau des BVOU-Netzwerkes

Dies ist nur ein kurzer Überblick über die vielfältigen Funktionen des neuen sozialen Netzwerks des BVOU, das stetig ausgebaut und um zusätzliche Funktionen ergänzt werden wird.

Wir halten Sie über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden und wünschen Ihnen viel Spaß dabei, das soziale Netzwerk „meinBVOU“ selbst zu erkunden und sich mit Ihren Kollegen zu vernetzen.

Bitte melden Sie sich mit Ihren Wünschen, insbesondere was neue Experten- und Themengruppen angeht. Diese werden wir gern kurzfristig für Sie einrichten.

Wenn es einmal klemmt

Die Mitarbeiter der BVOU-Geschäftsstelle werden kontinuierlich in der Bedienung und Nutzung unserer neuen Webseite und des sozialen Netzwerkes geschult. Sie helfen Ihnen gern weiter.

Natürlich steht Ihnen auch der Geschäftsführer persönlich gern zur Verfügung. Melden Sie sich, wenn Sie nicht mehr weiterkommen. Wir sind gern für Sie da.

Dr. med. Jörg Ansorg
Geschäftsführer des BVOU

E-Mail: ansorg@bvou.net
BVOU.net: http://www.bvou.net/members/j-ansorg/

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TU Berlin entwickelt Therapie-App für Skoliose-Patienten

BERLIN – Skoliose ist in Deutschland die häufigste orthopädische Behandlungsindikation bei Kindern und Jugendlichen. Vielen Skoliose-Patienten wird zur Therapie das dauerhafte Tragen eines rigiden Korsetts verordnet. Um den Betroffenen diese mühsame Therapie zu erleichtern, entwickeln Forscher an der TU Berlin aktuell einen digitalen Physiotherapeuten fürs Smartphone.

Die zur Therapie der Skoliose verwendete Orthese soll der Verkrümmung und Verdrehung der Wirbelsäule mechanisch entgegen wirken. Die Heilungschancen sind gut – allerdings nur, wenn die Patienten das Korsett während der Wachstumsphase täglich bis zu 23 Stunden lang tragen. „Eine solche Einschränkung mitten in der Pubertät wird von den wenigsten Kindern und Jugendlichen gut angenommen“, weiß Dr. Susanne Dannehl, psychologische Psychotherapeutin und Mitarbeiterin am TU-Fachgebiet für Medizintechnik.

Doch nicht nur das: Auch unter Ärzten und den Kostenträgern wird zum Beispiel diskutiert, welche Korsettform am effektivsten ist oder ob das Korsett nun 23 oder vielleicht auch nur 20 Stunden am Tag getragen werden muss. „Das Problem bei Orthesen ist, dass es keine vernünftigen Vergleichsdaten gibt“, sagt Prof. Dr. Marc Kraft, Leiter des Fachgebietes Medizintechnik. „Der Arzt sieht die Kinder in der Regel alle sechs Monate, und auch Eltern wollen und können nicht permanent die Tragedauer überwachen. Eine objektive Erfassung therapierelevanter Daten wie Tragedauer, Ausmaß der ausgeführten Bewegungen, wo treten Druckstellen auf und so weiter – ist so unmöglich. Genau in diese Betreuungslücke wollen wir einsteigen: Mit einem digitalen ‚Coach‘, der einerseits das Trageverhalten der Kinder und Jugendlichen registriert, andererseits aber auch die Patientinnen und Patienten motiviert, Anregungen und Hilfestellung gibt.“

