Der BVOU-Infobrief 1/2026 steht ganz im Zeichen eines Themas, das unser Fachgebiet im Kern betrifft und in den kommenden Jahren entscheidend prägen wird: die Reform der Notfallversorgung. Kaum ein anderer Bereich macht die strukturellen Herausforderungen unseres Gesundheitssystems so sichtbar wie die tägliche Realität in Notaufnahmen, Bereitschaftsdiensten und Praxen – insbesondere für die Orthopädie und Unfallchirurgie, die einen erheblichen Anteil der ambulanten und stationären Notfallversorgung tragen.
Der thematische Schwerpunkt dieses Heftes beleuchtet die Notfallversorgung aus unterschiedlichen, sich ergänzenden Perspektiven: Prof. Dr. Christian Kleber und sein Leipziger Autorenteam analysieren eindrücklich die Situation in Zentralen Notaufnahmen, zeigen Fehlsteuerungen, Überlastungen und strukturelle Verschiebungen zulasten der Kliniken auf und machen deutlich, dass die Notfallmedizin ohne eine starke fachliche Präsenz der Orthopädie und Unfallchirurgie nicht zukunftsfähig ist.
Dr. Dominik von Stillfried legt den Fokus auf die Patientensteuerung und zeigt auf, welches Potenzial in einer konsequent genutzten Ersteinschätzung, der Vernetzung über die 116117 und der Einbindung niedergelassener O&U-Praxen liegt. Aus Sicht der Kassen liefert Boris von Maydell realistische Zahlen bezüglich der Patientensteuerung und wer diese benötigt und wer nicht. Ein praxisnahes Best-Practice-Beispiel liefert Matthias Träger mit dem Blick auf die Reform des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes in Mecklenburg-Vorpommern, das zeigt, dass strukturierte Zusammenarbeit und digitale Instrumente Entlastung schaffen können.
Der Referentenentwurf zur Notfallreform vom November 2025 adressiert zentrale Schwachstellen – etwa durch integrierte Notfallzentren, standardisierte Ersteinschätzung, Akutleitstellen, Telemedizin und Vorhaltefinanzierung. Dies ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend wird jedoch die konkrete Umsetzung: Nur mit verbindlicher Steuerung, konsequenter Einbindung der vertragsärztlichen Versorgung – insbesondere der orthopädisch-unfallchirurgischen Praxen – und einer angemessenen Finanzierung der Vorhaltekosten kann echte Entlastung entstehen. Andernfalls drohen neue Doppelstrukturen.“
Die Reform bietet die einmalige Chance für einen echten Strukturwandel – vorausgesetzt, sie berücksichtigt die gewachsenen Versorgungsstrukturen und bindet die Expertise der Berufsverbände und Fachgesellschaften konsequent ein.






