Die Orthopädie entwickelt sich zunehmend in Richtung präziser, datenbasierter und patientenspezifischer Versorgung. Besonders in der komplexen Rekonstruktion gewinnen 3D-Planung und personalisierte Lösungen an Bedeutung. Der Grund ist klar: Treffen ausgeprägte Knochendefekte, veränderte Anatomie und hohe biomechanische Anforderungen zusammen stoßen Standardansätze an ihre Grenzen.
Die klinische Herausforderung der Acetabulum-Revision
Starke Erosion der medialen Wand, große kavitäre Defekte, vollständiger Verlust des Pfannenrands und Beckendiskontinuität erhöhen die Komplexität. Ziel ist nicht nur einen Defekt zu füllen. Chirurg:innen müssen eine stabile Fixation erreichen, die Biomechanik möglichst exakt wiederherstellen und die Voraussetzungen für ein dauerhaftes Ergebnis schaffen. In Re-Revisionsfällen steigt die Herausforderung weiter – mit direkten Folgen für Mobilität, Schmerzen und Lebensqualität der Patient:innen.
Präoperative Planung als Teil der Rekonstruktionsstrategie
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein integrierterer Behandlungsansatz an Bedeutung. Fortschrittliche Bildgebung und 3D-Analyse ermöglichen eine genauere Beurteilung des Defekts und der verfügbaren Knochensubstanz vor dem Eingriff. Wichtige Rekonstruktionsparameter wie Rotationszentrum, Inklination, Anteversion und Fixationsstrategie lassen sich vorab festlegen. In enger Zusammenarbeit zwischen Operateur:in und klinischem Ingenieur entsteht so bereits vor der Operation ein umfassenderes Fallverständnis – statt sich ausschließlich auf intraoperative Erkenntnisse zu verlassen.

Was Personalisierung im OP verändert
Der Nutzen dieses Ansatzes wird besonders im OP greifbar. Ein 3D-gedrucktes, patientenspezifisches Implantat wird passend zur individuellen Anatomie und zum Defekt entwickelt und ermöglicht eine Passform, die mit Standardkomponenten nicht erreichbar ist. Zudem sind viele kritische Rekonstruktionsentscheidungen bereits präoperativ definiert. Das reduziert die intraoperative Komplexität, verringert den Bedarf mehrere Komponenten während des Eingriffs zu kombinieren oder anzupassen, und unterstützt einen effizienteren OP-Ablauf.
Materialise aMace
Ein starkes Beispiel dafür ist Materialise aMace, ein patientenspezifisches Acetabulum-Implantat auf Basis detaillierter präoperativer 3D-Analyse. Materialise verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung und hat über 2.000 komplexe Acetabulum-Rekonstruktionen unterstützt. Die Technologie zur Quantifizierung des acetabulären Knochenverlusts und 3D-Visualisierung des verfügbaren Knochens unterstützt eine Rekonstruktionsstrategie, bei der Implantat und Fixation individuell angepasst werden – ohne unnötige Knochenresektion. Das Implantat wird in enger Zusammenarbeit zwischen Chirurg:in und klinischem Ingenieur entwickelt; über eine interaktive Online-Plattform ist direkter Input im Planungsprozess möglich. Patientenspezifische Bohrschablonen unterstützen zudem eine präzise Schraubenplatzierung. Veröffentlichte klinische Ergebnisse zeigen eine Implantatüberlebensrate von 97 %¹; 98 % der Patient:innen würden sich erneut für den Eingriff entscheiden².

Fazit
3D-Planung und personalisierte Implantatlösungen stehen für eine breitere Entwicklung in der Orthopädie da, in der Präzision und individualisierte Versorgung zunehmend enger miteinander verknüpft werden. Bei komplexen Acetabulum-Revisionen kann dieser Ansatz helfen, Eingriffe fundierter vorzubereiten und Rekonstruktionen planbarer umzusetzen. Lösungen wie Materialise aMace zeigen, wie sich dieses Konzept in die klinische Praxis übertragen lässt.
1Baauw et al. 2020, 2017, 2015; Citak et al, 2017; Colen et al. 2013; Goriainov et al. 2018; Myncke et al. 2017; Van Eemeren et al. 2020; Matar et al. 2020; Gruber et al. 2020; Scharff-Baauw et al. 2021; Augustyn et al. 2022; Faraj et al. 2023; Madanipour et al. 2022
2Baauw et al. 2017; Colen et al. 2013; Myncke et al. 2017; Scharf-Baauw et al. 2021