Für den digitalen „Coach“ werden in die Korsetts verschiedene Sensoren, die therapierelevante Aktivitätsdaten wie Bewegung, Körperhaltung, Atmung und Druckverhältnisse erfassen, integriert. „Unser Ziel ist es, diese Messsysteme so klein und leistungsstark zu konstruieren, dass sie ohne zusätzlichen Aufwand in ein Korsett integriert werden können. Eine intelligente Funktechnik übermittelt die Daten kabellos an eine speziell entwickelte App auf das Smartphone der Patienten“, erklärt Dannehl. Die App wird gemeinsam mit an Skoliose erkrankten Kindern und Jugendlichen entworfen und soll motivierend, beratend und vernetzend wirken. „Das kann eine Erinnerung sein, ein Belohnungssystem, ein Tipp, wie durch bestimmte Körperhaltungen die Atmung erleichtert wird, eine Anregung für Sportübungen mit Korsett oder auch die Möglichkeit, Druckstellen präzise zu erfassen“, so Dannehl. „Wir haben bereits mehrere Workshops mit betroffenen Jugendlichen veranstaltet. Eine erste App-Version ist fertig und wird zurzeit von den Patienten geprüft und verbessert.“

„Die so gewonnenen Patientendaten sind ein sensibles Gut“, weiß Kraft, „deshalb arbeiten wir in allen Projekten mit Datenschutz-Experten zusammen. Grundsätzlich wird die App so konstruiert, dass die Daten nur dem Patienten zugänglich sind.“ Im Rahmen von Forschungsprojekten sei diese Möglichkeit der Kommunikation zwischen Patientin/Patient und medizinischem Hilfsmittel ein ideales System, um objektive Daten über Wirkungsgrad, Akzeptanz und auch die Grenzen von digitalem Verhaltenscoaching zu testen, so die Forscher. Daher interessiere diese Forschung sowohl Patienten als auch Therapeuten, Hersteller von medizinischen Hilfsmitteln und die Kostenträger. Bis zum Ende der Projektlaufzeit soll der Prototyp eines „digitalisierten Korsetts“ samt App stehen.

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Unfallchirurgen entwickeln Trauma Care Bundle für den Rettungsdienst

Sechs Maßnahmen verbessern Überlebenschancen von Schwerverletzten.

Berlin, 23.02.2016: Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) führt für die präklinische Versorgung von Schwerverletzten ein Maßnahmenbündel ein: das Trauma Care Bundle. Es umfasst sechs evidenzbasierte Maßnahmen, die bei jedem Schwerverletzten durchgeführt werden sollen. Die auf einem Schaubild dargestellten Elemente sind leicht erfassbar: Sie erhöhen die Handlungssicherheit von Rettungsdienstmitarbeitern und Notärzten und ermöglichen, dass sie in zeitkritischen Situationen schnell und sicher die richtige Behandlung durchführen. Damit sollen die Überlebenschancen von schwer verunfallten Patienten für die Zeitspanne zwischen deren Rettung und dem Eintreffen in einem Traumazentrum weiter verbessert werden. DGU-Experten stellen das Trauma Care Bundle erstmalig am 4. März 2016 auf dem Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin Kongress (DINK) in Koblenz vor. Das Schaubild ist auch als Aufkleber für den Rettungswagen erhältlich und kann kostenlos bei der DGU bestellt werden.

Das Trauma Care Bundle besteht aus  folgenden Bündelelementen:

  •    Freien Atemweg sicherstellen
  •   Thorax klinisch untersuchen und Atemfunktion sicherstellen
  •   Blutungen kontrollieren und geeignete Gefäßzugänge anlegen
  •   Bewusstseinslage, Motorik und Sensibilität erfassen
  •   Wirbelsäule und verletzte Extremitäten ruhigstellen sowie Wunden versorgen
  •   Wärmeerhalt sicherstellen.

Das Maßnahmenbündel basiert auf der S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung der DGU. Professor Gerrit Matthes, Mitglied der DGU-Sektion Notfallmedizin, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung (NIS), hat die Maßnahmen mitentwickelt und sagt: „Im Klinikalltag haben sich diese einfachen und klar formulierten Maßnahmen bewährt. Dieses Wissen wollen wir nun in den Rettungswagen bringen.“

Die sogenannten Care Bundle stellen einen neuen Ansatz bei der Behandlung von bestimmten Risikogruppen dar. Die Idee stammt aus den USA und zielt darauf ab, wissenschaftlich erwiesene Best-Practice-Elemente schnell verfügbar zu machen. Ein Care Bundle ist eine strukturierte Methode, um Behandlungsprozesse und -ergebnisse zu verbessern. Ein gutes Beispiel ist das Sepsis Care Bundle der amerikanischen Surviving Sepsis Campaign (SSC), dessen Einführung mit einer signifikanten Reduktion der Sterblichkeit verbunden ist.

