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Die Telematikinfrastruktur

In die Diskussion um die Telematikinfrastruktur (TI) und die elektronische Gesundheitskarte ist in den letzten Monaten verstärkt Bewegung gekommen. Nach der offiziellen Freigabe des bundesweiten Rollouts durch die gematik ist nun die Industrie am Zug, die notwendige Technik bereitzustellen, sowie die Ärztinnen und Ärzte, die ihre Praxen bis Ende 2018 damit ausstatten müssen. Mit diesem Dossier informiert der BVOU seine Mitglieder über den aktuellen Stand und darüber, was man für den Anschluss der eigenen Praxis an die TI wissen sollte.

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Dossier Telematik
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Der Anschluss an die TI – Ein Leitfaden für Praxen

Beim Anschluss der eigenen Praxis an die TI gibt es verschiedene technische und organisatorische Aspekte zu berücksichtigen. Wie Sie Schritt für Schritt vorgehen können, um für die erste Online-Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK), das Versichertenstammdaten-Management (VSDM), gewappnet zu sein, wird hier erklärt.

 

1. Der Zeitpunkt für den Einstieg

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und zahlreiche Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) raten dazu, erst einmal abzuwarten. Auch BVOU-Präsident Dr. Johannes Flechtenmacher empfiehlt, den Zeitpunkt für den Einstieg in Ruhe abzuwägen und sich von seinem IT-Dienstleister beraten zu lassen. Um den Anschluss an die TI vornehmen zu können, müssen zunächst die notwendigen technischen Komponenten verfügbar sein. Dazu gehören unter anderem TI-Konnektoren, Praxisausweis (SMC-B-Karte) und E-Health-Kartenterminals.

Keiner der entsprechenden Hersteller hat bisher allerdings eine Zulassung für seine Produkte von der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH erhalten. Gematik und KBV gehen davon aus, dass ab Herbst 2017 die ersten Komponenten auf den Markt kommen werden. Sobald ein Hersteller die Zulassung erhalten hat, wird dies auf den Internetseiten der gematik veröffentlicht. Die gematik rät Ärzten deshalb, sich dort regelmäßig über den aktuellen Stand zu informieren. Dem Zeitplan des Gesetzgebers zufolge müssen sich alle Praxen bis zum 31. Dezember 2018 an die TI angeschlossen haben.

2. Internetzugang vorhanden?

Grundvoraussetzung für die Teilnahme an der Telematikinfrastruktur ist ein vorhandener Internetanschluss. Hierbei reicht laut KBV ein einfacher DSL-Anschluss aus. Andere Anschlüsse, wie zum Beispiel Modem- oder UTMS-Verbindungen, könnten dagegen zu Verbindungsfehlern führen, wie sich in der Erprobung der TI gezeigt habe. Hat eine Praxis noch keinen Internetzugang, sind die verfügbaren Internetprovider die richtigen Ansprechpartner. Ist bereits ein Internetanschluss vorhanden, sollte geprüft werden, ob dieser für die Verwendung der TI geeignet ist.

Zudem weist Dr. Christian Hauschild, Sprecher der Landesvorsitzenden im BVOU, auf einen weiteren Aspekt im Hinblick auf den Internetanschluss hin: „Die Telekom und andere Provider stellen derzeit ISDN und analoge Kommunikationssysteme auf die digitale VoIP-Technik (Voice over IP) um. Den betreffenden Praxen wird dabei zum Teil einfach der Anschluss gekündigt. Manchmal funktionieren dann auch alte Telefonverbindungsanlagen und Faxgeräte nicht mehr. Vor der Entscheidung für einen DSL-Anschluss sollten Praxen sich also zuallererst um die Umstellung auf VoIP kümmern.“

3. Aktualisierung des Praxisverwaltungssystems

Eine weitere Voraussetzung für die Anbindung an die TI ist die Anpassung des eigenen Praxisverwaltungssystems (PVS). Ärzte sollten sich deshalb zunächst bei ihrem PVS-Hersteller erkundigen, ab wann das notwendige Update für den Anschluss an die TI zur Verfügung steht. Die Aktualisierung des PVS sollte bereits im Vorfeld der Installation des Konnektors erfolgen, damit am Installationstag der Praxisbetrieb so wenig wie möglich eingeschränkt wird.

