Archiv für den Monat: Oktober 2015

Osteoporose – Basis für feste Knochen wird in jungen Jahren gelegt Betroffene profitieren noch im Alter von Ausdauer- und Krafttraining

Berlin, 22. Oktober 2015 – Mangelnde Bewegung in Kindheit und Jugend erhöht das Osteoporose-Risiko im Alter. Denn die Knochenmasse wird in jungen Jahren aufgebaut. Sport spielt dabei eine entscheidende Rolle. Aber auch Menschen im fortgeschrittenen Alter profitieren, wenn sie körperlich aktiv bleiben. Das zeigt eine aktuelle Studie, die beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) vorgestellt wird. Welche Sportarten für Menschen mit brüchigen Knochen in Frage kommen und wie viel Training notwendig ist, darüber informieren Experten auf der heutigen Kongress-Pressekonferenz in Berlin.

Allein in Deutschland leben sieben Millionen Menschen mit Osteoporose. „Damit zählt das Leiden weltweit zu den zehn wichtigsten Volkskrankheiten – und das hängt nicht nur mit der demographischen Entwicklung zusammen“, so Professor Dr. med. Karsten Dreinhöfer, Vizepräsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). Kinder bewegen sich heute immer weniger. „Das ist eine der Hauptursachen, warum sie nicht genügend Knochensubstanz aufbauen.“

Die sogenannte „Peak bone mass“, die maximale Knochenmasse, wird in der Regel zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr erreicht. Danach geht es abwärts; ab dem 40. Lebensjahr beträgt der normale Knochenabbau etwa ein Prozent pro Jahr. „Jeder Mensch verliert im Laufe seines Lebens deutlich an Knochenmasse und -festigkeit, aber je höher der Ausgangswert ist, desto besser“, erklärt der Professor der Berliner Charité und Chefarzt des Medical Park Berlin Humboldtmühle.

Schon in der Wachstumsphase könne man daher das Risiko, später an Osteoporose zu erkranken, einschätzen und vorbeugen „Ein wichtiger Aspekt ist eine gesunde Ernährung“, betont Dreinhöfer. Junge wie ältere Menschen sollten ausreichend Calcium und Vitamin D zur Unterstützung des Knochenaufbaus zu sich nehmen; letzteres kann der Körper mit Hilfe von Sonnenlicht zum Teil selbst bilden.

Bei betagten Menschen empfiehlt der BVOU-Experte, vor allem Untergewicht und Stürze zu vermeiden und eine Osteoporose frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. „Aufgrund der verringerten Knochendichte ist Osteoporose häufig die Ursache für Knochenbrüche, was jedoch in vielen Fällen nicht erkannt wird.“ Jährlich erleiden 70.000 Betroffene Wirbelkörpereinbrüche, etwa 130.000 Oberschenkelhalsfrakturen, sowie 200.000 Knochenbrüche.

„Sportarten mit einem hohen Sturzrisiko, wie Kampf- und Mannschaftssportarten, sind daher für Osteoporose-Patienten nicht empfehlenswert“, so Dreinhöfer. Besser geeignet seien Muskel- und Ausdauertraining, wie Aerobic, Laufen, Nordic Walking, Wandern, Radfahren, Tanzen oder Schwimmen und insbesondere Krafttraining. Das zeigt auch eine aktuelle Arbeit Rostocker Wissenschaftler (ADONIS-Studie). Die Teilnehmer zeigten nach einem sechsmonatigen speziellen Step-Aerobic-Training eine deutliche Steigerung ihrer Kraft und eine verbesserte Wadenmuskulatur. „Allerdings scheint ein regelmäßiges Training mindestens zweimal pro Woche notwendig zu sein, um die Knochendichte an Wirbelsäule und Oberschenkel positiv zu beeinflussen“, berichtet Dreinhöfer. Ältere Menschen können offensichtlich durch sportliche Aktivitäten Knochenmasse erneut aufbauen. „Daneben überwiegen die positiven Effekte allein schon in Bezug auf Sturzprophylaxe und Mobilität“, betont der Orthopäde auf dem DKOU 2015.

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Mit Prothese sprinten – linksherum oder rechtsherum?

Linksseitig amputierte Leichtathleten könnten aufgrund der Laufrichtung benachteiligt sein. Neue Studie der Sporthochschule …

Sportlerinnen und Sportler mit Behinderungen gehen vom 22. bis 31. Oktober 2015 in Doha bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften an den Start. Spektakuläre und medienwirksame Bilder werden dabei vermutlich wieder die Athletinnen und Athleten mit Prothesen liefern, wenn sie durch das Oval des Qatar SC Stadium sprinten. Eine Studie zur Laufrichtung von ProthesenträgerInnen präsentiert die Deutsche Sporthochschule Köln.