Schaubild Trauma Care Bundle

Referenzen:
(1) Matthes G, Trentzsch H, Wölfl C, Paffrath S, Flohé S., Schweigkofler U, Ekkernkamp A, Schulz-Drost S für die Sektion Notfallmedizin, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung (NIS) der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. Wesentliche Maßnahmen zur prähospitalen Versorgung schwerverletzter Patienten – Das Trauma Care Bundle Unfallchirurg 2015 – 118:652-656

Abstract unter:
http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00113-015-0042-7
Zusendung der Vollversion auf Anfrage möglich (Erlaubnis des Verlages liegt vor)

Terminhinweis:
Vortrag auf dem Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin Kongress (DINK)
Termin: 4. März 2016, 14.00 – 16.00 Uhr, Großer Saal
Toppaper Notfallmedizin
Referent: Professor Dr. Gerrit Matthes, Sektion NIS der DGU, Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Unfallkrankenhaus Berlin

Bestell- und Downloadinformationen:
• Das Trauma Care Bundle steht zum Download zur Verfügung unter: www.dgu-online.de
Copyright: Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU)
• Das Trauma Care Bundle kann als Aufkleber (A5) für den Rettungswagen kostenlos unter folgender E-Mail-Adresse bestellt werden: office@dgu-online.de

Weitere Informationen:
www.dgu-online.de

Kontakt für Rückfragen:
Susanne Herda, Regina Radke-Lottermann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit DGU/DGOU
Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU)
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU)
Straße des 17. Juni 106-108
10623 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 – 340 60 36 -06 oder -20
Fax: +49 (0) 30 – 340 60 36 21
E-Mail: presse@dgou.de

 

 

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Gesundheitsheft Baden-Württemberg für minderjährige Flüchtlinge

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat ein Gesundheitsheft für minderjährige Flüchtlinge herausgegeben, das den Überblick über medizinische Befunde erleichtern soll.

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg bietet ab sofort ein neues Gesundheitsheft. Sie möchte damit den Flüchtlingen, ihren Eltern oder Betreuern den Weg durch die Institutionen erleichtern und medizinische Befunde zusammenfassen. Das Heft soll Kinder- und Jugendärzten, Allgemeinärzten beziehungsweise anderen Fachärzten als Dokumentationshilfe dienen und ist zusammen mit dem Impfausweis und der Versichertenkarte bei allen Arztbesuchen mitzubringen.

Das baden-württembergische Gesundheitsheft wurde von der Landesärztekammer auch allen Jugendämtern in Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt, da diese in der Regel den ersten Kontakt mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen haben. Den anderen minderjährigen Flüchtlingen sollte das Heft beim ärztlichen Erstkontakt ausgehändigt werden.

Das Gesundheitsheft kann von der Website der Landesärztekammer Baden-Württemberg (www.ärztekammer-bw.de) heruntergeladen oder schriftlich angefordert werden (Jahnstraße 40, 70597 Stuttgart).

Das „Gesundheitsheft Baden-Württemberg“ basiert auf dem „Bremer Gesundheitsheft“, das gemeinsam vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (Landesverband Bremen) und dem Gesundheitsamt Bremen herausgeben wurde. Der Ausschuss „Kinder und Jugendliche“ der Landesärztekammer Baden-Württemberg hat das Heft überarbeitet und an die baden-württembergischen Verhältnisse angepasst.

Hintergrund

Minderjährige Flüchtlinge, die Schutz und Fürsorge in Deutschland suchen, bedürfen einer strukturierten Untersuchung zur Einschätzung ihres medizinischen und psychosozialen Hilfebedarfs. Bislang wird allen Flüchtlingen in den zentralen Aufnahmestellen seitens des Gesundheitsamtes eine Erstuntersuchung zuteil. Bei Bedarf wird eine weitere medizinische Diagnostik/Behandlung und die Vervollständigung des Impfschutzes (nach STIKO) veranlasst.

