Die Arbeit in den Alterstraumazentren hat seit ihrer schrittweisen Einführung im Jahr 2014 zu einer spürbaren Verbesserung der klinischen Versorgung und des Outcomes bei Patienten mit osteoporoseassoziierten Frakturen geführt.
Neben der möglichst raschen operativen Versorgung proximaler Femurfrakturen innerhalb von 24 Stunden führte vor allem das orthogeriatrische Co-Management zu einer Reduzierung der Mortalität. Die enge Zusammenarbeit von Geriatern und Orthopäden und Unfallchirurgen hat einen positiven Einfluss auf typische altersmedizinische Behandlungsfelder wie Polypharmazie und Delir.
Diese überzeugenden Daten führten zur Erarbeitung der QSFFx-Richtlinie „Versorgung der hüftgelenknahen Femurfraktur“ durch den GBA. Die erfolgreiche Zusammenarbeit im Rahmen des orthogeriatrische Co-Management soll nun flächendeckend in Deutschland in allen an der Versorgung proximaler Femurfrakturen beteiligten chirurgischen Kliniken Anwendung finden. Hierdurch entsteht plötzlich ein erheblicher Mehrbedarf an geriatrischer Kompetenz.
Bei der Einführung der QSFFx-Richtlinie wurden deshalb zeitliche Übergangsregelungen implementiert. Die letzte Übergangsfrist endet nun zum 31.12.2026. Anschließend muss tägliche geriatrische Kompetenz für Patienten mit proximalen Femurfrakturen vorgehalten werden.
Dies erscheint in Anbetracht der geringen Anzahl an tätigen Geriaterinnen und Geriatern schwer realisierbar und stellt viele chirurgische Kliniken vor erhebliche Probleme.
Auf Initiative der Sektion Alterstraumatologie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) hat die Akademie der Unfallchirurgie (AUC) eine aktuelle Online-Umfrage gestartet. Befragt wurden 6.243 aktive DGOU-Mitglieder, die zudem einer Teilnahme an Umfragen zugestimmt haben.
„Die enge Zusammenarbeit von Geriatern und Orthopäden und Unfallchirurgen hat einen positiven Einfluss auf typische altersmedizinische Behandlungsfelder wie Polypharmazie und Delir.“
Dr. Rüdiger Neef

- Geantwortet haben hiervon 151 Kolleginnen und Kollegen. Hiervon waren 83 % Fach-, Ober- und Chefärzte, somit vorwiegend jene Kolleginnen und Kollegen, die aufgrund des Facharztstatus auch die Zusatzbezeichnung Geriatrie zum gegenwärtigen Zeitpunkt erwerben könnten.
- Die Verteilung zwischen Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung, Schwerpunktkrankenhäusern sowie Maximalversorgern / Universitätskliniken war sehr ausgewogen.
- Knapp 60 % der Gefragten gab an, dass am eigenen Krankenhausstandort eine Klinik / Abteilung für Geriatrie vorgehalten wird.
- Auf die Frage, ob das Krankenhaus über eine feste Kooperation mit einer Abteilung / Klinik für Geriatrie / Altersmedizin eines anderen Standortes oder mit einem anderen Krankenhaus verfügt, antworten 47 % mit Ja, genauso viele mit Nein und 6 % machten keine Angaben.
- Von den kooperierenden Geriatrien verfügen mehr als 2/3 eine Weiterbildungsermächtigung für die ZB Geriatrie.
- Von den 151 Antwortenden hatten bereits 13 die ZB Geriatrie erworben.
- 30,5 % der Befragten planen, die ZB Geriatrie zu erwerben. Werden die 8,6 % hinzugerechnet, die bereits Geriater sind, ergeben sich 51,7 %, die nicht Geriater werden wollen, 9,3 % ohne Angabe.
- Somit wollen 30,5 % der Befragten die ZB Geriatrie erwerben, 8,6 % haben es schon getan.
- Als Gründe für den Erwerb wurden folgende Angaben in absteigender Reihenfolge gemacht:
· Verbesserung in der klinischen Behandlung alterstraumatologischer Patienten
· wegen der QSFFx-RL
· fehlende Geriater am Krankenhaus
· zu wenige Geriater am Krankenhaus - Als Gründe gegen den Erwerb wurden folgende Angaben in absteigender Reihenfolge gemacht:
· Ausschließlich Konzentration auf chirurgische Kompetenzen
· Ausreichend Geriater am eigenen KH vorhanden, auch im Hinblick auf die GBA- Richtlinie ab 2027
· Fehlende Möglichkeit für die Absolvierung der 18monatige Weiterbildung, da am eigenen Haus keine Geriatrie vorhanden ist.
· Keine Valenzen, für die ZB in eine externe Geriatrie zu rotieren/ zu wechseln.
· Die WBO der zuständigen Landesärztekammer schließt den FA O+U aus.
Entsprechend der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer von 2018 ist es gegenwärtig nur noch in 9 der 17 Landesärztekammern möglich, mit einer Facharztanerkennung O+U die ZB Geriatrie zu erwerben.
Aufgrund weithin stark steigenden Patientenzahlen in der Alterstraumatologie und der zunehmenden Fallkomplexität, welche eine spezialisierte und interdisziplinäre Behandlung unter Einbeziehung aller Fachdisziplinen in Alterstraumazentren benötigt, hat der 129. Deutsche Ärztetag im Mai 2025 beschlossen, den auf muskuloskelettale und osteoporotische Erkrankungen spezialisierte Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie wieder für die ZB Geriatrie zuzulassen. Dies bedarf nun der Umsetzung in allen Landesärztekammern.