Die vom Institut für Biomechanik und Orthopädie (Prof. Dr. Wolfgang Potthast und Johannes Funken) geleitete Studie stellt die interessante Frage: Sollte bei einer einseitigen Amputation die Laufrichtung angepasst werden? Hintergrund ist, dass Leichtathletinnen und Leichtathleten in den Stadien dieser Welt seit mehr als 100 Jahren gegen den Uhrzeigersinn, also linksherum, laufen.

Die Studie untersucht, ob die Seite der Amputation bei einseitig amputierten Athleten einen Einfluss auf deren sportliche Leistung hat. Der Proband – Weltmeister und Paralympics-Sieger – durchlief den Messbereich, der der Kurve einer 400m-Bahn nachempfunden war, mit höchster Geschwindigkeit in gewohnter sowie ungewohnter Richtung. Ein Kamerasystem mit 16 High-Speed-Kameras und in den Boden eingelassene Kraftmessplatten erfassten dabei seine Bewegungsdaten. Diese zeigten, dass der linksseitige Prothesenträger die für ihn untypische Laufrichtung (im Uhrzeigersinn, rechtsherum) mit einer höheren Geschwindigkeit absolvieren konnte, als die für ihn im Wettkampf vorgeschriebene Laufrichtung (gegen den Uhrzeigersinn, linksherum) [Prothese innen: 7.7 m/s, Prothese außen: 8.2 m/s]. Erste Forschungsergebnisse deuten demnach auf eine Benachteiligung von linksseitig amputierten Athleten hin. Es stellt sich die Frage der Chancengerechtigkeit: Sollten Athleten mit einer Amputation auf der rechten Seite gegen Athleten mit einer Amputation auf der linken Seite antreten?

Zu dieser und weiteren Forschungsfragen rund um die IPC Athletics World Championships stehen ExpertInnen der Deutschen Sporthochschule Köln für Medienanfragen zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an die Abteilung Presse und Kommunikation: presse@dshs-koeln.de, Tel.: 0221 4982-3850.

Vom 22. bis 31. Oktober 2015 finden in Doha, Katar, die IPC Athletics World Championships, die Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Menschen mit Behinderungen, statt. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) berichtet auf seiner Online-Präsenz und auf dem DOSB-Sportsender in Echtzeit.

www.deutsche-paralympische-mannschaft.de

www.sportdeutschland.tv

 

Julia Neuburg
Redakteurin

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DGOU und Lufthansa Flight Training starten neues Kursformat

Berlin – Ein neues Kursformat nach dem Vorbild von Flugsicherheitstrainings soll die Handlungssicherheit von Ärzten verbessern und die Sicherheitskultur in der Medizin stärken. Entwickelt wurde das neue Kursformat „IC – Interpersonal Competence“ durch die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und Lufthansa Flight Training (LFT). Das IC-Projekt wurde erstmals auf einer Pressekonferenz im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in der letzten Woche in Berlin vorgestellt.

Piloten und Ärzte müssen im Notfall auch unter Stress schnelle Entscheidungen von großer Tragweite treffen. Dabei spielt der „Faktor Mensch“ in der Luftfahrt wie in der Medizin eine entscheidende Rolle, denn die Arbeit unter Zeitdruck, mangelnder Kommunikation und Stress kann konflikt- und fehleranfällig sein. Bereits in den 1970er Jahren wurden deshalb Sicherheits-Trainings für Flugzeugbesatzungen eingeführt. „Das Sicherheitstraining der Lufthansa ist daher ein gutes Vorbild, von dem wir in der Medizin noch lernen können“, sagt Prof. Dr. med. Reinhard Hoffmann, stellvertretender Generalsekretär der DGOU und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Checklisten für den OP, wie es sie ähnlich auch in der Luftfahrt gibt, oder das Fehlermeldesystem CIRS (Critical Incident Reporting System) seien mittlerweile bewährte Instrumente zur Verbesserung der Patientensicherheit.

Eine aktuelle Befragung des Jungen Forums der DGOU unter 800 Mitgliedern der Fachgesellschaft zeigt, wo die Ursachen für Zwischenfälle in der Orthopädie und Unfallchirurgie liegen: 80 Prozent der Befragten benannten Zeitdruck, 70 Prozent mangelnde Kommunikation, 67 Prozent Personalmangel und 62 Prozent Stress.