4. Angebote einholen

Sobald möglich, sollten Sie sich mehrere Angebote für die Erstausstattung (TI-Konnektor, Kartenterminals und VPN-Zugangsdienst) und für den laufenden Betrieb bei den von der gematik zugelassenen Herstellern einholen und diese sorgfältig prüfen. Folgendes ist dabei wichtig:

  • Prüfen Sie, welche Ausstattung Ihre Praxis benötigt und welche Geräte für Sie am sinnvollsten sind. Jede Praxis benötigt einen TI-Konnektor. Wie viele Kartenterminals Sie brauchen, sollten Sie anhand der Größe Ihrer Praxis und dem bisherigen Gebrauch abschätzen. Für Praxen mit bis zu drei Ärzten wird ein Kartenlesegerät von der KV erstattet, bei vier bis sechs Ärzten sind es zwei Geräte und ab sieben Ärzten drei Geräte. Prüfen Sie darüber hinaus, ob Sie auch ein mobiles Kartenterminal benötigen. Dieses wird bei ausgelagerten Praxisräumen, einem Kooperationsvertrag mit einem Pflegeheim beziehungsweise ab drei Hausbesuchen im Quartal erstattet.
  • Lassen Sie sich vertraglich zusichern, in welchem Quartal die Geräte installiert werden, und prüfen Sie, ob die anfallenden Kosten durch die Finanzierungspauschalen gedeckt werden. Dies ist wichtig, da sich die Höhe der Erstattung für den Konnektor nach dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme der neuen Technik in Ihrer Praxis richtet.
  • Das Angebot sollte ein kostenloses Update für die qualifizierte elektronische Signatur (QES) enthalten. Diese ist für einige der geplanten Online-Anwendungen der TI wie zum Beispiel für den eArztbrief erforderlich.
  • Prüfen Sie, ob im Vertrag ein zeitnaher Austausch der Geräte im Falle eines Defekts festgelegt ist.
  • Die KBV rät außerdem, die Vertragslaufzeit zu prüfen, um sich die Option eines Wechsels zu besseren Komponenten beziehungsweise günstigeren Betriebskosten offenzuhalten.

5. Praxisausweis (SMC-B-Karte) bestellen

Mit der SMC-B-Karte identifiziert sich jede Arztpraxis innerhalb der TI und verschafft sich so Zugang zum sicheren Netz. Die Karte muss bei einem von der gematik zugelassenen Kartenhersteller, auch Trust-Service-Provider genannt, beantragt werden. Dieser vergewissert sich bei der zuständigen KV, dass der Antragsteller tatsächlich Vertragsarzt ist. Rechtzeitig zum Installationstermin der TI-Geräte muss der Praxisausweis inklusive zugehörigem PIN und PUK in der Praxis vorliegen.

6. Termin für die Installation vereinbaren

Sind alle Voraussetzungen für den Anschluss an die TI erfüllt, kann mit dem gewählten Anbieter ein Termin zur Installation vereinbart werden. Dafür sollten alle notwendigen Passwörter (Praxis-IT, Internet, Praxisausweis) bereitgehalten werden. Die Installation der Konnektoren und Kartenterminals durch Fachleute dauerte der KV Nordrhein zufolge bei der Erprobung in der Testregion Nordwest zwischen zwei und in Einzelfällen bis zu zwölf Stunden. Ein wahrscheinlicher Zeitrahmen seien zwischen vier und acht Stunden. Nach erfolgreicher Installation kann die Praxis mit dem Online-Abgleich der Versichertenstammdaten (VSDM) beginnen.

7. Finanzierungspauschalen erhalten

Die Kosten für den Anschluss an die TI sowie für den laufenden Betrieb werden von der zuständigen KV erstattet, sobald das erste VSDM in der Praxis durchgeführt wurde. Wie genau die Erstattung erfolgt und was Sie dafür tun müssen (Einreichen eines Antrags oder automatische Abrechnung mit der Quartalsabrechnung), erfahren Sie bei Ihrer KV.

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