Hierzu wird für Kinder und Jugendliche immer auch die Vorstellung in einer Kinder- und Jugendarztpraxis empfohlen. Krankenhilfe wird gemäß § 4 Asylbewerberleistungsgesetz geleistet und umfasst, neben der ärztlichen Behandlung, auch die nach STIKO empfohlenen Schutzimpfungen und für Kinder und Jugendliche medizinisch gebotene Vorsorgeuntersuchungen.

 

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Rehabilitation: Neues Formular 61 kann ab März bestellt werden

BERLIN – Ab 1. April können alle Vertragsärzte eine medizinische Reha zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnen und dafür direkt das neue Formular 61 nutzen. Dies teilte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kürzlich mit. Der Nachweis einer zusätzlichen Qualifikation und die bislang notwendige Abrechnungsgenehmigung seien damit nicht mehr erforderlich.

„Die Verordnung medizinischer Rehabilitation wird ab April deutlich einfacher“, kündigt die KBV auf ihrer Website an. Das Formular 60 entfalle dann endgültig. Bisher wurde es genutzt, um vor der Verordnung zunächst prüfen zu lassen, ob die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zuständig ist oder ein anderer Kostenträger, etwa die Unfall- oder Rentenversicherung.

Diese Prüfung sei künftig nicht mehr vorgeschrieben. Sollten sich Ärzte dennoch bei einem Patienten nicht sicher sein, ob die GKV zuständig ist, könnten sie dies weiterhin vorab von der Krankenkasse klären lassen. Dazu können Ärzte den neuen Teil A von Formular 61 nutzen, so die KBV.

Die Reha-Verordnung selbst erfolge künftig direkt und ohne Umweg auf Formular 61. Dieses habe die KBV überarbeitet und gestrafft, von bisher vier auf nur noch drei Seiten (Teil B-D). Reduziert worden seien unter anderem die erforderlichen Angaben zu den bisherigen Maßnahmen der Krankenbehandlung und den Kontextfaktoren. Laut KBV soll das Ausfüllen von Muster 61 damit zukünftig schneller gehen.

Das alte Formular 61 darf ab April 2016 nicht mehr verwendet werden. Die neuen Papiervordrucke können Praxen ab März auf ihrem regulären Bezugsweg bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung oder Druckerei bestellen. Die Softwarehäuser werden das neue Formular 61 zudem in die Praxisverwaltungssysteme integrieren und den Praxen mit dem Software-Update zum zweiten Quartal 2016 bereitstellen. Das Formular kann damit ab April elektronisch ausgefüllt und bedruckt werden. Eine Blankoformularbedruckung soll ebenfalls möglich sein.

Um die speziellen Kenntnisse in der Anwendung der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit zu erweitern und zu vertiefen, sollen von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigungen Fortbildungsveranstaltungen angeboten werden.

Weitere Informationen sowie ein Muster des neuen Formulars zur Ansicht finden Sie hier.

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Knochenbrüche könnten Risiko für chronische Schmerzen erhöhen

SOUTHHAMPTON – Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Forschern der Universität Southhampton zeigt, dass Patienten nach Knochenbrüchen deutlich häufiger von ausgedehnten chronischen Schmerzen (Chronic Widespread Pain – CWP) betroffen sind als Menschen, die im Laufe ihres Lebens keine Frakturen erlitten haben. Dies gilt insbesondere für Hüft- und Wirbelbrüche.

Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen (Chronic Widespread Pain) werden definiert als Schmerzen, die länger als drei Monate andauern und das Achsenskelett, die rechte und linke Körperhälfte sowie Regionen oberhalb und unterhalb der Taille betreffen. Die Prävalenz des CWP liegt je nach Studie zwischen 5 und 24 Prozent. Als Risikofaktoren gelten, neben sozialen und psychologischen Einflüssen, Schleudertraumata.