Das neue IC-Kursformat setzt sich zum Ziel, Strategien zu vermitteln, um Fehlerverursacher zu vermeiden und die Patientensicherheit weiter zu verbessern. Rund ein Jahr lang haben Orthopäden und Unfallchirurgen gemeinsam mit LFT-Trainern an dem Konzept gefeilt. „Der Kurs soll uns dabei unterstützen, neue Kommunikationsstrukturen zu entwickeln“, erklärte Kurstrainer Prof. Dr. med. Bertil Bouillon den 16 Teilnehmern beim ersten IC-Kurstag, der am 11. und 12. September im Lufthansa Training & Conference Center in Seeheim bei Frankfurt stattfand. Wichtig sei es, neben Fachwissen auch interpersonelle Kompetenzen zu standardisieren – insbesondere für Situationen, die plötzlich und unter Zeitdruck auftreten, so Bouillon, Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie in Köln-Merheim. Nach diesem ersten Kurs sind noch drei weitere Module geplant, über die gesamte berufliche Laufbahn – vom Assistenzarzt bis zum Chefarzt.

Quelle: DKOU-Pressestelle

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Innovationspreis der DGU geht an TKmed®-Entwickler Prof. Dr. Staemmler

22.10.15 · 

Über das internetbasierte Netzwerk TKmed® (Telekooperation in der Medizin) tauschen Unfallchirurgen und Radiologen lebenswichtige Informationen aus. In Kürze sollen auch Patienten Zugriff auf ihre Daten erhalten. Für die Entwicklung der Online-Plattform erhält der Medizininformatiker Professor Dr. Ing. Martin Staemmler im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) den Innovationspreis der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).

Bei der Betreuung von Schwerverletzten zählt jede Minute. Jeder vierte wird während seiner Behandlung verlegt. Unfallchirurgen sind deshalb auf einen schnellen Informationsaustausch angewiesen. Im Rahmen der Initiative TraumaNetzwerkDGU® aber auch darüber hinaus hat die DGU 2012 daher das Netzwerk TKmed® eingerichtet. Es verbindet derzeit bereits mehr als 130 Behandlungszentren in Deutschland und sorgt damit für einen schnellen und sicheren Datentransfer. „TKmed ist einzigartig – denn es übermittelt bundesweit Röntgenaufnahmen, CT- und MRT-Bilder sowie Patientenbefunde und Arztbriefe schnell und datenschutzkonform“, begründet Professor Dr. med. Michael Nerlich, Kongress-Präsident des DKOU 2015 vom Universitätsklinikum Regensburg die Vergabe des Innovationspreises, der mit 10.000 Euro dotiert ist.

Auch im Ausland zeigen immer mehr Unfallchirurgen Interesse an der Nutzung des Netzwerks. Der Preisträger Staemmler von der Fachhochschule Stralsund hat TKmed® im letzten Jahr weiterentwickelt, sodass auch Patienten davon profitieren: „Schon in Kürze soll es ihnen ermöglicht werden, ihre Bilddaten und Dokumente direkt an eine teilnehmende medizinische Einrichtung zu senden“, erklärt Staemmler. Dieser Service ist kostenfrei und weder an eine Installation oder vertragliche Bindung geknüpft. „Das kann beispielsweise im Vorfeld einer Behandlung oder zum Einholen einer Zweitmeinung nützlich sein.“
Ebenfalls von Vorteil für Patienten ist die preisgekrönte Arbeit des Privatdozenten Michael Müller von der Berliner Charité. Er erhält den mit 10.000 Euro dotierten Themistocles-Gluck-Preis für Endoprothetik. Der Oberarzt am Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie hat ein Computermodell entwickelt, mit dem sich der Erfolg eines Hüftgelenkersatzes vorhersagen lässt. „Das Programm ist insbesondere für Patienten mit eingeschränktem Bewegungsumfang der Hüfte interessant“, erklärt Professor Dr. med. Rüdiger Krauspe, Kongress-Präsident des DKOU 2015 vom Universitätsklinikum Düsseldorf. Denn bei Implantat-induzierter Bewegungseinschränkung komme es nach der Operation häufiger zu einem erhöhten Abrieb im Kunstgelenk mit der Folge einer vorzeitigen Lockerung.

Als dritte Preisträgerin präsentiert Jana Semrau von der Universität Erlangen-Nürnberg das integrative Rehabilitationsprogramm „PASTOR“ auf der DKOU-Pressekonferenz am Freitag. Für dessen Entwicklung erhält die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sportwissenschaft und Sport gemeinsam mit Professor Dr. med. Klaus Pfeifer den Preis zur Förderung der Rehabilitationsforschung in Höhe von 5.000 Euro. „Das Reha-Programm hat die Betreuung durch Ärzte, Bewegungstherapeuten, Psychologen und Sozialmediziner deutlich verbessert“, ist sich Kongress-Präsident Dr. med. Hans-Jürgen Hesselschwerdt von der Theresienklinik Bad Krozingen sicher. Das konnte eine Studie in der stationären orthopädischen Rehabilitation bereits zeigen.

Im Rahmen des DKOU haben die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU), die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) und die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC) zahlreiche weitere Preise für herausragende, wissenschaftliche Arbeiten vergeben.

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