Um die CWP-Prävalenz bei Patienten mit Knochenbrüchen zu untersuchen, nutzten die britischen Wissenschaftler Daten aus der UK-Biobank und unterzogen diese einer Querschnittsanalyse. Untersucht wurden dabei mehr als 500.000 Personen im Alter zwischen 40 und 69 Jahren unter Einbeziehung verschiedenster Faktoren, wie zum Beispiel Geschlecht, Alter, Body-Mass-Index, Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährungsgewohnheiten, körperlicher Betätigung und dem Vorliegen einer Depression.

Insgesamt 9,5 Prozent der Untersuchten hatten bereits einmal eine Fraktur erlitten. Bei diesen Patienten konnten die Wissenschaftler ein signifikant höheres Risiko für CWP feststellen. Insbesondere nach Auftreten von Wirbelbrüchen waren sowohl Frauen (2,1-fach erhöhtes Risiko) als auch Männer (2,7-fach erhöhtes Risiko) deutlich häufiger von ausgedehnten chronischen Schmerzen betroffen. Bei Frauen führten darüber hinaus Hüftfrakturen zu einer signifikant erhöhten Häufigkeit von CWP (2,2-fach erhöhtes Risiko).

Laut den Forschern ist dies die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen CWP und Knochenbrüchen nachweisen konnte und damit einen neuen Hinweis zu den noch wenig erforschten Ursachen der Erkrankung gibt. Ob jedoch ein kausaler Zusammenhang besteht und was tatsächlich zuerst da war, die Fraktur oder die chronischen Schmerzen, das konnten die Wissenschaftler nicht ermitteln. Weitere prospektive Studien seien notwendig, um einen Kausalzusammenhang nachweisen und auf Basis dessen Risikokandidaten für CWP besser identifizieren zu können. So ließen sich dann präventive Maßnahmen ergreifen, um nach einer Fraktur die Belastung durch die chronischen Schmerzen möglichst gering zu halten.

Die Studie “Chronic widespread bodily pain is increased among individuals with history of fracture: findings from UK Biobank” erscheint in der Fachzeitschrift Archives of Osteoporosis und wurde vorab online auf der Website des Springer-Verlags veröffentlicht.

Anne Faulmann

Bild: Röntgenaufnahme einer Femurfraktur (Quelle: Suttha Burawonk/Shutterstock)

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64. Jahrestagung der VSOU vom 28. – 30. April 2016

Vom 28. – 30.04.2016 findet traditionell im Kongresshaus in Baden-Baden die

64. Jahrestagung der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden und Unfallchirurgen

unter dem Motto „Was, Wann, Wie“ statt. Die beiden Kongresspräsidenten Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka (Direktor der Orthopädischen Klinik für die Universität Regensburg) und Prof. Dr. med. Ulrich Stöckle (Ärztlicher Direktor BG-Unfallklinik Tübingen) haben ein interessantes wissenschaftliches Programm zusammengestellt. Außerdem werden ökonomische und politische Aspekte diskutiert.

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64. Jahrestagung der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden und Unfallchirurgen e.V. in Baden-Baden

Interview mit Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka (Regensburg/Bad Abbach) und Univ.- Prof. Dr. med. Stöckle (Tübingen), Kongresspräsidenten der 64. Jahrestagung der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden und Unfallchirurgen in Baden-Baden (28.-30.4.2016)

Problem erkannt – Gefahr gebannt

Baden-Baden, den 11. Februar 2016
Evidenz-basierte Medizin und Leitlinien gewährleisten eine sichere Therapie, sagen die beiden VSOU-Kongresspräsidenten Prof. Joachim Grifka und Prof. Ulrich Stöckle. Der Prävention schwerer Muskelverletzungen widmet sich eine eigene Sitzung mit Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und seinem Team. Neben Wissenschaftsthemen werden ökonomische und politische Aspekte in Baden-Baden diskutiert.

Frage: Überträgt man das von Ihnen beiden als Kongressmotto gewählte „Was, wann, wie“ auf den ärztlichen Alltag, muten Sie sich Gigantisches zu: Denn die Antworten sollten idealerweise den Orthopäden und Unfallchirurgen einen verlässliche Führung durch alle Klippen des Fachs bieten. Kann man das überhaupt leisten?
Prof. Grifka: Was? Wann? Wie? sind die Kernfragen unseres täglichen Handelns, beispielsweise in der Form: Was ist es? Wann machen? Wie therapieren? Unsere Ziele müssen eine solide Diagnostik und eine sichere Therapie sein. Wir versuchen, dies mit evidenz-basierter Medizin und Leitlinien zu definieren. Unser Kongress soll diesem praxisorientiert gerecht werden.

Frage: Herr Prof. Stöckle, zum Auftakt der VSOU-Jahrestagung steht gleich ein Schwerpunktthema auf dem Programm: die schwere Verletzung. Was ist unter den Aspekten Behandlung, Wiederherstellung bis zur Sportfähigkeit und Prävention Neues zu erwarten?
Prof. Stöckle: Bei dem Thema „Schwere Verletzung“ ist die schwere Monoverletzung gemeint, also z.B. ein Schienbeinkopfbruch oder ein Oberarmkopfbruch. Häufig werden diese schweren Monoverletzungen bei sportlicher Betätigung, also Sturz beim Fahrradfahren, Skisturz oder Sturz beim Klettern oder ähnlichem, erlitten. Insofern ist unser Ansatz, bei den Sitzungen und Vorträgen zu dem Thema „Schwere Verletzung“ sowohl die Primärbehandlung mit entsprechender Wiederherstellung der Anatomie anzusprechen, aber auch insbesondere die Möglichkeiten der Rehabilitation, um neben den Alltagsaktivitäten möglichst auch wieder sportliche Aktivitäten ausführen zu können. Gemeinsam mit dem Bereich der Technischen Orthopädie geht es dann in weiteren Vorträgen um die Prävention weiterer Verletzungen, aber insbesondere auch um die allgemeine Vermeidung von Verletzungen gerade im Sport.

Frage: Insbesondere medico-legale Aspekte beschäftigen nicht nur den Facharzt im Alltag, sondern eine Vielzahl an Patientenanwälten. Wie detailliert können sich die Kolleginnen und Kollegen in Baden-Baden hier Rat holen?
Prof. Grifka: Die Zahl ärztlicher Kunstfehler ist zum Glück gering. Insbesondere durch die handwerkliche Ausrichtung ist die Chirurgie eine hohe Kunst. Wir sind um die perfekte Hilfe bemüht, sonst wären wir keine Orthopäden und Unfallchirurgen. Dazu muss man aber auch genau wissen, wo die Gefahren lauern. Die operative Medizin ist gefahrenträchtiger als die konservative. Deswegen sollte man sich der Probleme bewusst sein und die Fallstricke genau kennen: Problem erkannt – Gefahr gebannt.

Frage: Das Thema Verletzungen im Alter wächst angesichts der demografischen Entwicklung (nicht nur) in unserem Land: Was dürfen die Kolleginnen und Kollegen in Baden-Baden hierzu erwarten?
Prof. Stöckle: Wegen der demografischen Entwicklung nimmt die Behandlung von Verletzungen im Alter einen immer größeren Raum in der Tätigkeit der Unfallchirurgen ein. Da bei Verletzungen im Alter aufgrund anderer Verletzungsmechanismen auch andere Verletzungen resultieren als bei jüngeren Patienten, geht es im Rahmen des Kongresses darum, aktuelle Behandlungskonzepte in der Therapie von Verletzungen im Alter aufzuzeigen und insbesondere deren Ergebnisse darzustellen. Wichtig dabei ist auch eine umfassende Therapie, die nicht mit der Operation alleine beendet ist, sondern auch entsprechende Rehabilitationsprogramme, eine Therapie der Osteoporose und Verfahren zur sozialen Reintegration umfasst.

Frage: Der „Weiterbildungskontest“ ist tatsächlich ein Novum in der Kongresslandschaft. Welche Absicht verfolgen Sie mit dieser innovativen Idee?
Prof. Grifka: Wettbewerbe sind wir aus dem Fernsehen gewohnt. Mein Wunsch ist es, mit diesem neuen Format einen spannenden Wettbewerb zu Wissen und Vorgehen zu veranstalten, ganz nach dem Motto: Was? Wann? Wie? Ich bin sicher, dass die Fallvorstellungen und der sportliche Ablauf uns allen Spaß machen werden. Keiner der Kandidaten geht leer aus. Besonders toll ist natürlich, dass die Gewinner – dank des Sponsorings von DePuy-Synthes, Springer und Air Canada – zum Kanadischen Orthopäden-Kongress reisen können.

Frage: Nicht nur das prominent besetzte Podium zum Thema Spitzensportbetreuung, auch die Sitzung Muskelverletzungen mit Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zeigt, dass von der Spitzensportbetreuung zu lernen ist. Was ist Ihnen hierbei wichtig?
Prof. Stöckle: Das Thema „Muskelverletzung im Sport“ ist ein hoch aktuelles Thema. Gerade in der Fußballbundesliga hören wir alle immer von muskulären Verletzungen, die einzelne Spieler zu teils längeren Pausen zwingen. Hier ist Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt der international anerkannte Experte sowohl in Diagnostik als auch in der angepassten Therapie dieser Muskelverletzungen. Deshalb bin ich besonders froh, dass wir ihn und sein gesamtes Team mit PD Dr. Peter Ueblacker und Dr. Lutz Hänsel sowie Dr. Jochen Hahne zur Gestaltung einer Sitzung gewinnen konnten. Hier gilt es, von den Experten neben der adäquaten Therapie insbesondere auch Maßnahmen der Prävention zu lernen, um möglichst diese schwerwiegenden Verletzungen zu vermeiden. Dies ist für viele in der Sportbetreuung tätigen Kollegen in Orthopädie und Unfallchirurgie von enormer Bedeutung.

Frage: Der Festvortrag von Prof. Dr. Heribert Prantl, das Podium über die GOÄ-Novellierung und einiges mehr verweisen auf den ökonomischen Aspekt der fachärztlichen Arbeit. Wird dies auch ein „politischer“ Kongress?
Prof. Stöckle: Der VSOU-Kongress 2016 in Baden-Baden wird vornehmlich ein wissenschaftlicher Kongress. Dennoch ist es wichtig, auch ökonomische Aspekte zu beleuchten und auf aktuelle politische Vorgänge einzugehen. Hierzu dienen neben dem Festvortrag von Heribert Prantl auch einzelne Sitzungen wie z.B. zur GOÄ-Novellierung, aber auch zur Zukunft für O und U.

Frage: Welches Fazit würden Sie gerne am Abend des 30. April 2016 mit dem ersten Blick zurück auf die 64. Frühjahrstagung der Süddeutschen für sich ziehen?
Prof. Grifka: Natürlich wird der Kongress für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemacht. Deswegen möchten wir, dass er positiv in Erinnerung bleibt, vielleicht mit dem Erlebnis des ersten eigenen Vortrags, auf jeden Fall aber mit Erkenntnissen aus den Sitzungen, einschließlich der Hinweise auf die juristischen Fallstricke – und hoffentlich mit viel Spaß beim Weiterbildungskontest. Baden-Baden ist keine kombinierte Tagung mit anderen Berufsgruppen, sondern der VSOU-Kongress fokussiert auf die ärztlichen Belange. Wir wünschen uns eine Tagung mit einem interessanten Meinungsaustausch und anregenden Gesprächen in der gewohnt entspannten Atmosphäre des frühlingshaften Baden-Baden.

Prof. Stöckle: Am Ende des Kongresses würde ich gerne auf einen wissenschaftlich interessanten Kongress zurückblicken, der sowohl für junge Ärzte interessant war – mit speziellen Kursformaten wie den Basiskursen der AO und AE – als auch für erfahrene Chefärzte, Oberärzte und niedergelassene Orthopäden und Unfallchirurgen aufgrund des anspruchsvollen Programmes, bei dem wir uns viel Mühe gegeben haben. Ich bin zufrieden, wenn wir wieder mehr als 3000 zufriedene Teilnehmer haben und damit die Bedeutung des VSOU-Kongresses in Baden-Baden als zweitgrößtem Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Deutschland weiter ausgebaut werden kann.

Weitere Informationen unter: www.vsou.de

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